Mehr als zwei Jahre Pandemie haben viele Kulturschaffende dazu ermuntert, zusätzlich zu öffentlichen Förderungen nach neuen Wegen zur Mittelaufbringung zu suchen. Die innovativsten und erfolgreichsten Fundraising- und Sponsoring-Aktivitäten des österreichischen Kultursektors wurden am Donnerstag im Rahmen der erstmals vergebenen Kulturfundraising-Awards des Fundraising Verbands Austria in Wien prämiert.

In der Award-Kategorie "Beste Kulturfundraising Aktion" wurde die Votiv-Kino GmbH gemeinsam mit dem Café Liebling ausgezeichnet, die mittels Crowdfunding die Kampagne "Bellaria Kino Retten!" umsetzten. "Die Kampagne zur Rettung des Bellaria Kinos zeigt eindrucksvoll auf, welches Engagement entstehen kann, wenn ein bestimmter Ort nicht aus der Stadt Wien wegzudenken ist. Der kreative und vielseitige Ansatz - von Plakaten bis hin zu Social Media Aktivitäten - sowie die Aktivierung zahlreicher Communities überzeugte auf allen Ebenen", heißt es in der Jurybegründung. 1.453 Unterstützer spendeten über 135.000 Euro. "Wenn ein Projekt Potenzial hat und die Sympathisant*innen Feuer fangen, wird das Unmögliche möglich. Den Funken überspringen zu lassen um dieses Feuer zu entfachen, ist uns offenbar gelungen", freut sich Michael Stejskal, Betreiber von Votiv Kino, Kino De France und Bellaria Kino.

Der Award "Beste Unternehmens-Partnerschaft" für besonders gelungene Kooperationen von Kultureinrichtungen mit Unternehmen ging an das ImPulsTanz Festival für die gemeinsam mit mayr & more aufgebaute Partnerschaft mit Renault unter dem Motto "Warum man den Twingo eigentlich tanzen müsste": "In dieser symbiotischen Partnerschaft trafen sich Kreativität, Bewegung, Technik und Ästhetik. Neben klassischen Werbemitteln wurde ein digitales Erlebnis geschaffen, das in einem Live-Event mündete und die Stärken der Partner Renault & ImPulsTanz perfekt präsentierte", betonte ImPulsTanz-Intendant Karl Regensburger.

Beim Award "Small but smART" für die beste Fundraising-Aktion einer kleinen Kulturinitiative punktete die OTTO Kulturgenossenschaft, die mit ihrem Projekt den Alten Bauhof in Ottensheim (Oberösterreich) zu einer Spielstätte für Kunst und Kultur verwandelt hat. Binnen kürzester Zeit hätten hier 220 Personen in die Genossenschaft eingetreten, um das Vorhaben möglich zu machen. Aus den angestrebten 10.000 Euro der Crowdfunding-Kampagne sei mehr als das Doppelte geworden.

"Der neu geschaffene Preis soll den äußerst spannenden, aber noch relativ spärlichen Fundraising-Aktionen aus der Kultur mehr Sichtbarkeit geben, Kulturanbieter durch Best Practices zu eigenen Initiativen animieren und gleichzeitig mehr Aufmerksamkeit auf den von der Pandemie stark beeinträchtigten Kultursektor insgesamt richten", betonte Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verband Austria, der die Kulturfundraising-Awards in Kooperation mit dem Kulturministerium und mit Unterstützung der Österreichischen Lotterien initiiert hat. Die Verleihung der von der Künstlerin Gisela Stiegler gestalteten Trophäen fand im Anschluss an die Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring in der Diplomatischen Akademie in Wien statt.

Anders als in vielen Non-Profit-Bereichen (u.a. Soziales, Tier-oder Umweltschutz) sei privates Fundraising im Kulturbereich noch die Ausnahme und im Vergleich zu den USA, Großbritannien, den Niederlanden oder auch Deutschland noch verhältnismäßig wenig etabliert, so Lutschinger. "Die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung ist groß, wird aber von Kulturinstitutionen noch sehr wenig durch maßgeschneiderte Spendenaufrufe nutzbar gemacht." So seien acht Prozent der Österreicher aktuell gewillt, für Kunst und Kultur zu spenden, was einem Potenzial von über 60 Mio. Euro jährlich entspreche. (apa)