Als Architekt Laurids Ortner im Jänner in den Österreichischen Kunstsenat aufgenommen wurde, meinte Kunstsenats-Präsident Josef Winkler, Ortners Schaffen stehe "für eine Architektur, die - ohne Anbiederung - mit der Stadt, mit der historischen Substanz kommuniziert und auf ideologische Einschreibungen und Umbruchsituationen reagiert". Belege für diese Aussage gibt es viele, der wohl bekannteste ist das Wiener Museumsquartier. Am Mittwoch feiert Ortner seinen 80. Geburtstag.

Laurids Ortner wurde am 26. Mai 1941 in Linz geboren. Von 1959 bis 1965 studierte er an der Technischen Universität Wien Architektur. 1967 war er gemeinsam mit Günther Kelp und dem Maler Klaus Pinter Gründungsmitglied der "Architekten-Künstlergemeinschaft" Haus-Rucker-Co, die bis zu ihrer Auflösung 1992 unter anderem an mehreren documenta-Ausstellungen teilnahm. Die 1977 entworfene "Nike"-Plastik aus Aluminium, die seinerzeit bei ihrer Installation über dem Linzer Hauptplatz für Erregungen und Beschimpfungen ("Fetzenvogel") gesorgt und die vergangenen Jahrzehnte ihr Dasein im Depot gefristet hatte, feiert just dieser Tage im Zuge von "Höhenrausch" ein Comeback.

Museumsquartier war umstritten

1987 gründete er in Düsseldorf gemeinsam mit Bruder Manfred Ortner das Architekturbüro Ortner Architekten, aus dem 1990 "Ortner & Ortner Baukunst" in Wien wurde, das mit Partnern seit 1994 auch in Berlin und seit 2006 auch in Köln tätig ist. Unter den zahlreichen Großprojekten in Deutschland und Österreich ist das Wiener Museumsquartier (MQ) mit den drei Kunstbauten Mumok, Leopold Museum und Kunsthalle das bekannteste. Die umstrittenen Pläne der Architekten wurden auf dem Weg von der Planung zur Fertigstellung zehn Jahre später freilich zahlreichen Änderungen unterzogen - der von Ortner auch noch nach der Eröffnung angestrebte Turm gar nicht realisiert.

Das MQ beschäftigt Laurids Ortner weiter: "The Excitement Continues" hieß 2011 eine Ausstellung der Sammlung Leopold II im Leopold Museum, für das er eine Ausstellungsarchitektur aus Euro-Paletten schuf. Auf dem Leopold Museum wurde zuletzt ein weitgehend transparenter Veranstaltungsraum namens "MQ Libelle" aufgesetzt, der jenen Ausblick ermöglicht, der den Leseturm ausgezeichnet hätte. "Den Blick, den sie hier haben, den werden sie auf der ganzen Welt suchen müssen", sagte Ortner im September 2020, als nach mehreren Verschiebungen der 25 Meter über Straßenniveau gelegene Bau und die über einen Lift freizugängliche "schönste Kulturterrasse Österreichs" (MQ-Direktor Christian Strasser) endlich eröffnet wurden.

Die Aussicht vom Leseturm-Ersatz, der "Libelle" auf dem Dach des Leopoldmuseums in Wien bei der verregneten Eröffnung im September 2020.  - © APA / Harald Schneider
Die Aussicht vom Leseturm-Ersatz, der "Libelle" auf dem Dach des Leopoldmuseums in Wien bei der verregneten Eröffnung im September 2020.  - © APA / Harald Schneider

Großprojekte verwirklichten die Brüder auch in Berlin mit dem Alex, einem Shoppingcenter mit Bürohochhaus, Hotel und Wohnungen am Alexanderplatz oder mit dem Stuttgarter Wohn-, Kreativ- und Geschäftsstadtteil Form Killesberg in Stuttgart. Aktuelle Projekte des Büros befinden sich unter anderem in Berlin, Stuttgart oder Düsseldorf.

Internationale Auszeichnungen

In seiner Heimat Linz war Laurids Ortner von 1976 bis 1987 als Professor an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung tätig, 1987 bis 2011 war er Professor für Baukunst an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. 2012 stellten die Ortner-Brüder im Hauptpavillon der internationalen Ausstellung der 13. Architekturbiennale Venedig eine Wanderbühne auf. 2014 erhielten sie den Großen Kulturpreis des Landes Oberösterreich, 2020 den Großen österreichischen Staatspreis, der ihnen in der "MQ Libelle" überreicht wurde.

Laurids Ortner (Mitte) 1999 vor einem Modell des neuen Museumsquartiers im alten Museumsquartier mit Bürgermeister Michael Häupl (links) und Kulturstadtrat Peter Marboe (rechts).  - © APA / Roland Schlager
Laurids Ortner (Mitte) 1999 vor einem Modell des neuen Museumsquartiers im alten Museumsquartier mit Bürgermeister Michael Häupl (links) und Kulturstadtrat Peter Marboe (rechts).  - © APA / Roland Schlager

"O&O Baukunst" wird heute neben Laurids und Manfred Ortner von den Architekten Roland Duda, Christian Heuchel, Florian Matzker und Markus Penell gemeinschaftlich geführt. "Die Ansprüche an die gemeinsame Architektur sind mit der Größe der Aufgaben gewachsen. Die konzeptuellen Vorgangsweisen, die sich aus Haus-Rucker-Co Projekten ableiten ließen, sind sinngemäß die gleichen geblieben", heißt es in der Selbstbeschreibung. "Inhaltlich stehen die Bedingungen einer Europäischen Baukunst im Vordergrund, die das historische Erbe mit den Anforderungen einer Erneuerung in attraktiver Form zu vereinen mag." (apa)