Robert Opron ist tot. Er wurde 89 Jahre alt. Sie müssen nicht in Verlegenheit geraten, wenn Sie den Namen dieses Künstlers nicht kennen - auch unter den Aufmerksamsten kennen ihn wenige. Doch Sie kennen viele seiner Werke. Wahrscheinlich haben Sie drei bis vier seiner Arbeiten auch näher betrachten können, denn Opron hat seine Kunst direkt auf die Straße gestellt. Und man konnte Oprons Kunst auch über Jahre teilweise recht günstig kaufen. Das gilt natürlich nicht für sein Meisterwerk "SM", was weder mit Sacher noch mit Masoch zu tun hat, sondern ein nie geklärtes Kürzel ist, das die Franzosen - Opron war Franzose - leicht spöttisch mit "Sa Majesté" erklärten - Ihre Majestät.

Dieses SM prangte am Armaturenbrett eines Personenfahrzeugs der Marke Citroen, in einem Sportcoupé der Oberklasse, das zwischen 1970 und 1975 nur 12.920 Mal gebaut wurde. Heute sind nach Schätzungen noch rund 3.000 Citroen SM in fahrtüchtigem Zustand. Mindestpreis im sandgestrahlten Zustand: immerhin 120.000 Euro.

Ein UFO auf Rädern

Der Citroen SM war das zwölfte Auto, das Opron entworfen hatte - nicht alle erreichten Marktreife. Welch Ausnahmetalent Opron war, beweist seine erste Studie, die er 1959 für Simca in Poissy bei Paris anfertigte, dem damals modernsten Autowerk der Welt. Oprons Wagen namens Fulgur sah aus wie eine Fliegende Untertasse auf Rädern. Die Passagiere saßen unter einer Glaskuppel und am Heck des Autos waren die verkleinerten Heckflügel eines Mirage-Jägers montiert. Der Fulgur, dieses LSD-Kfz, das ohne Zutun von LSD entworfen wurde; der Fulgur, das war Simca klar, Opron damals wohl weniger, würde nie Serienreife erlangen, nie in Produktion gehen. Aber man erkannte bei Simca, welches Ausnahmetalent man im Haus hatte. Draufgekommen, was man aus dem Ausnahmetalent machen kann, sind jedoch andere.

Opron zeichnete noch etliche weitere Studien für Simca, die allesamt in den Schränken der Kategorie "Vergiss es" landeten. 1962 wechselte Opron zu Citroen. Erst als er dort ab 1965 kreativ auffällig wurde, holte man bei Simca die alten Zeichnungen des ehemaligen Haus-Futuristen aus den Archiven und baute 1967 die von ihm im Grundriss entworfene, nicht gigantisch erfolgreiche Kompaktkarre "1100", die aber schon jenes Schrägheck vorwegnahm, das Volkswagen 1974 mit dem ersten Golf zum Teil unseres Alltags machte.

Bei Citroen hatte man Mitte der 1960er-Jahre das Problem, dass keine und keiner mehr den DS sehen konnte. Das heißt: Sehen konnte man genug DS auf den Straßen, denn Frankreichs berühmteste schnittige Limousine, entworfen von Flaminio Bertoni und André Levèbre, war die dramatisch elegantere Alternative zum technisch völlig anders konstruierten "Ziegelstein auf Rädern" Mercedes 200 und geriet folglich so zum langjährigen Verkaufs-Dauerbrenner, der nicht nur in Frankreich zum ersten Oberklassen-Auto einer neuen Mittelschicht avancierte.

Robert Opron kam zu Citroen, als die Marke schon auf Erfolgskurs war - und die Leute dort selbstsicher im Tun. Er assistierte Flaminio Bertoni bei neuen Studien und wurde nach dessen Tod, 1964, Chefdesigner des nun berühmtesten und ruhmreichsten französischen Autobauers. Opron erbte das DS-Nachfolge-Problem und entwarf, quasi als Luxusversion der DS-Nachfolgemodelle, den SM, der aber von Citroen immer als eigenständig beschrieben wurde. Und trotz technischer wie äußerlicher Ähnlichkeiten nicht als das Auto, das einem anderem in einer Modellreihe nachfolgt.

Zeitlose Eleganz

Und dieser SM ist das sicher schönste je gebaute französische Kraftfahrzeug. Seine Schönheit überstand sogar die Umbau-Attentate der Pariser Konstrukteur-Familie Henri Chapron. Alles an diesem Auto hat jene zeitlose Eleganz, die diese Fahrzeuge auch 51 Jahre nach ihrer Erstzulassung als schlankes Werk einer eleganten Moderne wirken lassen; und als Boten einer Zeit, in der brillanten Industriedesignern das Besondere, aufgrund weniger Sicherheitsvorschriften, noch besonders einfach zu zeichnen und zu bauen möglich war.

Der SM, mit Maserati-Motor, war aber das, was man gemeinhin eine Scheißkarre nennt; ein Auto, dessen Ausfahrten oft in der Werkstätte endeten und deren Besitzer die gleichen Geschichten erzählen konnten, die damalige Jaguar-Besitzer schon seit Jahren austauschten. Weil die Franzosen aber in Sachen Auto nie den nationalen Masochismus der Briten besaßen, begrub man bei Citroen den SM nach nur fünf Jahren Schweißerei - und nachdem er ein riesiges Loch ins Budget gerissen hat. Mit dem SM begrub die französische Autoindustrie leider auch den Vorsatz, die elegantesten Autos der Welt bauen zu wollen, und wandte sich in Gesamtheit dem erfolgreichen, aber faden Familien-Van zu, an dem sich Opron, trotz nachgesagter Teilnahme am Renault-Espace, nie beteiligte.

Was Opron uns aber noch schenkte, sind seine zwei Schrumpf-SMs, den GS und CX. Danach machte er mit dem Renault Fuego noch mal Furore, um 1984 mit dem Sportwagen Renault Alpine V6 GT ein einziges Mal auch ein hässliches Auto abzuliefern. Der Mann der das schönste französischste Auto der Geschichte baute, verstarb am 29. März im Dorf Antony in der Nähe von Paris.