Das erste Klanglicht ohne Corona-Limits nach einer Absage (2020) und einer auf den Schlosspark Eggenberg beschränkten Veranstaltung verbreitete am Donnerstagabend in Graz wieder geräuschvollen Lichtzauber. Große blaue Leuchtkegel schufen von den beiden Klanglicht-Standorten Reininghaus und Schloßberg eine schimmernde Verbindung in den Nachthimmel. Klanglicht ist in 17 Installationen - bis auf zwei im Schloßberg kostenfrei - noch Freitag und Samstag zu erleben.

Erfinder des Festivals ist der Geschäftsführer der Bühnen Graz, Bernhard Rinner. Er berief sich bei der Eröffnung der diesjährigen Ausgabe - wie schon 2021 - auf die Kaiserhochzeit des Jahres 1673, als sich im Schloss Eggenberg der musikaffine Habsburger-Kaiser Leopold I. mit Claudia Felizitas von Österreich-Tirol vermählte. Rinner zitierte aus einem zeitgenössischen Bericht, wonach damals die Grazer aus feierlichem Anlass zwei Nächte lang Laternen in die Fenster stellten, beziehungsweise stellen mussten. "Damals wurde das Klanglicht erfunden", befand Rinner.

Heuer kam man diesem über die Stadt ausgebreiteten Konzept wieder näher - speziell beim Standort Reininghaus, den alten Brauereigründen, die nun Wohngebiet werden. Gebäude am Rande des Areals wie die gläserne und sonst in gelb gehaltene Öamtc-Landeszentrale strahlten von innen her rot. Der Schwerpunkt lag eindeutig auf dem Schloßberg, mit neun Installationen gegenüber sechs in Reininghaus. Tipp: Erst die alten Brauereigründe, dann den Schloßberg besuchen - steigert garantiert das Klanglicht-Feeling. Die für den Weg zwischen den beiden Standorten extra in höherer Zahl eingesetzten Bims der Linie 4 wurden jedenfalls gut angenommen.

Laut Rinner und Programmkuratorin Birgit Lill sollten die beiden Locations das alte Graz am linksseitigen und das neue - eben mit dem größten Bebauungsprojekt der Stadt auf den alten Brauereigründen - verbinden. Es funktionierte: Hunderte Besuchern flanierten entlang der Installationen von Amanda Parer - riesige im Areal lümmelnde Leuchtmenschen - und pausierten und sinnierten am neu geschaffen Bachlauf von Reininghaus zwischen zahlreichen lokalen Gastroständen. Und darüber, am schwarzblauen Nachthimmel, schuf der Finne Kari Kola - auf das Ausleuchten von Landschaften spezialisiert - die Verbindung der Stadtteile mit "Blue Sky", der weithin sichtbaren Lichtbrücke zwischen alt und neu.

Digitalisierter Uhrturm

Am Schloßberg fand Parers Installation "Fantastic Planet" sein Gegenstück zu Reininghaus, ein Riesenwesen, das vom Herbersteingarten aus heimelig leuchtend über die Stadt blickt. Die den Grazern wohlbekannten Schloßberg-Blickfänge Stallbastei mit dem neuen Museum und - natürlich - der Uhrturm spielten eine besondere Rolle. Im Museumsgarten warfen die Buchstaben-Lichtprojektionen "Constellations" von Hartung & Trentz bzw. Josef Gründler unergründliche Codes auf Mauern, Wege und die Neugierigen. Der Uhrturm wurde von Mo:Ya mit "Chronos" wieder einmal in seiner langen Geschichte neu interpretiert. Seine Umrisse und sein bekanntes Ziffernblatt unterzogen sich einer faszinierenden Digitalisierung.

Die Installation "Fanstastic Planet" des Kollektivs "Parer Studios". 
- © apa / Erwin Scheriau

Die Installation "Fanstastic Planet" des Kollektivs "Parer Studios".

- © apa / Erwin Scheriau

In die Gestaltung eingebunden ist ein Mix aus internationalen und lokalen Künstlern - und der Studiengang Institut Design und Kommunikation der FH Joanneum. Dieser hat in noch ungenutzten Parterre-Räumen im Reininghauspark 2 ein Gewitter aus Kunstblitz und Donnermusik geschaffen. Und gleich nebenan setzt die Südtirolerin Esther Stocker mit dem "Sonderfall des Rechtecks" eine Art klaustrophobische Grenzerfahrung um - Zeit nehmen, mittendrin stehen bleiben, dann machen die auf einen zu wanderenden Lichtquadrate den Raum scheinbar kleiner.

Energieverbrauch?

Etwaige Bedenken wegen zu hohem Energieverbrauchs in Krisenzeiten zerstreuten die Veranstalter und die zur Eröffnung erschienene Politik. So habe man Klanglicht um einen Tag von vier auf drei verkürzt, so Rinner. Verwendet würden LEDs, auf energiestarke Lampen wurde weitgehend verzichtet. Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) sprach bei der Eröffnung davon, dass laut Veranstaltern rund 7.000 KWh Strom verbraucht werden. Ein Event, das massiv Energie verbraucht, wäre schon ein Problem. "Aber mit dem Konzept, des g'fallt ma so", sagte Kogler. LH und Kulturlandesrat Christopher Drexler (ÖVP) brach ein Lichtschwert für Kunst in Krisenzeiten: "Die Stadt wird wieder durchflutet von Klanglicht, nicht nur auf den Eggenberger Schloßpark beschränkt wie 2021. Kunst darf sich durch nichts unterkriegen lassen."

Zumindest vom Schloßberg aus gesehen matchte sich das Klanglicht 2022 auch mit dem Spiel Sturm gegen Feyenoord Rotterdam im Stadion in Liebenau, das - vom Flutlicht hell erstrahlt - auch geräuschmäßig und mit bengalischen Feuern gewaltig auf sich aufmerksam machte. Die Gäste von Klanglicht waren aber die weitaus friedlicheren. (apa)