Die geltenden Lockdown-Regeln für die Kultur waren: Museen und Ausstellungshäuser, Galerien, Bibliotheken und Buchhandlungen sind offen, Konzerte und Aufführungen dürfen ab 7. Jänner wieder stattfinden. Das wird nun wieder anders. Im Folgenden die neuen Kultur-Regeln, die - so Kulturminister Werner Kogler (Grüne) - "Planungssicherheit für Jänner geben sollten", laut der heutigen Pressekonferenz der Bundesregierung.

Museen und Ausstellungshäuser werden ab 26. Dezember wieder geschlossen. Die Bedingungen der Wiedereröffnung sind offenbar noch nicht endgültig ausverhandelt. Im Kunst- und Kulturstaatssekretariat geht man von einer Gleichbehandlung mit dem Handel aus, das hieße: von 18. bis 24. Jänner geöffnet nur für Kunden mit negativem Antigen-Test, der nicht älter als eine Woche ist.

Theater, Opern- und Konzerthäuser

Ab 18. Jänner kann in den Theater, Opern- und Konzerthäusern wieder gespielt werden - aber nur vor- und nachmittags (damit die Leute rechtzeitig zu den um 20 Uhr beginnenden Ausgangsbeschränkungen wieder zu Hause sind). Erlaubt sind bei Veranstaltungen aber nur 50 Prozent der Platzkapazität bzw. maximal 500 Besucher indoor bzw. 750 Besucher outdoor. Die Besucher müssen einen gültigen negativen Corona-Test vorweisen können, der nicht älter als eine Woche ist. "Abendliche Kulturveranstaltungen wird's in der Form noch nicht so schnell geben", sagte Kogler. "Das Ganze gilt vorläufig einmal bis Ende Jänner. Dann muss man die Lage neu bewerten."

"Mir ist klar, dass die heute bekanntgegebenen Einschränkungen für die Kulturbranche eine schwierige Ausgangsposition bedeuten. Gleichzeitig will ich betonen: Es ist ein Anfang, und vor allem ist es die vielfach von der Kulturbranche zurecht eingeforderte Perspektive", kommentierte Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) die neuen Regeln in einem Statement gegenüber der APA. "Ich denke, dass wir einen Weg gefunden haben, der ein langsames Hochfahren der Kulturbranche ermöglicht und hoffe, dass die Beschränkungen und vor allem die neue Teststrategie bald dazu führen, dass weitere Schritte in Richtung Normalität möglich werden."

Nur nachmittags und negativ: Reaktionen auf die neuen Kultur-Regeln

In den Bundestheater wird man morgen, Samstag, Vormittag, in einer Telefonkonferenz über die Verlängerung des Kultur-Lockdowns und die neuen, ab 18. Jänner geltenden Regeln beraten. "Es trifft uns nicht unvorbereitet", sagte Bundestheater-Holding-Geschäftsführer Christian Kircher zur APA. Möglich sei etwa, dass man Vorstellungen nur Freitags, Samstags und Sonntags anbiete, am Wochenende eventuell jeweils eine Matinee und eine Nachmittagsvorstellung spiele.

Herbert Föttinger, der Direktor des Theaters in der Josefstadt, wollte sich gegenüber der APA vorerst nicht zu den neuen Regeln äußern: "Ich bin im Moment sprachlos und muss erst einmal nachdenken, was das für uns bedeutet." Sorgen bereiteten ihm weniger die erlaubten Vorstellungszeiten als die Verpflichtung des Publikums, einen negativen Corona-Test vorlegen zu müssen.

Der Intendant des Linzer Landestheaters Hermann Schneider hält es zwar für "lobenswert, dass man sagt, man will Kulturleben ermöglichen", unter dem Strich sei es aber eher ein "Danaer-Geschenk". Seiner Ansicht nach wäre es sinnvoller gewesen, gleich bis nach den Semesterferien zu schließen. Denn, dass die Zahlen im Jänner wieder steigen werden, sei auch für ihn als medizinischen Laien klar. Er lässt Skepsis durchblicken, dass es nach der nun anstehenden "vierten Umbuchung der Abos binnen sechs Wochen" auch bei den genannten Daten bleiben werde, denn zuletzt habe es immer wieder kurzfristige Änderungen gegeben.

Die Regelungen seien "praxisfern", sieht Schneider viele Fragen offen, etwa wer die Tests kontrolliere - "macht das der Billetteur?" - oder wer sie bezahle. Das Landestheater habe 30.000 bis 40.000 Besucher pro Monat. Selbst wenn man nur von der Hälfte ausgehe, "sind das 20.000 Tests", rechnete er vor. Auch ist er nicht überzeugt, dass der Betrieb wirtschaftlich sein könne: So habe man etwa mittlerweile Klauseln in den Verträgen, dass das Theater weniger Gage bezahle, wenn eine Vorstellung wegen Corona-Regeln entfallen müsse. Nun könne man aber theoretisch spielen, wenn auch mit Einschränkungen, und müsse daher auch zahlen - "die Ausgaben werden unter Umständen hoch bleiben, die Einnahmen niedrig sein".

Für Gerhard Ruiss bleibt der Zustand in der Kultur "zermürbend, weil vor allem auch nicht abzuschätzen ist, ob und welche Veranstaltung wann, wie stattfinden kann", so der Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren in einer Aussendung. "Auch das Freitestungskonzept wirft mehr Fragen auf als es Antworten gibt und hilft dem Veranstaltungswesen nur wenig." Einmal mehr urgiert er: "Es muss aber vor allem mehr systematischen direkten Austausch geben, um aus der Verordnungs- und Verfügungspolitik heraus zurück in die Planbarkeit und Haltbarkeit von Kulturangeboten und Vereinbarungen zu finden."

(apa)