Ganz Maribor wird Bühne und feiert beim Lent-Festival die slowenische Kultur. Foto:Lent Festival
Ganz Maribor wird Bühne und feiert beim Lent-Festival die slowenische Kultur. Foto:Lent Festival

Maribor. Wandlungsfähigkeit hat Maribor in der Geschichte öfters gezeigt. Von der Provinz- im Zuge des Eisenbahnbaus zur Industriestadt geworden, darf sie sich 2012 Europäische Kulturhauptstadt nennen. Knapp ein halbes Jahr vor dem Startschuss sprüht man vor Ideen und die laufenden Veranstaltungen geben einen Einblick in die Kulturbegeisterung Sloweniens.

Einen Vorgeschmack kann man sich schon jetzt holen: Festivalfieber hat die Stadt ergriffen, jeder ist davon infiziert, nirgendwo bleiben die über fünfzig Schauplätze des zweiwöchigen Lent-Festivals unbemerkt. Bereits am Vormittag startet das Programm für Kinder im Oder Art Kamp, das im Mestni Park seine Zelte aufgeschlagen hat. Das Projekt lanciert hat die engagierte Urka Koica, die nun seit vier Jahren mit einem hauptsächlich aus Volontären bestehenden Team die Koordination von über 50 Workshops am Tag über hat; am Programm stehen kochen, tanzen und Yoga unter freiem Himmel oder einfach auf einem der gemütlichen Strohsäcke die Seele baumeln lassen.

Währenddessen geht es auf den restlichen Schauplätzen des Festivals bunt zu. Von Plätzen bis zu Höfen - alles wird zur Bühne. Die ehemalige Radio City wurde zu einer Jazzbühne umimprovisiert, lauschiger geht es im früheren Gerichtsturm zu, wo nur etwa 150 Personen Platz finden. Wichtigster Schauplatz ist die Drau-Bühne, wo Bands wie das Boban I Marko Markovic Orkestar für Stimmung sorgen. Für klassische Musikliebhaber bietet die Stadt das Maribor Festival, deren Gestaltung der australische Geiger und Leiter des Australian Chamber Orchestra Richard Tognetti über hat, wie für Rockbegeisterte Rock Otoèek. Der Leiter des Lent-Festivals, Vladimir Rukavina, erkannte die künstlerischen Kapazitäten von Maribor und war entscheidend daran beteiligt, dass sich vor drei Jahren schließlich der Osten von Slowenien unter anderem gegen die slowenische Hauptstadt Ljubljana durchsetzen konnte und sich 2012 Europäische Kulturhauptstadt nennen darf. Neben den bereits seit Jahren erfolgreichen Veranstaltungen möchte Maribor vor allem das seit dem Zerfall von Jugoslawien in Tiefschlaf gesunkene Industriegebiet zu neuem Leben erwecken. In den ehemaligen Fabrikshallen der TAM-Werke, wo zu den besten Zeiten 9000 Leute Beschäftigung fanden, ist ein Kulturzentrum und eine Performance-Stätte geplant; auch Programme zur Integration von Roma, Arbeitslosen oder Häftlingen sollen dort stattfinden. Eine Fußgängerbrücke soll die Altstadt dann bequem mit dem gegenüberliegenden und sozial stark benachteiligten Drauufer verbinden; der Ausschreibungswettbewerb läuft im Moment noch.