Auch das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) rüstet sich heuer angesichts der Unwägbarkeiten dank Corona für ein Ausstellungsjahr, das zentral den digitalen Raum in den Fokus nimmt. Als einen Roten Faden legt man dabei einen zukunftsgerichteten Themenschwerpunkt: "Österreich neu erfinden". Dieser versammelt das Jahr über Ereignisse, Ideen oder auch Proteste, die in den vergangenen 75 Jahren die österreichische Identität geprägt haben.

Ganz aktuell ist man ab Ende Februar mit der Internetschau "Ein Jahr Corona Sammeln" unterwegs, in deren Rahmen man ausgewählte digitale und physische Objekte zum derzeit alles dominierenden Thema zusammenstellt. Ein weiterer Fokus liegt ab März auf außergewöhnlichen Frauen, die man mit "Heimat großer Töchter" würdigt. "Von Beginn an haben wir großen Wert auf eine Web-Präsenz gelegt, die in der Wissensvermittlung gleichberechtigt zum physischen Museum agiert", so hdgö-Direktorin Monika Sommer am Montag in einer Aussendung. Das komme dem Haus nun zugute. Bereits im Laufen ist eine Internetausstellung zu den österreichischen Kostümfilmen der Nachkriegszeit.

"Hitler entsorgen"

Ganz in den Onlinebereich zieht man sich allerdings nicht zurück, sollte die Pandemie das zulassen. So sind am Alma-Rose-Plateau vor dem Ausgang zum "Hitler-Balkon" drei Ausstellungen zur NS-Zeit zu sehen. Mit "Verfolgen und Aufklären" (geplant 9. Februar bis 6. April) rückt man die erste Generation der Holocaust-Forschung ins Zentrum, bevor "Der kalte Blick" ein wissenschaftliches Fotoprojekt aus dem Jahr 1942 über das Leben jüdischer Familien in Tarnow thematisiert, was von 5. Mai bis 14. November zu sehen sein soll. Den Abschluss der Ausstellungstrias bildet dann ab 3. Dezember "Hitler entsorgen. Vom Keller ins Museum", die NS-belastete Gegenstände zeigt, die dem hdgö überantwortet wurden. "Mir ist es ein großes Anliegen, dass wir auch und gerade in Österreich Täter*innengeschichte thematisieren", so Sommer.

Und auf den Außenbereich setzt man im Frühjahr, wenn die Wanderausstellung "After the Great War" ab 20. Mai am Heldenplatz die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg aufleben lässt, was auch für die "Steiermark-Schau" des Landes gilt, die bereits zuvor am 7. April für knapp zwei Wochen am Heldenplatz Station macht.

Allgemein bemühe man sich im hdgö, die Verbindung von Gegenwärtigem mit der Vergangenheit aufzuzeigen, so Sommer: "Vieles war schon einmal da - man muss Ereignisse oder Entwicklungen nur kennen und erkennen lernen, dann bietet der Blick zurück manchmal auch eine ganz neue Perspektive auf die Gegenwart." (apa)