Manchmal können einfache Dinge das Leben vieler verbessern: Der Hippo Water Roller zum Beispiel. In ihm lassen sich rund 90 Liter Wasser rollend transportieren. Der an einem Stahlgehänge befestigte walzenförmige Behälter erleichtert das Befördern des so überlebensnotwendigen Guts, das in vielen Dritte-Welt-Ländern traditionell von Frauen und Kindern in Krügen oder Kanistern vom weit entfernten Gemeinschaftsbrunnen auf dem Kopf nach Hause getragen wird. Über den Boden gerollt, kommen die Container auf ein Gewicht von gerade mal zehn Kilo und verhindern so gesundheitsschädigende Auswirkungen. An die dreißigtausend Hippo Water Roller wurden innerhalb der letzten 15 Jahre weltweit verteilt und haben bislang den Alltag von geschätzten 200.000 Menschen verändert.

Die Erfindung stammt aus Südafrika, wo sich auch die Produktionsstätte befindet. 1991 gaben die Ingenieure Pettie Petzer and Johan Jonker den rollbaren Fässern Gestalt. Knackpunkt des Projekts sind allerdings die Exportkosten. Oft machen sie das Doppelte des Stückpreises von 75 US-Dollar aus. Ohne die finanzielle Unterstützung von lokalen wie internationalen Geldgebern wäre die Verteilung an bedürftige Gemeinden nicht möglich. Zur Spendenbeschaffung in aller Welt wurde zudem die gemeinnützige Organisation "Water to the People" gegründet. Das Konzept trägt Früchte: Im April 2010 erreichten 175 Hippo Water Roller das südsudanesische Maleng-Agok. Gesponsert wurde die Aktion von privaten Spendern aus Australien.


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Wie können alle von Technologie profitieren?

Der Hippo Water Roller ist ein gelungenes Beispiel für Social Design. Während der Begriff in der Fachwelt längst kein Fremdwort mehr ist, klingt er in den Ohren von Otto Normalverbraucher noch neu. Gemeint ist damit ein Verständnis von Design, das gesellschaftliche Anliegen vor stilistische Anforderungen stellt. Wie können Ressourcenknappheiten bewältigt werden? Wie können alle im selben Maße von technologischen Entwicklungen profitieren? Wie kann Wissen produziert und geteilt werden? Wie lassen sich soziale Problemstellungen sichtbar machen? Das sind die typischen Fragen sozialen Designs. Zum Social Design zählen das Entwerfen behindertengerechter Vorrichtungen ebenso wie die Bereiche Green Design und Sustainable (nachhaltiges) Design. Querbeet durch sämtliche Lebensbereiche tüfteln Akteure unterschiedlichster Disziplinen nachhaltige Möglichkeiten des Produzierens und Konsumierens aus und bringen auf diese Weise Prozesse des Umdenkens in Gang. Die Wiederverwertbarkeit von Baustoffen und die Verwendung nachwachsender Rohstoffe machen dabei nur einen Bruchteil der so ungemein vielfältigen Beschäftigungsfelder innerhalb dieser Domäne aus.