Wien. Die Kritischen Literaturtage (KriLit) gehen Anfang November zum zweiten Mal in Wien über die Bühne. Veranstaltet werden sie von der Bildungsabteilung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) im großen ÖGB-Haus an der Donaumarina. Damit hat der ÖGB eine Vorreiterrolle übernommen. Denn es gab in Österreich bisher keine "Buchmesse abseits des kommerziellen Mainstreams", erklärt Sabine Forstner-Widter vom Organisationsteam der KriLit gegenüber der "Wiener Zeitung".

Die KriLit möchten nämlich unabhängigen, kleinen Verlagen aus dem deutschsprachigen Raum eine Plattform bieten. "Viele Kleinverlage in Österreich sind oft mit wenigen finanziellen und personellen Ressourcen ausgestattet, und die Teilnahme an kommerziellen Buchmessen ist mit hohen Kosten verbunden. Es war deshalb unser Ziel, diese Verlage vor den Vorhang zu bitten und damit die Vielfalt der österreichischen und deutschsprachigen Literaturlandschaft zu fördern", so Forstner-Widter.

Freier Eintritt

Besonders willkommen sind Bücher aus den Themenbereichen soziale Bewegungen, Arbeitswelt, Gewerkschaften, Kapitalismus- und Globalisierungskritik sowie Geschlechtergerechtigkeit. Ein Ausstellungstisch kostet 20 Euro pro Tag. Ein weiterer Unterschied zu den großen Buchmessen: Der Eintritt ist frei. Geboten werden neben Buchpräsentationen außerdem Lesungen und Diskussionen.

Auf Konzerte wie im Vorjahr verzichten die Veranstalter diesmal jedoch. Sie wollen auch keinen Hehl daraus machen, dass sie sich für die erste Ausgabe der KriLit mehr Besucher erwartet hatten - rund 600 waren es insgesamt.

Nachdem 2010 die Kritischen Literaturtage eher ungünstig auf die letzten Tage vor Weihnachten fielen, hoffen die Organisatoren, dieses Jahr mit dem 4. und 5. November ein attraktiveres Datum gewählt zu haben. Eine Woche später findet in Nürnberg wieder die traditionelle Linke Literaturmesse statt, bei der sich die Organisatoren des ÖGB Anregungen für die KriLit in Wien geholt haben. Und die große Buch Wien 2011 (knapp 30.000 Besucher im Vorjahr) findet auch erst in der zweiten November-Woche statt.

Grundsätzlich ist die Buchmesse für alle Verlage und Themen offen. Die Organisatoren betonen aber ausdrücklich, dass faschistische, rechtsextremistische, sexistische oder diskriminierende Publikationen keinen Platz haben.

Eröffnen werden denn auch die Kritischen Literaturtage 2011 der globalisierungskritische Journalist und Autor Robert Misik sowie ÖGB-Präsident Erich Foglar. Weiters am Programm stehen am Eröffnungstag ein Workshop über "dialekt sprechen-dialekt schreiben" mit El Awadalla von den Österreichischen DialektautorInnen (ÖDA) sowie ein Poetry Slam, den die Autorin Mieze Medusa alias Doris Mitterbacher leiten wird.

Zahlreiche Lesungen

Am zweiten Ausstellungstag gibt es von 10 bis 20 Uhr verschiedenste Lesungen. Unter den bisher rund 50 angemeldeten Editionshäusern werden etwa die Verlage Der Apfel, Holzbaum, Mandelbaum und Graswurzel ebenso vertreten sein wie die Edition Atelier, Edition Sonnberg oder edition exil.

Lesen werden Journalisten und Autoren wie Susanne Scholl, Brigitte Voykowitsch; Gerhard Ruiss liest aus seinen Kanzlergedichten und Kanzlernachfolgegedichten aus drei Jahrzehnten, präsentiert wird auch der Führer "Ganz Wien für wenig Geld - Der Cityguide für Lebenskünstler".

Bei der Programmgestaltung war den Veranstaltern wichtig, "auch ein junges, studentisches Publikum anzusprechen. Denn je gemischter das Publikum ist, umso lebendiger gestaltet sich die gesamte Buchmesse", betont Sabine Forstner-Widter.