Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder meldet sich vor der für Mittwoch erwarteten Entscheidung über ein mögliches Ende des aktuellen Lockdowns mit einem flammenden Appell für die Wiederöffnung von Kunst und Kultur zu Wort. "Ich kann nur lauthals dafür votieren, der geimpften oder genesenen Bevölkerung den Besuch unserer Museen, unserer Konzerte, unserer Kinos nicht vorzuenthalten", so Schröder im APA-Gespräch. Die Politik müsse hier nach Risiko differenzieren.

"Ein Restaurant, das nicht klimatisiert ist, in dem ich rede und zum Essen notgedrungen die Maske abnehme, hat sicher ein anderes Risikoprofil als ein Museum, das vollklimatisiert ist und bei dessen Besuch ich durchgängig die Maske trage", unterstrich Schröder. Weihnachten 2021 werde ohnedies anders aussehen als jenes vor der Pandemie: "Aber es kann immerhin eines werden, bei dem wir unter Einhaltung hoher Sicherheitsvorgaben schweigend schöne Dinge hören oder sehen können. Das soll die Regierung nicht durch die nochmalige Einschränkung unserer Grundrechte torpedieren."

"Ein Restaurant, das nicht klimatisiert ist, in dem ich rede und zum Essen notgedrungen die Maske abnehme, hat sicher ein anderes Risikoprofil als ein Museum, das vollklimatisiert ist und bei dessen Besuch ich durchgängig die Maske trage", unterstrich Albertina-Chef Schröder. 
- © apa , Hans Punz

"Ein Restaurant, das nicht klimatisiert ist, in dem ich rede und zum Essen notgedrungen die Maske abnehme, hat sicher ein anderes Risikoprofil als ein Museum, das vollklimatisiert ist und bei dessen Besuch ich durchgängig die Maske trage", unterstrich Albertina-Chef Schröder.

- © apa , Hans Punz

Denn es bleibe klar zu konstatieren: "Wir müssen das schwere Versäumnis der Regierung, im Sommer die Impfquote zu heben, jetzt durch einen Lockdown ausbaden." Deshalb hoffe er inständig, dass die Bestrafung der Geimpften nicht fortgeführt werde. "Die Disziplin der Bevölkerung ist außergewöhnlich hoch", zollte Schröder den Besuchern Respekt. Zugleich steige aber auch die Uneinsichtigkeit unter jenen, die alles täten, sich und andere zu schützen.

Dabei sprach sich der Albertina-Direktor gegen eine Einführung von 2G-plus - also der Vorgabe eines Impf- oder Genesenennachweises plus einem aktuellen PCR-Test - für die Museen aus. Kino- oder Theaterbesuche würden weit im Voraus geplant. "Aber man plant nicht im selben Ausmaß den Museumsbesuch. Die Idee, Museen nur mit 2G und zusätzlich einem aktuellen Test zu öffnen, kommt einer Schließung gleich."

Eine Klarheit, ob sein Haus den durch den jetzt avisierten Zeitraum des Lockdowns zusätzlich entstandene Verlust von 1 Million Euro kompensiert werde, habe er indes noch nicht. "Wir haben noch keine Information, was wir heuer an Coronamitteln erhalten. Aber diese zusätzliche Million, die uns durch schwere Versäumnisse von der Politik im Frühjahr und Sommer auferlegt worden sind, müssen wir kompensiert bekommen."

SPÖ-Kultursprecherin Gabriele Heinisch-Hosek forderte im Hinblick auf Öffnungsschritte unterdessen "einen klaren Plan für die Kultureinrichtungen". Es dürfe "keine unsachliche Benachteiligung von Kunst und Kultur geben - wenn Einkaufszentren offen halten dürfen, dann muss das auch für Museen gelten", meinte die Sozialdemokratin am Montag in einer Aussendung. Auch für Veranstaltungen mit zugewiesenen Sitzplätzen erwartet sich Heinisch-Hosek Regeln, "die auch den erprobten Sicherheitskonzepten in den Kulturbetrieben Rechnung tragen".

Lockdown - Appell: Theater für ein Aufsperren mit 2G und FFP2-Masken

Die Leitungen der meisten großen österreichischen Bühnen-, Konzert- und Festivalbetriebe haben sich am Montag angesichts der laufenden Beratungen über Lockdown-Öffnungsschritte mit einem dringenden Appell an die Bundesregierung und die Landesregierungen gewendet. Sie appellieren, die 2G-Regelung nicht wie zuletzt in Wien an einen gültigen PCR-Test, sondern an eine FFP2-Maskenpflicht auch während der Vorstellung zu koppeln und von einer Kapazitäts-Beschränkung abzusehen.

Die Direktoren der österreichischen Theater und Konzertveranstalter seien "bereit, unmittelbar nach Ende des Lockdown den Spielbetrieb sofort wieder aufzunehmen", heißt es in dem der APA vorliegenden Schreiben. 2G-plus brächte "den Spielbetrieb unserer Gesellschaften allerdings an die Grenzen der Machbarkeit. (...) Die Vorlage eines bis Vorstellungsende gültigen PCR-Testzertifikats ist für Wiener Besucherinnen und Besucher eine Herausforderung, für Besucherinnen und Besucher aus den Bundesländern aber eine fast unmöglich zu bewältigende Hürde. Deshalb richten wir unseren dringenden Appell an Sie, nach dem Lockdown die 2G-Regelung gekoppelt an eine FFP2-Maskenpflicht auch während der Vorstellung in Betracht zu ziehen. Dies würde uns zumindest die Möglichkeit geben, die Hürden für einen Theaterbesuch ausführbar zu gestalten und die zu erwartende Stornierungsflut in Grenzen zu halten."

"Auch möchten wir Sie dringend bitten, von einer Beschränkung der maximalen Besucherzahlen nach der Wiederöffnung Abstand zu nehmen", heißt es weiter. Man habe bereits Eintrittskarten für Dezember und Jänner verkauft. "Sollte es jetzt zu einer Beschränkung der Saalkapazitäten kommen, hat dies nicht nur massive ökonomische Auswirkungen auf unsere Betriebe, sondern zieht eine Lawine an Kartenstornos nach sich. Wir müssten zum wiederholten Male nach einem Zufallsprinzip Menschen auswählen, die wir vom Besuch unserer Veranstaltungen ausladen. Das Verständnis für solche Maßnahmen ist bei der Bevölkerung nicht mehr gegeben, zumal die Leidtragenden sowieso geimpft oder genesen sind."

Unterzeichnet wurde das Schreiben von den Leitungs-Teams der Bregenzer und der Salzburger Festspiele, dem Geschäftsführer der Österreichischen Bundestheater-Holding und den Intendanten und kaufmännischen Geschäftsführern von Staatsoper, Volksoper und Burgtheater, vom Präsidenten des Wiener Bühnenvereins, den Intendanten des Theaters an der Wien, des Wiener Musikvereins, des Wiener Konzerthauses und des Theaters der Jugend, dem Vorstand der Wiener Philharmoniker, den Geschäftsführern der Bühnen Graz und der Niederösterreichischen Kulturwirtschaft sowie den Künstlerische Leitern von Brucknerhaus Linz und Musikverein Graz.

In Wien soll am Dienstag, im Bund am Mittwoch über die weitere Vorgangsweise in Sachen Anti-Corona-Maßnahmen entschieden werden. Läuft der derzeitige Lockdown aus, könnte - mit Ausnahme von Oberösterreich - bereits am Sonntag wieder gespielt werden. In Wien waren zuletzt Veranstaltungen mit 2G-plus, aber ohne Kapazitätsbeschränkungen erlaubt. In Bayern gilt derzeit 2G-plus bei gleichzeitiger Platzbeschränkung auf 25 Prozent. (apa)