Schon wieder Corona? Ja, leider, es muss sein. Bevor Sie jetzt hier aus einer wohltemperierten Mischung aus Protest und Frustration ihren Lach-Smiley setzen, lesen Sie bitte entspannt weiter. Denn dieser Text soll vordergründig kein Lamento sein, wenngleich er so daherkommen wird. Es soll auch keine passiv-aggressive Mahnung sein, endlich die verdammten Masken wieder aufzusetzen. Auch kein mitfühlender Text zum Krieg oder ein Rat gegen die destruktive Teuerung, die beginnt, unseren Wohlstand aufzufressen. Das ist nicht die Intention dieses Textes, obwohl jedes dieser Themen richtig und wichtig ist. Statt dessen soll er die Idee transportieren, dass dieser Sommer auch das wird, was wir daraus machen. Als Allererstes: sich nicht unterkriegen lassen.

Denn wir, die wir kaum bis wenig zu sagen haben, sehen uns seit Jahren in der Undankbarsten aller Lagen: als Beifahrer in einer schwierigen und teils gefährlichen Berg-Strecke mit Fahrern, die wenig bis gar keine Absicht zeigen, vorausschauend und auf Sicht zu fahren. Das erzeugt ein Gefühl, das Menschen ganz besonders schwer aushalten: Ausweglosigkeit. "Wie die anderen wollen" - die wohl wienerischste Antwort auf die Frage "Wie geht’s?" beinhaltet eine Wahrheit: Es geht uns so, wie die anderen wollen, weil wir auch von ihren Entscheidungen abhängen.

Fakt ist: Die Situation um das Coronavirus ist wieder einmal schlichtweg katastrophal. Dass sich eine neue, aggressivere Variante ausgerechnet zu einer Sommerwelle aufschwingt, war nicht vorherzusehen. Es ist auch schwer zur Kenntnis zu nehmen. Zwei Sommer lang hat uns das Virus eine mehrmonatige Atempause vergönnt. Teils sogar nahezu unbeschwert. Die Hoffnung war, nach der grimmigen Delta-Variante und einem Frühjahr mit Omikron-Massenkrankenständen einen halbwegs ungestörten Sommer zu haben. Das wir uns das aufzeichnen können, ist nahezu fix. Die pessimistischeren Prognosen sprechen von bis zu 70.000 Infektionen pro Tag.

"Zero" im Urlaubsroulette

Das kann den Sommer zu einem Self-Service-Sommer machen. Flüge werden nicht abheben, den Betrieb von Hotels, Gastro und anderen Dienstleister wohl an die Grenze zum Glücksspiel bringen. Wer Problemen gegenüber nicht völlig ignorant ist, muss sich schon überlegt haben, ob diesmal die Kugel für das Urlaubs-Roulette gar auf "Zero" fällt?

Jene, die etwas weiter denken (es werden leider immer weniger), bekommen keine Antworten mehr auf die dringende Frage, was denn eigentlich der große Plan ist. Nachdem die Strategie der Vermeidung nicht und die Impfungen nur so mittelgut funktioniert haben, hat man nun den Eindruck, die Verantwortlichen überlassen die Bevölkerung völlig ihrem Schicksal. Dass das mit der Eigenverantwortung schon 2020 versagt hat und 2022 absolut gar nicht mehr funktioniert, macht das Nicht-Handeln der Politik besonders kritisch.

Zyniker merken mittlerweile an, dass das neue Pandemie-Management frappant an jenes der Pest des 14. Jahrhunderts erinnert: Man wartet einfach ab, bis die Menschen durch immer wieder wiederholte Ansteckungen entweder umgebracht, dauerhaft beeinträchtigt oder weitgehend immun gemacht wurden. Wo sind denn da bitte 600 Jahre medizinischer Fortschritt? Wie kann es sein, dass so etwas der Plan ist, der am Ende des Tages übrig bleibt?

Dass die Menschen einfach nicht mehr wollen, ist mehr als verständlich. Wer will sich schon einschränken lassen? Aber einfach zu kapitulieren, weil "halt leider keiner mehr mag"? Wer mag schon Steuern bezahlen oder sich an die Bauordnung halten? Und dennoch wird man beides notfalls auch mit Zwang durchsetzen müssen, weil sonst die Gesellschaft kollabiert. Oder lässt man die Dummen, Wurschtigen und Ignoranten gerade gewinnen, weil sie mittlerweile einfach zu viele geworden sind?

Ab nach "Balkonien"

Dazu noch der völlig verantwortungslose Krieg in der Ukraine, der durch seine wirtschaftlichen Folgen den Wohlstand von ganz Europa in Gefahr bringt. Die Menschen stehen vor einer massiven Teuerung, die für die Mittelschicht zunehmend das bisschen Wohlstand auffressen wird, dass nach Jahren von Austerität und Wirtschaftskrise noch übrig ist. Schon mehren sich die Meldungen, dass immer mehr einen Urlaub "in Balkonien" vorziehen, weil das Geld für den echten Urlaub leider im Wege einer Nachzahlung an den Strom- und Gasanbieter überwiesen werden musste. Auch hier: Keine Spur von einem großen Plan. Keine Rede von Perspektive - kurzfristig, mittelfristig? Was tun, wenn das nicht einfach so wieder weggeht? Was wenn die Preise hoch bleiben? Keiner stellt sich hin und erklärt, wie wir da wieder rauskommen und was die Optionen wären.

Und da die Menschen der schlechten Nachrichten derart müde geworden sind, kommen manche Medien auch ganz gut damit zurecht, nicht mehr viel erklären zu müssen. Sicher, eine hübsche Alleinerzieherin mit Sohn, die sich den Urlaub nicht leisten kann, macht ein wunderbares Bild in der Zeitung, garniert mit ein bisschen falscher Armutsbetroffenheit und Kritik an den Verhältnissen. Aber noch einmal: Wer fragt nach dem Plan zur Lösung der Krise? Warum fordert niemand Weitblick und Taten ein? Sind wir schon so abgestumpft, dass wir es einfach nicht mehr hören können oder wollen? Dass wir, als auch noch die Affenpocken aus dem Unterholz aufgetaucht sind, wirklich nur mehr zum Lach-Smiley greifen konnten, weil es anders nicht mehr zu ertragen ist?

Machen wir uns nichts vor: So sehr man sich auch an der Idee Sommer festklammern will, es wird ohne Einschränkungen vermutlich nur für wenige friktionsfrei gehen. Sicher ist es am bequemsten, so zu tun, als wäre nichts. Aber die Augen vor den Problemen zu verschließen, macht sie nur größer und dringlicher. Es sind die gefordert, die sich auf Kosten der Allgemeinheit zu Experten ausbilden haben lassen, nun zur Lösung beizutragen. Und die Aufgabe unserer Vertreter, möglichst viel Schaden abzuwehren. Aus dieser Verantwortung darf man beide nicht entkommen lassen. Sonst gibt es auch 2023 und 2024 keinen Sommer wie damals.