Der Architekt und Hochschullehrer Gunther Wawrik ist am Montag, den 9. Jänner, nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 92 Jahren verstorben. Das teilte die Österreichische Gesellschaft für Architektur (ÖGFA), deren Vorstandsvorsitzender Wawrik Ende der 1970er-Jahre und deren Ehrenmitglied er seit 2017 war, in einer Presseaussendung mit. Mit Wawrik verliere die österreichische Architekturszene "eine ihrer pointiertesten Stimmen", heißt es darin.

Wawrik wurde am 7. Oktober 1930 geboren, wuchs in Salzburg auf und lebte in Wien. An der Technischen Hochschule Wien studierte er Architektur, von 1985 bis 1996 war er Professor für Entwerfen, Baukonstruktion und Städtebau an der Fachhochschule in München. Er habe eine "ergebnisoffene Methode, die er selbst beiläufig als 'Basteln' bezeichnete und die 'eine respektvolle, gleichwohl fragende Haltung dem Vorhandenen gegenüber' bedingte", kultiviert, teilte die ÖGFA mit. Bis ins hohe Alter seien seine Beiträge zur Architektur ein "exploratives Spiel mit Möglichkeiten" geblieben. Von ihm stammten etwa die Terrassenhäuser Goldtruhe in Brunn am Gebirge (1969 in Arbeitsgemeinschaft mit Hans Puchhammer) oder die Aussegnungshalle Gräfelfing in Bayern (1999). Zweimal erhielt er den Österreichischen Bauherrenpreis.

In seinen letzten Lebensjahren habe sich der Architekt der Fiktion einer "Bergstadt" als kritischem Gegenentwurf zum städtebaulichen Wildwuchs der Stadt im Tal gewidmet. 2020 entstand ein Buch zum Gedankenexperiment, noch bis Freitag, den 20. Jänner, ist im Architekturhaus Salzburg eine Ausstellung dazu zu sehen. (apa)