Danielle Spera ist seit 2010 Direktorin im Jüdischen Museum Wien. Ihr mehrmals verlängerter Vertrag läuft mit Ende Juni 2022 aus. Nun muss die 64-Jährige mit vier Konkurrentinnen und Konkurrenten um die Spitzenposition für die kommende fünfjährige Funktionsperiode rittern, wie der "Standard" am Montag berichtete. Die Entscheidung soll in den kommenden Wochen, wohl noch im September, fallen, hieß es seitens der Wien-Holding, in die das Museum eingegliedert ist.

Die Bewerbungsfrist für die Ausschreibung der Museumsleitung endete mit 30. Juni. 20 Personen, davon elf Frauen - mit Spera - reichten ihre Kandidatur ein. Eine Personalberaterfirma nahm eine Vorauswahl vor, fünf Bewerbungen blieben übrig. Nun erstellt eine Findungskommission, in der neben Vertretern der Kulturabteilung der Stadt Wien und der Israelitischen Kultusgemeinde auch die Geschäftsführung der Wien-Holding sowie Experten aus dem Museums-und Tourismusbereich vertreten sind, ein Eignungsranking der Finalistinnen und Finalisten.

Ein Blick in die Ausstellung des Jüdischen Museums Wien "Unser Mittelalter! Die erste jüdische Gemeinde in Wien". 
- © APA/ROLAND SCHLAGER

Ein Blick in die Ausstellung des Jüdischen Museums Wien "Unser Mittelalter! Die erste jüdische Gemeinde in Wien".

- © APA/ROLAND SCHLAGER

Die Letztentscheidung trifft die Holding "in enger Abstimmung mit der Stadt Wien", wie es ein Sprecher formulierte. Nähere Auskünfte zur Bewerberriege bzw. zu etwaigen Präferenzen der Eigentümervertreter gab es nicht.

Erneute Verlängerung Speras nicht fix

Eine erneute Verlängerung Speras dürfte - trotz deutlich gestiegener Besucherzahlen seit ihrem Amtsantritt - jedenfalls nicht fix sein, spekulierte der "Standard". In Fachkreisen werde etwa das Fehlen wissenschaftlich relevanter Forschungsprojekte und eine Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen sowie der Fokus auf ein vorrangig touristisches Publikum moniert, wird in dem Zeitungsbericht ins Treffen geführt.

Parallel dazu bringen sich Speras prominente Unterstützerinnen und Unterstützer mittels einem offenen Brief an Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in Stellung. Die Unterzeichner - darunter Ex-Kanzlerin Brigitte Bierlein, ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, Universalkünstler Andre Heller, Schauspieler Cornelius Obonya, die Salzburger Festspiele-Präsidentin Helga Rabl-Stadler und Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger - fordern die Vertragsverlängerung der amtierenden Museumschefin. "In den vergangenen Jahren ist es Danielle Spera gelungen, das Jüdische Museum Wien mit Leben zu erfüllen, es zu öffnen, für eine breite Besucherschicht interessant zu gestalten und gleichzeitig auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau zu halten", wird argumentiert. (apa)