Geschäftssinn hatte er schon als Kind bewiesen: Benedikt Taschen setzte sich einfach auf die Straße und verkaufte eigene Zeichnungen, als Teenager machte er sich einen Namen als Sammler und Verkäufer von Comics. Am 9. Februar 1980, einen Tag vor seinem 19. Geburtstag, eröffnete er seinen ersten Laden in Köln. Das Geschäft mit Mickey Mouse und Co florierte, doch das war ihm nicht genug - 1984 beschloss er, Kunstbücher zu verlegen. Diesem Entschluss lagen zwei Dinge zugrunde: Die eigene langjährige Liebe zur Kunst und eine Nische, die der findige Unternehmer entdeckt hatte: Kunstbildbände gab es zwar, jedoch nie in großen Auflagen, und aufgrund ihrer hohen Preise konnten sie sich nur wenige Menschen leisten. Das wollte er ändern, die Kunstwelt in Buchform sollte allen, oder zumindest möglichst vielen, zugänglich sein.

Günstig und teuer

Am Anfang seiner Laufbahn als Kunstbildband-Verleger stand René Magritte: Taschen hatte sich von seiner Tante Geld geliehen, um einen 40.000 Stück umfassenden Restposten eines Bildbandes mit Werken des belgischen Malers in den USA zu kaufen, die er dann in Deutschland unters Volk brachte - erfolgreich. Das war genug Ansporn, um sich ins nächste Abenteuer zu stürzen - leistbare, aber dennoch qualitativ hochwertige Kunstbücher mit Texten in mehreren Sprachen auf den Markt zu bringen. Das verschaffte ihm nicht nur internationale Kundschaft, sondern auch volle Kassen: Heute ist der Taschen-Verlag Weltmarktführer im Kunstbildband-Bereich.

Muhammad Ali mit Benedikt Taschen im Verlagsbüro in Los Angeles. - © Goat / Taschen / Howard L. Bingham
Muhammad Ali mit Benedikt Taschen im Verlagsbüro in Los Angeles. - © Goat / Taschen / Howard L. Bingham

Nachdem er sich im Kunstbuchhandel seinen Platz gesichert hatte, Neues ausprobiert und in Vergessenheit Geratenes publiziert sowie zunehmend Architektur, Film und Design ins Programm aufgenommen hatte, beschloss Benedikt Taschen 1999, zusätzlich wieder teure Kunstbildbände in den Handel zu bringen - limitierte Editionen, Riesenformate und Schwergewichte wie die über 30 Kilogramm wiegenden Bücher "SUMO", das Helmut Newtons fotografisches Werk wie in einer Ausstellung zeigt, oder die Hommage an Muhammad Ali, "GOAT". Für seine Bücher scheut Taschen weder Kosten noch Mühen, in die prächtigen Bildbände werden oft Jahre und nicht selten mehr als sechsstellige Beträge investiert.

Kein Problem mit Kritik

Mut bewies Taschen in Sachen Verlagsprogramm immer wieder: Im Portfolio der "Sexy Books" findet man neben Fetisch-Bildbänden und historischen Erotika auch Pornografie wie etwa die Werke des finnischen Künstlers Touko Valio Laaksonen, besser bekannt als Tom of Finland. Dessen homoerotische Illustrationen waren bereits 1998, sieben Jahre nach dem Tod des Künstlers, Gegenstand eines Bildbandes des Taschen-Verlages. Für die Herausgabe erotischer und pornografischer Kunstbücher musste sich Taschen öfter Kritik gefallen lassen, doch Diversität, so wie sie eben in der Welt herrscht, ist auch für einen Verlag wichtig. Benedikt Taschen lässt sich von harschen Worten nicht beeindrucken und verlegt weiterhin, was er für wichtig hält und was ihm Spaß macht.

Neben seiner Verlegertätigkeit ist Taschen Sammler geblieben, wenn auch nicht mehr von Comics, sondern von zeitgenössischer Kunst. Anfangs waren es hauptsächlich Werke von Martin Kippenberger, Albert Oehlen oder Günther Förg, später entdeckte er amerikanische Künstler wie Jeff Koons, Christopher Wool, Thomas Struth oder Konrad Klapheck für sich. Gelegentlich veräußert er Werke seiner Sammlung, stiftet jedoch auch viele an Museen. Von 2015 bis 2018 leitete Benedikt Taschen die Taschen Gallery in Los Angeles, derzeit konzentriert er sich wieder eher aufs Verlegen und Sammeln. Der Verlag war stets ein Familienunternehmen, und das wird er dank Tochter Marlene vermutlich auch bleiben: Sie führt seit 2017 gemeinsam mit ihrem Vater den Taschen-Verlag mit Sitz in Köln. Sohn Bene betreibt ebenda eine Galerie, Tochter Charlotte lebt als Schauspielerin in Los Angeles - eine Familie mit Kunstsinn.