Seit fast zwei Jahren wütet Corona - und das Virus wird wohl auch im kommenden Jahr für Turbulenzen und Unwägbarkeiten im Kultur- und Medienbetrieb sorgen. Kein leichter Einstand also für jene Persönlichkeiten, die 2022 in diesem Bereich einen neuen Führungsjob antreten. Wichtige Wechsel in den Chefetagen stehen u.a. bei den Salzburger Festspielen, in der Wiener Volksoper, im Museumsquartier und im ORF an.

Die Überraschung war durchaus groß, als das Kuratorium Ende November die gelernte Juristin Kristina Hammer zur neuen Präsidentin der Salzburger Festspiele erkor. Die Marketingexpertin, die u.a. für hochpreisige Automarken tätig war, kümmert sich ab 1. Jänner nun um die Premiummarke Festspiele. Als Nachfolgerin von Langzeitpräsidentin Helga Rabl-Stadler, die die Geschicke der Festspiele 27 Jahre lang geleitet hat, steht Hammer als Neuzugang im dreiköpfigen Direktorium zumindest in den kommenden fünf Jahren dem künstlerischen Intendanten Markus Hinterhäuser und dem kaufmännischen Direktor Lukas Crepaz zur Seite.

In eine neue Ära treten auch die Festspiele Reichenau ein, die mit dem per Jahresende wirksamen Rückzug des Gründerehepaars Renate und Peter Loidolt nunmehr unter Theater Reichenau fungieren und mit einer neuen Organisationsstruktur inklusive Beteiligung des Landes Niederösterreich ausgestattet sind. Maria Happel, Schauspielgröße und Leiterin des Max-Reinhardt-Seminars, übernimmt dort mit Beginn 2022 für vorerst drei Jahre die künstlerische Leitung und will ihren ersten Spielplan (2. Juli bis 6. August) im Februar vorstellen.

Neues Linzer Crossing-Europe-Leitungsduo

Zwar schon im Amt, aber ebenfalls noch vor seiner Festivalpremiere steht das neue Linzer Crossing-Europe-Leitungsduo. Sabine Gebetsroither und Katharina Riedler verantworten im Frühjahr 2022 ihre erste Ausgabe von Österreichs zweitgrößtem internationalen Filmfestival. Auf die Suche nach einer neuen Intendantin bzw. einem neuen Intendanten müssen sich im kommenden Jahr indes die Grazer Diagonale und der steirische herbst machen. Die Diagonale-Spitze Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber ist heuer noch einmal um ein Jahr bis 2023 verlängert worden, "um in der anhaltenden Krisensituation die Kontinuität des Festivals zu wahren". Im Frühjahr soll dann ausgeschrieben werden. Passiert ist dies kürzlich bereits beim steirischen herbst. Ob sich Ekaterina Degot, deren Fünf-Jahres-Vertrag Ende 2022 ausläuft, noch einmal bewirbt, steht noch nicht fest. Ganz ohne Intendanz wird indes die Ybbsiade 2022 auskommen, nachdem sich Joesi Prokopetz von dieser Funktion zurückgezogen hat und man entschieden hat, sie vorerst nicht nachzubesetzen.

Neues Spitzenpersonal scharrt auch im Museumsbereich in den Startlöchern. Gewissermaßen auf den letzten Drücker wurde erst Mitte Dezember mit Bettina Leidl die neue Geschäftsführerin des Museumsquartiers bekanntgegeben. Sie wird ab 14. Februar die Agenden von Christian Strasser übernehmen. Da dessen Vertrag allerdings schon mit Ende 2021 aufgelöst wurde - Strasser wechselt in die Chefetage der Sozialbau AG -, managt Prokuristin Silke Raßmann ab 1. Jänner und bis Mitte Februar interimistisch das Kulturareal. Mit der Rochade muss sich nun auch das Kunst Haus Wien um eine neue Leitung umschauen. Schließlich wird mit dem Wechsel Leidls ins MQ der dortige Direktionsposten vakant.

Barbara Staudinger übernimmt Jüdisches Museum Wien

Im Jüdischen Museum Wien wiederum hat sich Danielle Spera erfolglos um eine Fortsetzung der Leitung beworben. Sie wird im Juli nach zwölf Jahren von Barbara Staudinger, derzeit Direktorin des Jüdischen Museums Augsburg, abgelöst. Die Akademie der bildenden Künste bekommt ab Jänner mit Sabine Folie, ehemals Chefkuratorin der Kunsthalle Wien, eine neue Direktorin für die Kunstsammlungen - also die Gemäldegalerie, das Kupferstichkabinett und die Glyptothek. Die Salzburger Mozartmuseen erhalten wiederum mit Linus Klumpner einen neuen Leiter. Der Kunsthistoriker, der bereits im Schloss Belvedere und als Betreuer der Kulturtragenden im Kabinett des damaligen Außenministers Alexander Schallenberg (ÖVP) wirkte, folgt im Jänner auf Gabriele Ramsauer. In Niederösterreich wird Gerda Ridler per Jahresbeginn neue künstlerische Direktorin der Landesgalerie in Krems und beerbt damit Christian Bauer.

In einigen großen Häusern setzt man indes auf Kontinuität: So wurde heuer Stella Rollig als Belvedere-Generaldirektorin ebenso wiederbestellt wie Johanna Rachinger als Chefin der Österreichischen Nationalbibliothek und Monika Sommer als Leiterin des organisatorisch dort angesiedelten Hauses der Geschichte Österreich. Alle drei Verträge wären 2022 ausgelaufen.

Lotte de Beer anstelle von Robert Meyer

Im (Musik-)Theaterbereich stehen die wichtigsten Rochaden des kommenden Jahres der Wiener Volksoper und dem Theater an der Wien ins Haus. Mit Beginn der Saison 2022/23 übernimmt Lotte de Beer von Robert Meyer - er hatte sich erfolglos um eine erneute Verlängerung beworben - die Spielstätte am Gürtel. Ausgestattet ist die gebürtige Niederländerin, Jahrgang 1981, mit einem Fünfjahresvertrag. Zur Seite gestellt bekommt die designierte Chefin mit 1. September auch einen neuen Musikdirektor, den israelischen Dirigenten Omer Meir Wellber. Zumindest ein altvertrautes Gesicht in der Führungsetage bleibt der Volksoper erhalten: Christoph Ladstätter, seit 2007 kaufmännischer Geschäftsführer, wurde bis Ende August 2027 verlängert. Im Theater an der Wien indes übernimmt Stefan Herheim von Roland Geyer das Zepter des Intendanten - oder genauer gesagt im Museumsquartier. Dorthin zieht die Traditionsbühne schließlich bis 2024, während das Haupthaus zur Generalsanierung geschlossen ist.

Das Festspielhaus St. Pölten wird sich alsbald dem zeitgenössischen Tanz etwas intensiver widmen. Zumindest hat die künftige künstlerische Leiterin Bettina Masuch, die derzeit noch Intendantin des tanzhaus nrw in Düsseldorf ist und im Herbst ihr neues Amt antritt, eine diesbezügliche "leichte Akzentverschiebung" angekündigt. Frauenpower ist ab kommender Saison auch im Linzer Theater Phönix angesagt. Dort steht der Mitbegründer und langjährige Leiter Harald Gebhartl vor der Pension. Nachfolgerin Silke Dörner, gebürtig aus Deutschland und seit 2001 leitende Dramaturgin im Haus, will aktuelle gesellschaftspolitische Themen wieder verstärkt in den Vordergrund rücken.

Matthäus Zelenka wird mit 1. Februar neuer Geschäftsführer des Veranstaltungsbereichs der Wiener Stadthalle. Damit leitet er gemeinsam mit der kaufmännischen Geschäftsführerin Carola Lindenbauer die große Event-Location. Ob sie unter ihm zu einer guten Auslastung finden wird, hängt aber nicht zuletzt auch von den künftig geltenden Corona-Maßnahmen ab.

Roland Weißmann  ab 1. Jänner als ORF-Generaldirektor

Die Präsentation Österreichs als Gastland bei der Leipziger Buchmesse 2022 und 2023 wurde ebenfalls in neue Hände gelegt. Katja Gasser zeichnet nun für das literarische Auswärtsspiel verantwortlich, nachdem Regisseurin Mirjam Unger im Herbst ihr Engagement infolge von Terminkollisionen zurücklegen musste. Gasser ist Leiterin des Literaturressorts im ORF, wird aber während ihrer Gastauftrittstätigkeit als ORF-Journalistin beurlaubt.

Roland Weißmann amtiert ab 1. Jänner als ORF-Generaldirektor und löst damit Alexander Wrabetz nach 15 Jahren im Chefsessel ab. 
- © apa / Roland Schlager

Roland Weißmann amtiert ab 1. Jänner als ORF-Generaldirektor und löst damit Alexander Wrabetz nach 15 Jahren im Chefsessel ab.

- © apa / Roland Schlager

Apropos ORF: Im größten Medienunternehmen des Landes werden mit Jahresanfang weitreichende Personalentscheidungen vollzogen. Roland Weißmann amtiert ab 1. Jänner als ORF-Generaldirektor und löst damit Alexander Wrabetz nach 15 Jahren im Chefsessel ab. Zeitgleich tritt Weißmanns zentrales Direktorenteam den Dienst an. Es besteht aus Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz, Technikdirektor Harald Kräuter, Finanzdirektorin Eva Schindlauer und Radiodirektorin Ingrid Thurnher. Mit Beginn 2022 nehmen zudem in fünf ORF-Landesstudios neue Chefinnen und Chefs ihre Tätigkeit auf: Edgar Weinzettl in Wien, Robert Ziegler in Niederösterreich, Klaus Obereder in Oberösterreich, Esther Mitterstieler in Tirol und Waltraud Langer in Salzburg. Zudem wird Doroteja Gradištanac (vormals Dodo Roščić) Anfang des Jahres neue FM4-Chefin, Lou Lorenz-Dittlbacher ORF III-Chefredakteurin.

Damit aber noch nicht genug der ORF-Personalrochaden 2022: Denn mit der geplanten Besiedelung des neuen multimedialen Newsrooms, die neben Verhandlungen über die ORF-Digitalnovelle eines der größten Vorhaben für Weißmann im ersten Jahr seiner Amtszeit sein dürfte, müssen zentrale Führungskräfte wie multimediale Ressortchefs oder auch der neue Newsdesk besetzt werden. Vakant ist außerdem noch der Chefredakteursposten der TV-Hauptabteilung Magazine und Servicesendungen. Hier dürften ORF 1-Channelmanagerin Lisa Totzauer sowie TV-Chronikchefin Claudia Lahnsteiner gute Karten haben.

Im Blätterwald rauscht es personell ebenfalls - wenn auch vergleichsweise recht leise: Die "Oberösterreichischen Nachrichten" ("OÖN") starten mit einer neuen Chefredakteurin, Susanne Dickstein, ins kommende Jahr. (apa)