"Heldenplatz" ist wohl nach wie vor das bekannteste Stück von Thomas Bernhard, dessen Geburtstag sich am 9. Februar zum 90. Mal jährt. Am 6. Februar feiert die Salzburger Neuinszenierung von Alexandra Liedtke Onlinepremiere. Wann die Wienpremiere von Kay Voges' ins Volkstheater übernommener Dortmunder Inszenierung erfolgt, ist dagegen ebenso ungewiss wie die Premiere von "Die Jagdgesellschaft" im Akademietheater (Regie: Lucia Bihler). Fix sind dagegen einige ORF-Sendungen.

Der "kulturMontag" (8. Februar, 22.30 Uhr, ORF 2) will "zeigen, dass der Meister der Provokation nach wie vor en vogue ist und gerade von der jungen Generation entdeckt wird". Um 23.15 Uhr folgt der Dokumentarfilm "Der Bauer zu Nathal. Kein Film über Thomas Bernhard" von Matthias Greuling, "Wiener Zeitung"-Filmexperte, und David Baldinger, die sich in Ohlsdorf auf Spurensuche begeben haben. Bernhard-Texte werden dabei von Nicholas Ofczarek gelesen.

Ö1 widmet dem Autor mehrere Sendungen. Am 7. Februar wird in "Ex libris" (16 Uhr) Peter Fabjans Buch "Ein Leben an der Seite von Thomas Bernhard. Ein Rapport" vorgestellt. Ab 20.15 Uhr ist in den "Tonspuren" das Feature "Thomas Bernhard - das Porträt" aus dem Jahr 1999 zu hören. Zu Wort kommen dabei Wieland Schmied, Claus Peymann, Marcel Reich-Ranicki, Bernhard Minetti und der Dichter selbst. Von 8. bis 13. Februar liefert der Kulturpublizist Hubert Gaisbauer unter dem Titel "Zwei Minuten Finsternis" jeweils um 6.56 Uhr "Gedanken für den Tag". Die "Radiogeschichten" bringen am 9. Februar um 11.05 Uhr eine Archivaufnahme aus den 60er Jahren: Thomas Bernhard liest aus seinem Werk "Ereignisse". In ihrer Prägnanz und Knappheit erinnern die elf in den 50ern entstandenen Prosaminiaturen an Zeitungsmeldungen. Im "Ö1-Hörspiel" steht am 13. Februar ab 14 Uhr "Bernhard für Boshafte" auf dem Programm. Es liest Peter Simonischek, Regie bei dieser hr-Produktion aus dem Jahr 2019 führte Burkhard Schmid.

Das Landestheater Linz begeht das Bernhard-Jubiläum mit einer Youtube-Übertragung: Am 9. Februar (17 Uhr) hält der Leiter des Literaturarchivs Salzburg und Bernhard-Biograf Manfred Mittermayer einen Vortrag. Anschließend lesen Alexander Julian Meile und Christian Taubenheim aus dem Briefwechsel zwischen Thomas Bernhard und seinem Verleger Siegfried Unseld. Ab 20 Uhr stehen beide Videos für 48 Stunden auf dem YouTube-Kanal des Landestheaters kostenlos zur Verfügung.

Die Österreichische Mediathek wirbt anlässlich des 90. Geburtstags für abrufbare Archivaufnahmen und Lesungen von und mit Thomas Bernhard, darunter aus "Das Kalkwerk", "Watten", "Verstörung" und anderer Prosa. Zu hören ist aber etwa auch der Beginn des Schlussapplauses der "Heldenplatz"-Uraufführung, der mit Buh- und Jubelgeschrei die aufgeheizte Atmosphäre rund um die Aufführung gut wiedergibt.

Und schließlich wird am 6. Februar (12 Uhr) zu einer Onlineausstellungspräsentation geladen: "Mittagstisch. Eine Hommage zum 90. Geburtstag von Thomas Bernhard." Die Malerin Heidrun Karlic hat auf Anregung des Vereins kunst-projekte eine Serie von zehn Aquarellskizzen zu Speisen kreiert, die im literarischen Werk von Thomas Bernhard vorkommen - von der Einbrennsuppe, die Frau Zittel in "Heldenplatz" zubereitet, über das Wiener Schnitzel, das in den "Dramoletten" als Ausflugsproviant für Peymann und Beil dient bis zu den Brandteigkrapferln, Ludwigs Lieblingsspeise in "Ritter, Dene, Voss". Die Aquarellskizzen werden als limitierte und signierte Postkartenedition gemeinsam mit einer illustrierten Rezeptsammlung im Rahmen eines virtuellen "Mittagstisches" präsentiert. (www.galeriestudio38.at/5)