Echte Männer sind rar. Umso mehr bedarf es der Vorbilder. 
- © Valiant Made

Echte Männer sind rar. Umso mehr bedarf es der Vorbilder.

- © Valiant Made

Männer! Das ist unser Tag!

Jawohl! 3. November. Weltmännertag! Der Tag gehört uns. Den nimmt uns keine Östrogene! Wir Männer sind jetzt einmal ganz unter uns. Ein Männerbund der echten Männer. Heraus mit Whisky und Bier! Und wenn es sechs Uhr siebenundzwanzig am Morgen ist. Mann muss richtig starten in den Tag.

Whisky, Bier und Zigarre. So gehört sich das. Rotwein am Abend? - Nie und nimmer. Rotwein ist ein Pärchendrink. Oder was für Philosophen. Und noch nie war ein Mann ein Philosoph! Wie bitte? Immanuel Kant? Friedrich Nietzsche? Eben, sage ich, eben. Was hat Sokrates getragen? Lederhose oder Kleid?

Mann ist eine Einstellung

Mann ist man schließlich nicht nur biologisch. Mann ist eine Einstellung. Mann ist Whisky, Bier und Zigarre. Weißwein ist wässriges Weibergesöff.

Na schön, bleiben wir höflich dem schwachen Geschlecht gegenüber: Weißwein ist das adäquate leichte Getränk für Frauen.

Einmal im Jahr darf man den John Wayne heraushängen lassen. Einmal im Jahr der Ernest Hemingway sein. Einmal im Jahr darf man den James Bond leben.

So ein 3. November, das ist für einen Mann ein Zusammenfallen von Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Geburtstag.

Wobei: Mann hat schon so seine Verpflichtungen. Nein, nicht den Mist hinuntertragen, das auch, aber das kann man an jedem der 364 anderen Tage des Jahres machen. Die Rede ist von der - ja, wie sagt man das? - wesenseigenen Verpflichtung des Mannes.

Von Anbeginn der Welt an lastet diese Verantwortung auf männlichen Schultern. Adam: ein Mann. Moses: ein Mann. Zeus: ein Mann. Herkules: ein Mann. Iupiter: ein Mann. Caesar: ein Mann. So geht’s weiter.

Wie bitte? - Was soll der Zwischenruf mit Ishtar, Isis, Kleopatra, Katharina der Großen und Maria Theresia?

Bitte bis morgen warten!

Und überhaupt: Was war sie denn, die Maria Theresia? Eine Erzherzogin. Gerade einmal war sie die Tochter von einem Kaiser, die Frau von einem Kaiser und die Mutter von einem Kaiser. Das war sie, eine Frau Erzherzogin, aber keine Kaiserin.

Die alten Ideale überzeugen immer noch am meisten. Also, schwelgen wir in ihnen. Was ist ein Mann?

Ein Steak für Adam!

Bitte sehr: Gleich am Anfang der Adam. Das ist einer! Und wie! Bitte, der hatte ja nicht einmal das Feigenblatt! Das ist erst später gekommen. Nach der gewissen Sache mit dem sprechenden Reptil und des Herrn Privat-Obstbaum. Wobei: Komisch ist die Geschichte schon, irgendwie. Wenn die Eva dem Adam ein Steak gereicht hätte, blutig oder medium, und dazu ein Seidel Bier, dann wäre alles klar. Da wäre die Stimme von oben sozusagen vorprogrammiert gewesen: "Setz dich in deinen Maserati, Adam, und tschüss." Aber im Ernst: ein Apfel? Natürlich lernt man einerseits daraus, dass Obst Männer in ihrer Echtheit schwächt. Andererseits: Den Adam, diesen bananenweichen Wappler, kann man als Vorbild getrost verwerfen.

Da lobe mann sich Hemingway! Das war ein echter Mann. Großwildjäger, Hochseefischer, Stierkampfaficionado. Man muss ihm seine künstlerische Ader glatt nachsehen. Zumal ja auch seine Prosa dieses herrliche männliche Muskelspiel offenbart. Rumtrinker, wie kaum ein Pirat. Sammler von Jagdtrophäen und Affären, was bei ihm auf so ziemlich das Gleiche hinauskommt. Viermal verheiratet. Dieser Hemingway: Mann, war das ein Mann. Ernest, Dich nenne ich Vorbild. Nimmt sich, was er mag. Die Flinte hätte er freilich stehen lassen sollen. Das war nicht gerade männlich. Man ist ja nimmer im alten Rom. Schießt sich eine Kugel in den Kopf. Sorry, Ernest, wenn das zum Mann dazu gehört, nenne ich Dich lieber doch nicht Vorbild.

Dann schon lieber John Wayne. "The Duke", weil er einer war. Halt-
aus! - "Duke" wurde er nicht genannt, weil er mit eiserner Männerfaust den Weg wies, sondern weil er in seiner Kindheit einen Hund dieses Namens hatte. Oh Mann - Spitznamen nach einem Hund! Da kann einer noch so fest im Sattel gesessen sein und noch so viele kommunistische Weltverbesserungsweicheier vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe gebracht und noch so sehr die Überlegenheit der weißen Rasse verteidigt haben: Wenn sich einer nach einem Hund nennen lässt . . . Mann stelle sich vor, Johnny hätte seinen Wuffemann "Duffer" genannt, also "Trottel", oder "Coward", "Feigling", oder, schlimmer, es wäre eine Wufferine gewesen: John "the Jenny" Wayne? John "the Buffy" Wayne? Mann kann von Glück sagen, dass es ein Duke war, aber Glück allein reicht nicht für ein Mannsvorbild.

Mit den Reklameplakatmännern braucht auch keiner zu kommen, was weiß man da, was echt und was Photoshop ist? Und ein echter Mann ist niemals ein Photoshopper. Auch nicht auf Facebook und ebenso wenig auf Tinder. Nur echte Männer sind echte Männer. Das mögen sich echte Männer hinter die Ohren schreiben.

Der betrunkene Pirat

So, und jetzt?

Sir Francis Drake, der Pirat der Königin und Nebenberufsweltumsegler? Plündert beim Überfall auf A Coruña ein Weindepot und lässt sich und seine Matrosen so volllaufen (wenigstens mit Rotwein, hoffentlich), dass er die ganze Unternehmung in den Sand setzt. Wenn es Rum gewesen wäre, könnte man mildernde Umstände ins Treffen führen. Aber Wein?

Caesar? - Ein Herrscher im Miniröckchen. Herkules? - Mistet den Augiasstall aus. Da könnte er gleich den Müllsack hinuntertragen.

Langsam wird’s eng. Bleibt uns echten Männern wirklich nichts als Fußball im Fernsehen?

Ha! Gefunden! James Bond. Geschüttelt und nicht gerührt. So trinkt Mann den Martini. Die Pistole sitzt so locker wie der Spruch, und die Frauen schmelzen hin. Das ist ein Mann!

Nicht echt?

Alles nur Film?

Wenn doch nur schon der 4. November wäre und der Whisky-Kater überstanden. Au weh!