Ein wenig Zeit ist ja noch. Moment: Heute ist Donnerstag, morgen Freitag. Den Samstag kann man bis am Abend dazunehmen. Macht drei Tage, in denen man die Sache lernt - und am Abend kann man dann anstoßen auf den internationalen Tag des Knotens und die ersten Selbstgeknüpften.

Womit anstoßen? - Sekt und Knoten? Nie und nimmer! Da muss schon was Seemännisches her, ein Rum oder ein Grog. Die Donauschiffer haben freilich auch Knoten geknüpft, womit ein Grüner Veltliner eine Möglichkeit für alle ist, die sich mit Rum nicht anfreunden können, aber aus der Wachau sollte er sein, der Grüne Veltliner, einer aus der Gegend Baden oder Brünnerstraße wäre irgendwie unpassend.

Knotenlose Gegenden sind auch das keine gewesen, nie und nimmer. Denn die drei wichtigsten Entdeckungen oder Erfindungen der Menschheit: Feuer, Rad und Knoten. Zu viel der Ehre für den Knoten?

Soll man bei Adam und Eva anfangen? Interessant wäre es ja schon, wie die beiden ihre Feigenblätter befestigt haben, wenn nicht mit einer verknoteten Liane. Das freilich bleibt Spekulation, zugegeben. Sicher ist hingegen, dass die Menschen der Steinzeit Fangschlingen und Netze knüpften und die Feuerstein-Speerspitzen und Stein-Äxte mit Riemen am Holzschaft festknoteten.

Überall und zu allen Zeiten ist geknüpft und geknotet worden. Nur ist das vielfach dem heutigen Bewusstsein entschwunden. Da ist der Knoten vielfach nur noch das Knäuel, das sich zwischen den Kabeln von Fernseher, CD-Player und Sat-Box abspielt. Hat am Ende noch jemand einen Videorecorder? Tant pis, wie der Franzose sagt: dumm gelaufen!

Der Knoten - ein Rätsel

Während man die Kabel entknotet und sich fragt, wozu wohl das violett gerippte gehört, das, als würde es einen eigenen knotigen Willen besitzen, sich in sich selbst verschlungen hat, wird einem die Unterbedeutung von "Knoten" klar, Rätsel nämlich. Einen Knoten knüpfen - ein Rätsel stellen. Im Englischen wird das deutlicher bei den Logikrätseln, die man Stitches nennt. Und Stitch bedeutet - nun, eben Knoten oder Schlag, wie der Knoten in der Seemannssprache heißt. Apropos Knoten und Rätsel: Dass eines für das andere stehen kann, hat der phrygische König Gordios Alexander dem Großen klargemacht. Nur, dass der makedonische Mann der Tat nicht ans Entknoten dachte, sondern einfach mit dem Schwert dreinfuhr. Alexandrös könnte man das nennen, denn das Wort "brutal" gibt’s erst seit dem unschönen Verhalten des Brutus Caesar gegenüber.

Jedenfalls: Über die Effektivität kann man geteilter Meinung sein - und noch mehr über die Qualität des Knotens. Denn jeder Seemann pfeift noch bei Windstärke zehn von der obersten Rah des Großmasts, dass ein guter Knoten erstens zu halten hat und zweitens leicht zu lösen sein muss. Daher ja die Seemannsknoten!

Sagen wir’s unumwunden: Die Seemannsknoten, das sind die Könige unter den Knoten. Das ist die hohe Schule des Knotens. Wer keinen Seemannsknoten geknüpft hat bis am Samstag (und zwar ohne in der Vorlage nachzusehen!), ist das Glas Rum nicht wert, um den Tag des Knotens gebührend zu feiern.

Kann es sein, dass es der Knoten war, der die Welt entdeckt hat? Wo wären denn die Karavellen des Kolumbus ohne Knoten? Wie wäre Vasco da Gama ohne Knoten nach Indien gelangt? Wie hätte die "Cutty Sark" der Queen Victoria den Tee aus China geholt ohne Knoten? (Alpinistischer Einspruch: Beim Bergsteigen braucht man gleichfalls eine Menge Knoten! Nicht, dass das aus den Augen verloren wird!)

Ganz ohne Knoten - was kann man da schon betreiben? Weder christliche noch unchristliche Seefahrt. Das steht fest. Zu Pferd kann man sich fortbewegen. Aber sobald man einen Wagen anhängen will, muss man erfinderisch sein, soll es ganz ohne Knoten gehen.

Häuserbau? Kein Problem, solange man zu ebener Erd’ bleibt. Aber mit dem ersten Stock wird’s schon schwierig. Schließlich muss man das Baumaterial irgendwie nach oben bringen. Etwa mit einem Flaschenzug. Will man an diesem nun etwas befestigen, um das Baumaterial hineinzulegen. . .

Seitenlang kann man weiter dahinfantasieren. Knoten sind allgegenwärtig. Und sei es, dass man den abgerissenen Knopf wieder ans Hemd näht: Ganz ohne Knoten geht die Chose nicht.

Allein die Namen . . . !

Die Namen, die merkt man sich ja gerade noch: Palstek, Klampenschlag, Schotstek, Marlschlag, halber Schlag, Webleinenstek, Stopperstek, Rundtörn, Achtknoten, Affenfaust ... - Korrektur, bitteschön: Man merkt sich ja kaum die Namen als langjährige Landratte (oder, um dem alpinistischen Einwand zuvorzukommen: überzeugter Flachländer).

Und wenn: Das sind nur die Namen, nun lernt sie knüpfen ...

Und dann: Welcher Knoten dient wozu? Wer ein Boot mit einem Kreuzknoten vertäuen oder mit einem Palstek ein Tau verlängern will, wird vom Käpt’n gleich als Smutje in die Kombüse gesteckt. Und wenn er den Labskaus so zubereitet, wie er Knoten macht, steht wohl auch noch Kielholen vom Bug bis zum Heck an.

Faustregel: "Stek" ist alles, was nur in Zusammenhang mit einem anderen Gegenstand stabil ist. Mit einem Palstek vertäut man das Boot an einem Poller. Knoten hingegen ist alles, was in sich stabil ist. Eine Affenfaust etwa dient dazu, das Ende einer Leine zu verdicken, etwa, um die Leine zielsicherer werfen zu können, oder um zu verhindern, dass sie durch eine Öse rutscht.

Der jüngste von der Fachwelt anerkannte Knoten ist der Zeppelinstek. Durch ihn werden zwei Seile kreuzförmig verknotet.

Für den Segelschein werden in der Regel nur Palstek, Webleinenstek, Achtknoten, Kreuzknoten und Klampenschlag verlangt.

Aufatmen! Nur fünf. Ja, gewiss. - Aber schon einmal einen Palstek geknüpft? Einen Kreuzknoten? Man könnte mit einem Klampenschlag beginnen. Der schaut recht einfach aus, eigentlich.

Und außerdem: Knapp drei Tage sind ja noch Zeit.

Da könnte man vor lauter Knotenknüpfüben glatt den Tag des Knotens vergessen? Schnell einen Knoten ins Taschentuch knoten!

Und damit Prost am Samstag! Auf den Tag des Knotens!

Aber nicht vergessen: Hat der Seemann geladen, knotet er nicht Tau noch Faden!