Im Eingangsbereich des Naturhistorischen Museums ist es still geworden. Plötzlich hallen laute Gebetsgesänge und -rufe über die Stufen hinab. Feierlich ziehen die Repräsentanten der indigenen neuseeländischen Volksgruppe Maori ein. Es erinnert an eine Totenprozession, bei der der Priester vor dem Sarg geht, immerhin tragen die Teilnehmer (die von der NHM-Kuratorin Sabine Eggers angeführt wird) jene Boxen, in denen sich die Gebeine von Angehörigen der Maori und Moriori befinden. Seit dem 19. Jahrhundert waren diese Bestandteil der Sammlung des Naturhistorischen Museums und beinhalten Schädel von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Nun wurden diese an die Nachfahren wieder zurückgegeben.

Die dafür erforderliche Provenienzforschung, also die Erforschung von Herkunft und Geschichte von Kulturgütern, wurde durch das "Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa" (Te Papa) gestartet, die, unterstützt von der neuseeländischen Regierung, auf der ganzen Welt Rückführungsverfahren wie diese initiiert und koordiniert. Durch diese wurde von "Te Papa" und der Abteilung für Anthropologie des österreichischen Naturkundemuseums die Schlussfolgerung erzielt, dass die Gebeine höchstwahrscheinlich durch Tausch, Handel und Schenkungen in den Besitz des Naturhistorischen Museums gekommen waren. Zudem wird vermutet, dass die Überreste gegen den Willen der Maori- und Moriori-Gemeinschaften aus der primären Ruhestätte exhumiert und ohne Zustimmung der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Die verbliebenen Überreste seien zu "bloßen Sammlungsobjekten degradiert" worden, wie es in einer Aussendung des NHM heißt.

Rückführung von allen
Seiten befürwortet

Aufgrund dieser Forschungsergebnisse und unter Betracht internationaler Ethikstandards, war man sich einig geworden, dass die Gebeine an die Nachfahren zurückgegeben werden. Unterstützt wird das auch von der Republik Österreich. So soll für die Wiederherstellung der Menschenwürde gesorgt werden. Damit wolle man die "ethische und moralische Ungerechtigkeit" anerkennen, wie es in der Aussendung weiter lautet.

Vor dem Tisch werden also die mit einem schwarzen Tuch umhüllten Boxen abgestellt und weitere Gebete gesungen, ehe Reden gehalten werden. "Wir sind geehrt, dass Sie für den Prozess der Repatriierung zu uns gekommen sind", sagt Kathrin Vohland, die Generaldirektorin des Naturhistorischen Museums. Sie sei zudem sehr dankbar für die Zusammenarbeit der beiden Musseen. Auch der neuseeländische Botschafter in Österreich, Brian Hewson, zeigte sich erfreut und geehrt: Es sei ihm eine "große Ehre im Auftrag von ‚Te Papa‘ hier zu sein". Besonders bedanken möchte er sich bei Sabine Eggers, dass die Rückführung erfolgen konnte.

Es ist aber nicht die erste Repatriierung, die das Museum vorgenommen hat: Seit den 1980ern beschäftigt sich das Museum mit diesen Rückführungen. So gab man beispielsweise 2009 Objekte nach Australien zurück, 2012 nach Südafrika. Und nun die festliche Rückführungs-Zeremonie, nach Neuseeland, bei der nicht zuletzt auch die ein oder andere Träne vergossen wurde.