Im Kampf gegen den illegalen Handel mit geplünderten Kulturobjekten aus der Ukraine hat der Internationale Museumsrat (ICOM) eine Rote Liste der gefährdeten Kulturgüter in dem von Russland angegriffenen Land zusammengestellt. Die in Paris veröffentlichte Liste umfasst unter anderem Manuskripte aus dem 13. bis 19. Jahrhundert sowie jahrhundertealte Ikonen, aber auch moderne Kunst von der naiven Malerei bis zum Sozialistischen Realismus sowie Kunsthandwerk, Kostüme und Schmuck.

Mit Hilfe der vorgelegten Roten Notfallliste will der 1946 gegründete internationale Verband von Museen und Museumsfachleuten, der heute fast 140 Länder abdeckt, die Identifizierung von geplünderten Kulturgütern aus der Ukraine erleichtern, "wenn sie in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren zu zirkulieren beginnen." Den illegalen Handel mit Artefakten gebe es zwar schon lange, durch die russische Invasion habe er aber weiter zugenommen, erklärte der Museumsrat. Zusammengestellt wurde die Liste auch mit Hilfe von Museumsexperten aus der gesamten Ukraine.

Wie real und ernst die Gefahr sei, zeigten die jüngsten Berichte über die massive Plünderung des Kunstmuseums in Cherson durch russische Truppen, hieß es in der Erklärung weiter. Um den illegalen Handel mit dem Kulturerbe zu bekämpfen, arbeitet das Netzwerk mit internationalen Organisationen wie Interpol und der Weltzollorganisation (WZO) zusammen.

Die Vereinten Nationen dokumentieren mit Hilfe von Satellitenaufnahmen die Zerstörungen von ukrainischen Kulturgütern und Kulturerbe seit Beginn der russischen Offensive vor neun Monaten. Ende Oktober listete die Unesco 207 beschädigte oder zerstörte Kulturstätten auf, darunter 15 Museen, zehn Bibliotheken und 76 historisch oder künstlerisch wertvolle Gebäude. (apa/afp)