Ohne Gööd ka Musi", sagt man in Wien - ohne Geld keine Musik. Die Lockdowns im Zuge der Corona-Krise malen den wörtlichen Sinn des Spruchs als Menetekel an die Wand: Die österreichischen Musikverlage sind ernsthaft in Bedrängnis, sagt Astrid Koblanck, Vorstand der Universal Edition, der Musikverleger Union Österreich und Präsidentin des Verbands der Bühnenverleger Österreichs, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Ohnedies ist die Musikverlags-Branche, speziell im Klassik-Bereich, in den letzten Jahren zunehmend härter geworden.

Das Musikverlagsgeschäft steht auf drei Säulen: Tantiemen von Aufführungen, Hörfunk- und Fernsehsendungen, Ton- und Bildträgeraufnahmen, Leihgebühren für Aufführungsmaterialien und Notenhandel.

Die meistgespielten Klassiker sind jedoch, wie es juristisch heißt, "gemeinfrei": Die 70-Jahre-Schutzfrist nach dem Tod eines Komponisten ist bei Mozart, Beethoven, Brahms und Konzertschlachtross-Kollegen abgelaufen, Partituren und Instrumenten-Stimmen genießen nur noch durch aktuelle Verlags-Editionen Schutz. Wenn Webseiten-Betreiber auf Notenausgaben zurückgreifen, die außerhalb der Schutzfrist gedruckt wurden, was bei Klassikern mühelos möglich ist, können sie straffrei ins Netz gestellt werden. Selbst einige Opernhäuser und Orchester bedienen sich fallweise bei solchen Internet-Anbietern und scannen das Notenmaterial im Selbstverfahren ein. Wozu für Bach oder Weber zahlen, wenn man sie von Petrucci downloaden kann?

Wenn niemand Noten braucht

Jetzt aber kommen auch noch die Lockdowns hinzu: Wo keine Aufführungen stattfinden, braucht niemand Notenmaterial. Das Geschäft ist auf katastrophale Weise eingebrochen. Koblanck gibt Umsatzrückgänge von 60 bis 80 Prozent für das Jahr 2020 an, doch die wahren Einbrüche folgen wohl erst 2021. Ist wenigstens dann ein Ende der Leiden in Sicht? - Nein, sagt Koblanck. Denn die fehlende Planungssicherheit lässt aus derzeitiger Sicht keine Entspannung zu.

Was derzeit an Einnahmen fließt, reduziert sich weitestgehend auf Tantiemen von Radio, Fernsehen, Ton- und Bildträgern. Aufgrund ihres Programms fahren dabei manche Verlage besser als andere. Doch ungeschoren kommt keiner davon. Was bleibt, ist bei den Großen im Prinzip zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben.

Kleine, die sich in Nischen angesiedelt haben, trifft die Krise noch heftiger, etwa Verlage, die sich auf Blasmusik spezialisiert haben. Um überleben zu können, sind sie darauf angewiesen, dass die Blaskapellen auftreten können. Das Wegbrechen von diversen Festlichkeiten, etwa im ländlichen Bereich, ist ein kaum zu verschmerzender Aderlass bei den Einnahmen.

Staatliche Maßnahmen wie Kurzarbeit oder Fixkostenzuschüsse vermögen diese Einbußen kaum abzufedern. Obendrein können die Musikverlage als "mittelbar Betroffene" der Corona-Krise nicht vom staatlichen Teilersatz der Einnahmen, die es etwa für Handel und Gastronomie gibt, profitieren. Buchverlage, die ihre Produkte weiterhin verkaufen können, bekommen, unabhängig von der Corona-Krise, eine staatliche Förderung. Die gibt es für Musikverlage nicht. Bisher war das kein Problem. Doch angesichts der Corona-Krise, so Koblanck, bedarf es jetzt der staatlichen Unterstützung, um die Musikverlage abzusichern.

Theaterverlage, so fügt Koblanck hinzu, seien übrigens in derselben misslichen Lage: Die Corona-Krise bedroht jeden Verlag, der in seinem zentralen Geschäft von Aufführungen abhängig ist.

Auf politischer Seite konnte Astrid Koblanck vorerst Aufmerksamkeit wecken: Es gab Gespräche mit Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer und Thomas Drozda, dem Stellvertreter der Obfrau des parlamentarischen Kulturausschusses. So wertvoll diese Gespräche sind: Was die Musik- und Theaterverlage brauchen, sind verlässliche Zusagen finanzieller Unterstützung.

Ein Wegbrechen dieser Verlage wäre für die Kulturnation Österreich ein Schaden, der nicht wiedergutzumachen wäre, denn Musik- und Theaterverlage sind das Bindeglied zwischen Urheber und Aufführenden. Für zahlreiche österreichische Komponisten und Theaterautoren sind sie somit das Fenster zur Welt.