Das Wien Museum am Karlsplatz ist seit ziemlich genau einem Jahr eine Großbaustelle und wird dies auch noch eine Weile bleiben. Die gute Nachricht lautet: Die Arbeiten liegen im Zeit- und Kostenplan, wie Direktor Matti Bunzl bei einem Rundgang mit Journalisten am Freitagnachmittag versicherte. Obwohl die Eröffnung erst für Ende 2023 geplant ist, wird man im heurigen Herbst bereits die volle Dimension des Erweiterungsvorhabens sehen können.

In den vergangenen Monaten ist bereits eine Menge am Gelände passiert. Die Fassade wurde entfernt, der Atriumbereich abgebrochen, die Fundamentierung des Neubaus mittels bis zu 40 Meter tiefer Bohrpfähle fertiggestellt, die Decke des obersten Geschoßes ist verschwunden. Letzteres ist insofern notwendig, als der Haerdtl-Bau aus den 1950er-Jahren um zwei Etagen - die "Fuge" (3. Obergeschoß) mit Räumlichkeiten für Veranstaltungen sowie einem Cafe mit großer Terrasse und Blick auf den Karlsplatz und dem schwebenden 4. Obergeschoß mit zusätzlichen 1.200 Quadratmetern für Sonderausstellungen.

 

Ganzer Umfang im Herbst sichtbar

 

Wie hoch das Wien Museum nach dieser Erweiterung tatsächlich sein wird, kann man sich derzeit nur vorstellen. Im Lauf des Herbsts soll es dann tatsächlich sichtbar sein. Denn bis dahin wird die Grundkonstruktion des Schwebegeschoßes bereits montiert sein, sagte Projektleiter Heribert Fruhauf. Die Oberkante des darunter liegenden Fugengeschoßes will man sogar noch im Sommer erreicht haben.

Das denkmalgeschützte und deswegen nicht gerade einfach zu renovierende Ausstellungshaus nahe der Karlskirche wächst aber nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Tiefe - und zwar für ein Grafikdepot und Räume für die Haustechnik. Dafür wird das Untergeschoß um mehr als 20 Meter in Richtung Karlsplatz vergrößert. Die Stahlbetonarbeiten hierfür sind bereits abgeschlossen. An dieser Stelle wird sich ebenerdig künftig die "Plaza" samt Gastrobereich, einem dem Eingang vorgelagerten Pavillon und drei neu gepflanzten Bäumen befinden.

Aber auch an der auf den ersten Blick unspektakulärer Front geht es voran: So soll nächste Woche entschieden werden, mit welchen Steinplatten das Gebäude künftig verkleidet wird. Denn die Original-Haerdtl-Platten hielten der Witterung nicht stand und wurden bereits in den 1980er-Jahren gegen andere ausgetauscht, sagte Bunzl. Mit dem neuen Material, das aus einem Steinbruch nahe der kroatischen Stadt Split kommt, will man der ursprünglichen Fassadenerscheinung wieder näher kommen.

Laut Fruhauf steht im kommenden Jahr dann vor allem der Innenausbau am Plan. Vorgesehen ist, dass der Generalunternehmer das Gebäude im März 2023 übergibt. "Dann bleibt uns noch ein Dreivierteljahr, um die neue Dauerausstellung aufzubauen und alle Objekte wieder einzubringen", so der Projektleiter. Das Gesamtvorhaben ist mit 108 Millionen Euro budgetiert. (apa)