Es war ein Leichtes, in die Zukunft des Kulturbetriebs zu sehen - jedenfalls vor Corona. Premieren und Postenwechsel hielten sich an Termine, die Jahre im Voraus paktiert worden waren. Doch dann kam die Pandemie. Und sie hob nicht nur das Jahr 2020 aus den Angeln, sondern verleiht auch noch den Plänen für die nächsten Monate den bitteren Beigeschmack der Vorläufigkeit. Es türmen sich die Fragen: Wird der aktuelle Lockdown wirklich am 18. Jänner enden, geht der Plan der Bundestheater auf, ab 22. Jänner an den Wochenenden zu spielen? Darf das Theater an der Wien am 19. Jänner den Vorhang für "Thais" heben, wird das "Cats"-Rudel in der dritten Jahreswoche ins Ronacher zurückkehren? Und wird Kay Voges, bisher Non-Playing-Captain am Wiener Volkstheater, seine Amtszeit am 22. Jänner wirklich plangemäß beginnen?

Neue Direktoren denkbar

Worauf aber auch im Kulturjahr 2021 (höchstwahrscheinlich) Verlass ist: dass einige Personalentscheidungen fallen. Die wichtigste davon betrifft die Medienorgel der Republik: Am 10. August besetzt der Stiftungsrat des ORF abermals den Posten des Generaldirektors. Es gilt als gewiss, dass sich Amtsinhaber Alexander Wrabetz um eine vierte Amtszeit bewirbt.

Bei den Salzburger Festspielen tickt die Uhr für die Langzeit-Präsidentin Helga Rabl-Stadler: Ihr Vertrag, ebenfalls schon mehrfach verlängert, läuft Ende 2021 ab. Sollte sich die Salzburgerin nicht für eine weitere Amtszeit an der Seite von Intendant Markus Hinterhäuser gewinnen lassen, erhält das Festival erstmals seit 1995 eine neue Führungsfigur. In den kommenden Jahren gilt es jedenfalls, in der Mozartstadt die bewilligte Generalsanierung des Großen Festspielhauses umzusetzen und die beengten Werkstätten zu erweitern.

Im Burgenland wiederum hat jüngst eine Entscheidung überrascht: Alfons Haider, Moderator, Schauspieler und ehemals Musical-Intendant in Stockerau, stieg am 1. Jänner 2021 zum Generalintendanten des Festivals Jopera und der Operettenfestspiele Mörbisch auf. Die Kür erstaunt insofern, als Mörbisch in Peter Edelmann bereits einen künstlerischen Leiter hat, dessen Vertrag noch bis August 2022 läuft.

Bringt 2021 frischen Wind in die Museumsszene? Das hängt davon ab, ob Staatssekretärin Andrea Mayer einige Verträge verlängert oder nicht. Dies betrifft zum einen den MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein (noch bis Jahresmitte verpflichtet), aber auch Nationalbibliotheks-Chefin Johanna Rachinger (bis Jahresende 2021 im Amt) sowie die Belvedere-Leiterin Stella Rollig (vorerst bis Jahresbeginn 2022 im Dienst). Das Museumsquartier Wien erhält spätestens mit 1. Oktober eine neue Leitung oder abermals Christian Strasser als Boss.

Das Kunsthistorische Museum Wien (KHM) sucht zwar keinen neuen Kopf für die Spitze, aber frische Kräfte für die Ebene darunter: Die Leitung der Gemäldegalerie ist vakant, seit Stefan Weppelmann die Führung des Leipziger Museums der bildenden Künste übernommen hat; die Bewerbungsfrist endet im Jänner. Auch in weiteren Häusern des KHM-Museumsverbands stehen Weichenstellungen an. Thomas Trabitsch geht demnächst in Pension, seine Nachfolge an der Spitze des Theatermuseums im Jahr 2022 muss bald entschieden werden. Im Weltmuseum wiederum hatte der Ethnologe Christian Schicklgruber anfangs nur einen Drei-Jahres-Vertrag erhalten; auch hier steht eine Entscheidung an.

Zudem dürfte die Ausschreibung der Direktion des Heeresgeschichtlichen Museums nach der Veröffentlichung des desaströsen Rechnungshofberichts nicht mehr lange auf sich warten lassen, auch ist der Vertrag des amtierenden Direktors M. Christian Ortner bereits ausgelaufen. Auf die neue Direktion wartet eine umfassende Reform samt der Umsetzung der zahlreichen RH-Empfehlungen.(irr/apa)