Einhelligkeit ist in der Welt der Kirchen nicht ganz alltäglich. Bei einem Thema sind sich die Religionsgemeinschaften jedoch einig: Ihre Spitzenvertreter in Österreich wollen die von der Bundesregierung geplante Einstellung der "Wiener Zeitung" als gedruckte Tageszeitung nicht hinnehmen und schließen sich dem Personenkomitee zur Rettung der "Wiener Zeitung" an. Die hochrangigen Unterzeichner sind die Vorsitzenden, Präsidenten und Bischöfe der staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften sowie der Erzbischof von Wien. Sie fordern von der Bundesregierung die sofortige Rücknahme der Pläne für die "Wiener Zeitung", da sie fürchten, dass sie das weitgehende Aus für den Journalismus der "Wiener Zeitung" bedeuten würden. Sie fordern stattdessen, wie zuvor Exponenten aus Politik, die Spitzen der heimischen Medien, sowie namhafte Exponenten der Kultur und Wissenschaft, ein Moratorium von 18 Monaten, während dessen Dauer seriöse Verhandlungen stattfinden und Wege zum Weiterbestand gesucht werden sollen.

Unterzeichnet ist die Petition unter anderem von den Spitzenvertreter aller Weltreligionen: Michael Chalupka, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. sowie Thomas Hennefeld, Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B., Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Christoph Kardinal Schönborn, Erzbischof von Wien der Römisch-katholischen Kirche, Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, sowie Gerhard Weissgrab, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft. Weiters sind auch nahezu alle kleineren Religionsgemeinschaften mit an Bord, etwa die Altkatholische Kirche, die Methodisten und die Freikirchen in Österreich. Auch der orthodoxe Metropolit Arsenios hat die Petition unterzeichnet.

"Kulturgut erster Güte"

Ihr Missfallen über die Einstellung der "Wiener Zeitung" - die Regierung sieht eine Monatszeitung samt täglicher Online-Berichterstattung vor - äußerten mittlerweile breite Schichten der Bevölkerung. Zuletzt haben sich weit mehr als hundert Personen aus dem Kultur- und Wissenschaftsbetrieb gegen die von der Regierung geplante Einstellung gestemmt. Unter den Unterstützern einer entsprechenden Petition finden sich unter anderen Elfriede Jelinek, Josef Hader, Michael Niavarani, Werner Herzog, Ruth Beckermann, Nicholas Ofczarek, Alfred Dorfer, Sabine Derflinger, der Musiker Austrofred und Franz Welser-Möst sowie bekannte Wissenschafter wie Christoph Zielinski, Ruth Wodak, Andreas Bergthaler und Helga Nowotny.

In der Petition wird die "Wiener Zeitung" als Kulturgut erster Güte bezeichnet. Sie setze Maßstäbe für einen in der Demokratie unverzichtbaren Qualitätsjournalismus in einer zunehmend verarmenden Medienlandschaft. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner appellieren, die "Wiener Zeitung" in ihrer bisherigen Weise für 18 Monate weiterzuführen und in dieser Zeit nach Lösungen für eine Fortführung "dieses weltweit einzigartigen Zeitungsprojektes" zu suchen.

Unterzeichner aus den in Österreich anerkannten Religionsgemeinschaften:

Yüksel BILGIN
Präsident der Alevitischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Michael CHALUPKA
Bischof der Evangelischen Kirche A.B.

Oskar DEUTSCH
Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde

Anba GABRIEL
Bischof der Koptisch-orthodoxen Kirche in Österreich

Thomas HENNEFELD
Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B.

Arsenios KARDAMAKIS
Metropolit der Griechisch-Orthodoxen Kirche in Österreich

Heinz LEDERLEITNER
Bischof der Altkatholischen Kirche Österreichs

Karl PELOSCHEK
Vorsitzender der Freikirchen in Österreich

Christoph Kardinal SCHÖNBORN
Erzbischof von Wien der Römisch-Katholischen Kirche

Stefan SCHRÖCKENFUCHS
Superintendent der Evangelisch-methodistischen Kirche in Österreich

Simon SOUCEK
Präsident Österr. Kirchenvorstand der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Ümit VURAL
Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Gerhard WEISSGRAB
Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft