Hundert Jahre wird das Burgenland heuer als "jüngstes Kind" im Reigen der neun österreichischen Bundesländer. Aber auch wenn es dramatische Ereignisse wie den Sprengstoffanschlag in der Roma-Siedlung in Oberwart 1995 oder sogar welthistorisch vorbildliche Taten wie die Öffnung der Grenze für Ungarn-Flüchtlinge 1956 und später beim Fall des Eisernen Vorhangs 1989 im Burgenland gegeben hat, so etwas dürfte in der Geschichte des Burgenlands einzigartig sein. Die Eröffnung der Ausstellung zur 100-Jahr-Feier des Bundeslandes auf Burg Schlaining am Samstagabend war von einem kleinen Aufruhr um die Unkostenbeiträge, vulgo Gagen, von dort auftretenden (jungen) Orchestermusikern begleitet. Statt Burgfrieden gab es ein Nachbeben.

Was war passiert? Prominenz aus Politik und Kultur, angeführt von Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ), war am Samstagabend zur feierlichen Eröffnung der lang vorbereiteten Schau "Wir sind 100. Das Burgenland schreibt Geschichte" auf die "Friedensburg" Schlaining gekommen. Doskozil beschwor die stolze Entwicklung des Burgenlandes in den vergangenen Jahrzehnten nach der schwierigen, umkämpften Phase, bis es 1921 zu Österreich gekommen ist, und nach den folgenden "dunklen" Kapiteln der Geschichte. Als Zeitzeuginnen waren die Widerstandskämpferin Käthe Sasso und die Ex-DDR-Bürgerin Regine Engelschalk zur Eröffnung geladen.

Alfons Haider widersprach als Moderator

Im musikalen Teil des Abends sorgte dann aber nicht die von Christian Kolonovits neu arrangierte Landeshymne für Aufsehen, sondern die überraschende und ungeplante Wortmeldung eines Musikers. Der Gitarrist des Popduos Cari Cari, Alexander Köck, beklagte, dass die Orchestermusiker bei der Eröffnungsgala nur 30 Euro Gage erhalten würden. Das sei "beschämend" bei gleich zwei Intendanten für die Mörbischer Seefestspiele.

Intendant Alfons Haider, an diesem Eröffnungsabend der Moderator, wies umgehend solche "Unterstellungen" im Hinblick auf die Mörbischer Intendanz zurück. Auch sei bei so einer "Show" nicht der Platz für solche Kontroversen. Landeshauptmann Doskozil sicherte zu, die Vorwürfe prüfen zu wollen, war aber sonst um Beruhigung bemüht, wie er unter Hinweis auf die "Friedensburg" Schlaining betonte.

Weniger ruhig war man dann jedoch am Sonntag im Umfeld des Landeshauptmannes, dem das Kesseltreiben gegen Alfons Haider sauer aufstößt, angefangen von Doskozils Büroleiter Herbert Oschep. "Von mir gibt es keine Antwort, bin im Urlaub", ließ er die "Wiener Zeitung" via SMS am Sonntagabend auf die Frage, warum das Land Burgenland nicht mehr zahle, wissen. Und zur Feststellung, Köck gehöre ein Orden, antwortete er: "Spendenkonto kann ich gerne schicken."

"Unkostenbeiträge, nicht Gagen"

Der Pressesprecher des Landeshauptmannes, Christian Stiller, war zwar auch auf Urlaub und ebenso sauer wegen des Eklats durch Köck bei der Eröffnung, blieb bei seinen Antworten aber sachlich. Wichtig war ihm festzuhalten: "Alfons Haider macht derartige Moderationen immer freiwillig und kostenlos." Man sei stolz, einen "solchen Botschafter" des Burgenlandes zu haben. Die Musiker - Studenten des landeseigenen Haydn-Konservatoriums - bekämen mehr, als am Samstag behauptet worden sei. Eine genaue Summe wollte er nicht nennen: "Aber es geht nicht um Gagen, sondern um Unkostenbeiträge."

Außerdem habe es sich um einen Festakt zu Ehren des Landes gehandelt, wie Doskozils Sprecher weiter hervorhob. Viele hätten es auch als "Ehre empfunden", bei dem Festakt einen Beitrag zu leisten. Auch wenn ihm Art und Inhalt des Auftritts von Köck gar nicht schmeckten, wie im Telefonat unüberhörbar war, dürfe man im Burgenland seine Meinung kundtun. Nachsatz: "Im Gegensatz zu Ebenen, wo andere regieren."

Informationen zur Schau finden sich unter:

www.wirsind100.at