Mit dem allgemeinen Lockdown in Österreich ist auch die Zeit der Öffnung für die Kulturinstitutionen vorerst wieder vorbei. Bis maximal 13. Dezember soll nach jetzigem Stand der Lockdown dauern. Die ersten Reaktion von Kulturseite sind dabei skeptisch, scheint die Frustration in Teilen der Branche mittlerweile hoch.

Besonders getroffen von den Schließungen ist erneut das laufende Musikfestival Wien Modern, das eigentlich bis 30. November hätte dauern sollen. "Die Kultur kassiert hier die Rechnung für andere", zeigte sich Intendant Bernhard Günther im APA-Gespräch resigniert. Das Kulturpublikum habe in den vergangenen Wochen bewiesen, dass mit Vorsichtsmaßnahmen auch ein Alltagsleben möglich sei, ohne mit dem Risiko zu spielen: "Die Kultur hat die aktuelle Maßnahme nicht zu verantworten."

Für Wien Modern gelte es nun, für die kommende Woche unter Hochdruck umzuplanen. "Es ist wieder schnelle Präzisionsarbeit gefragt", so Günther. Bis Sonntag würden alle Vorhaben wie geplant umgesetzt, für die restlichen Projekte kläre man ab, ob einzelne auf die Zeit nach dem Lockdown verschoben werden könnten oder via Streaming doch realisiert werden könnten. Klar sei angesichts der Lage aber eines: "Die Frustration ist bei manchem im Kultur schon sehr hoch."

Christian Dörfler, Kinovertreter in der Wirtschaftskammer, zeigte sich ebenfalls zerknirscht und bezeichnete den neuerlichen Lockdown gegenüber der APA als "bedauerlich". Dieser wäre im Gegensatz zu den vorangegangenen dank Impfung nicht notwendig gewesen: "Dieses Mal war es Missmanagement." Man hätte z.B. 2G viel früher einführen können. Die Kinos hätten in den vergangenen Monaten viel Geld, Zeit und Arbeit investiert, um die Menschen wieder zurück vor die Leinwand zu bringen - und das mit Erfolg. "Wir hatten bisher einen sehr guten Herbst." So habe sein Haus, das Wiener Haydn-Kino, den drittbesten Oktober aller Zeiten verzeichnet.

Aber auch das unmittelbare Comeback der Kinos nach dem Ende der Maßnahmen könnte sich einmal mehr als schwierig gestalten - nämlich dann, wenn nach dem Lockdown keine Filme zur Verfügung stehen, weil sich die Starts wegen etwaiger stattfindender Kulturschließungen in Deutschland oder anderen großen Märkten verzögern. Trotzdem ist Dörfler überzeugt: "Die Kinos werden auch dieses Mal wieder zurückkommen." Es sei halt bedauerlich, jetzt wieder von vorn anfangen zu müssen.

"Noch ist der letzte Lockdown nicht verdaut, und schon kommt es zu einem nächsten, der per politischem Wunschvorstellungen nur 20 Tage dauern soll, aber genauso wie die vergangenen Lockdwowns mit kompletten oder Teillockdowns sich über Monate ziehen kann", zeigte sich auch Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen Autoren skeptisch: "Man wird das Gefühl nicht los, es werden nicht die letzten 20 Tage sein."

Entscheidend seien nun wieder Unterstützungsleistungen für die Kunst- und Kulturschaffenden, die zuletzt teils ausgelaufen waren. "Niemand muss dazu neue Maßnahmen erfinden, es müssen nur parallel zum Lockdown die bereits erprobten Instrumente wieder aktiviert werden", so Ruiss.

Corona-Hilfen für die Kultur werden verlängert

Aufgrund des ab Montag geltenden neuen Lockdowns werden auch in der Kultur Corona-Hilfen verlängert und aufgestockt. Das gab die Staatssekretärin für Kunst und Kultur, Andrea Mayer (Grüne), am Freitag bei einer Pressekonferenz bekannt. Die Situation für den Kunst- und Kulturbetrieb bezeichnete sie als einen "erneuten Rückschlag, der sich nicht beschönigen lässt".

Das Publikum habe die bisherigen Anti-Corona-Maßnahmen sehr gut mitgetragen, allerdings hätten die vergangenen Wochen aufgrund der erhöhten Fallzahlen auch Besucherrückgänge sowie wegen vermehrter Covid-19-Fälle in den Ensembles auch Probleme gebracht, den Betrieb aufrechtzuerhalten. "Die Situation ist daher, wie sie ist", meinte Mayer, verwies auf allgemeine wirtschaftliche Maßnahmen wie weitere Kurzarbeit und auf das Bestreben, "die Compliance zu erhöhen": "Wer sich nicht an die Maßnahmen halten will, soll auch keinen Zugang zu Wirtschaftshilfen haben."

Konkret wird der NPO-Fonds bis zum ersten Quartal 2022 verlängert und mit zusätzlichen 125 Mio. Euro dotiert. Die Hilfen im Rahmen der Künstlersozialversicherung werden ebenfalls über November hinaus bis zumindest in das erste Quartal des kommenden Jahres verlängert und von 150 auf 175 Mio. Euro aufgestockt. In den Lockdown-Monaten gelangen pro Antrag 1.000 Euro statt 600 Euro zur Auszahlung. Der Covid-19-Fonds des KSVF (Künstlersozialversicherungs-Fonds) wird von 40 auf 50 Mio. Euro aufgestockt.

"Weil nach dem Lockdown nicht gleich Planungssicherheit gegeben sein wird" (Mayer), werden auch die Ausfallshaftungen verlängert. Für den Veranstalterschutzschirm soll man nunmehr bis 30. Juni 2022 (für Veranstaltungen, die bis 30. Juni 2023 geplant werden) einreichen können. Gleiches gilt für den "Comeback-Zuschuss Film", der um ein halbes Jahr bis Jahresende 2022 (Antragstellung bis 30. Juni 2022) verlängert wird. (apa)