Mitten in der grauen Jahreszeit hat die bunte Ausstellung "Foodprints" im Technischen Museum Einzug gehalten. Wie üblich geht es dabei nicht nur um das simple Anschauen von Exponaten, sondern um das interaktive Erleben und Erfahren. Der Titel "Foodprints" ist an das englische Wort "footprints", also Fußspuren, angelehnt. Es geht um die Spuren, die man mit seinen Lebensmittel-Kaufentscheidungen hinterlässt. Im Portemonnaie, im eigenen Körper, bei anderen Menschen und in der Umwelt. So ist auch am Beginn der Ausstellung zu lesen: "Wie heute gegessen wird, beeinflusst die Welt von morgen." In das Leitbild der Ausstellung wurden die 17 Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen, also die Ziele für nachhaltige Entwicklung, integriert.

Am Eingang erwartet die Besuchenden eine Einkaufsliste, die im Laufe des Besuchs abgehakt werden soll. An unterschiedlichen Stationen werden die Gäste aufgefordert, fiktive Kaufentscheidungen zu treffen. So kann man etwa entscheiden, ob es eine konventionell hergestellte Wurst, eine Bio- oder eine Veggie-Wurst sein darf. Nachdem man seine Einkaufsliste auf eine der drei möglichen Optionen gelegt hat, erscheinen am Monitor Informationen dazu, was die Kaufentscheidung bewirkt. Weitere interaktive Bausteine sind Video- und Audioelemente mit ergänzenden Informationen. Beim finalen Check-out kann man sich nach Abgabe der Einkaufsliste ein Rezept ausdrucken, das als Inspiration dienen soll.

Fragen über Fragen

Foodprints beschäftigt sich hauptsächlich mit der Beantwortung von sechs essenziellen Fragen. Diese gliedern den großen Ausstellungsraum in ebenso viele Kapitel, die farblich gut unterscheidbar sind, sodass sich Besuchende schnell zurechtfinden. Eine vorgegebene Reihenfolge der Exponate gibt es nicht. Zu Beginn wird die Frage "Was gibt’s? Kann ich mir das leisten?" gestellt. In diesem Zusammenhang werden der Preis der Lebensmittel und vor allem auch der Fleischkonsum in den Fokus gestellt. Dabei werden auch die Folgen für die Umwelt und Lebensmittelknappheit thematisiert.

Bei der Frage "Ist das gesund?" geht es um die Auswirkungen der Lebensmittel auf unseren Organismus. Was wir als gesund wahrnehmen, hat sich im Wandel der Zeit jedoch gewaltig verändert. Im Rahmen der Ausstellung werden auch technische Hilfsmittel vorgestellt, die unsere Gesundheit unterstützen sollen. Die Frage "Wo kommt das her? Und wie kommt es zu mir?" wird zum Anlass genommen, um die Landwirtschaft als Grundlage unserer Ernährung ins Zentrum zu stellen. Historische Objekte wie ein Traktor aus dem Jahr 1951 treffen auf aktuelle Technologien wie die Pflückmaschine Roboter_Pijnacker, die mithilfe eines Sensors erkennt, welche Früchte reif sind und geerntet werden können. Auch Drohnen, die Schädlinge zielgerichtet bekämpfen, können bestaunt werden. Mit der "Vertikalen Farm" beweist das Technische Museum, wie einfach man Pflanzen zum Wachsen bringen kann. Und die niederösterreichische Firma Spirulix zeigt mit einem Algenbecken, dass Mikroalgen sich durchaus als Nahrungsmittel der Zukunft eignen. Was aufgrund von schneller Zellteilung alle 48 Stunden geerntet werden kann, verdient trotz des schleimigen Images Respekt.

Die Frage "Was ist drin?" stellt sich besonders in der heutigen Zeit häufig. Die langen Zutatenlisten von hochverarbeiteten Lebensmitteln machen es den Konsumierenden schwer, zu entschlüsseln, was wirklich in einem Produkt steckt. In der Ausstellung können die Gäste aber ganz einfach in Töpfe und Schubladen schauen und den Dingen auf den Grund gehen. "Wer hat’s gebacken?" fragt man sich angesichts von Industrieprodukten leider viel zu selten. Beim Backen ist die Technologie auf dem Vormarsch, das Handwerk rückt mehr und mehr in den Hintergrund. Welche großen Unterschiede zwischen einer Industriesemmel und einer handgemachten Bio-Semmel liegen, erklärt unter anderem Josef Weghaupt, Gründer der Wiener Firma "Joseph Brot".

Das große Thema Lebensmittelverschwendung wird mit der Frage "Ist das noch gut?" aufgegriffen. Haltbarmachung war schon vor vielen Jahrzehnten en vogue, so hatten beispielsweise das Einkochen und Einmachen seine Anfänge zwischen 1910 und 1960. Diese Arten der Konservierung werden auch heute noch praktiziert, besonders beliebt in Spitzenlokalen ist aktuell die Fermentation. In der Ausstellung können Besuchende am Beispiel Milch auch Verpackungen im Wandel der Zeit entdecken. Von Metallkannen über Säcke und Verbundverpackungen bis zu den im Moment wiederentdeckten Glasflaschen erlebte die Milch bereits so einiges. Auch neue Ansätze zu Verpackungen aus Holzabfällen und Papier, Algen, Seegras und natürlichem Kunststoff auf Basis von Pflanzen werden vorgestellt.

Essen ist fertig!

Damit in einer Ausstellung rund ums Essen am Ende nicht nur der Kopf, sondern auch der Magen etwas Neues kennenlernt, hat das Technische Museum das sogenannte "tasteLAB" entwickelt. In einer betreuten Demoküche können Gäste nicht nur zusehen, sondern auch verkosten. Dabei geht es vor allem darum, den eigenen Geschmackshorizont zu erweitern, die Komfortzone zu verlassen und in weiterer Folge vielleicht neue, nachhaltige Gewohnheiten zu entwickeln. Auf die Löffel kommen also ausgefallene Zutaten wie Algen oder Insekten (vor allem in Kombination mit Schokolade) und Kekse mit Glasur aus E120 (ein roter Farbstoff, gewonnen aus Schildläusen). Tipp: Einfach trauen, es ist nicht so schlimm!

Die Ausstellung macht bewusst, was an Ressourcen, Arbeitsprozessen und Technologie in unserem Essen steckt. Diese Informationen können zukünftige Kaufentscheidungen beeinflussen.