Die Blume des Jahres: Die Hortensie, lateinisch Hydrangea, ist möglicherweise nicht das glamouröseste Gewächs im Garten. Vielleicht wird sie deswegen von Madonna verabscheut. Beste Chancen, dass Lady Gaga nächstes Jahr als Hortensie zum Fasching, pardon: Grammy geht.

Überspannteste Bögen des Jahres:Wenn Charlie Sheen gesagt hätte, "grüne Raubritter" seien schuld daran, dass er aus seiner Serie "Two And A Half Men" geflogen ist, hätte man das möglicherweise auf seine Vorliebe für spezielle Substanzen geschoben. In Österreich nennt man das Kulturpolitik: Gesagt hat das vor kurzem nämlich Gerald Matt in einem Interview. Ob der Direktor der Kunsthalle nun Ressourcen des Hauses für private Zwecke verwendet hat oder nicht, war eine der brennenden Fragen des Jahres. Die Diskussion endete vorerst mit der Dienstfreistellung des Dandys. Übertrieben hat es Lars von Trier heuer bei den Filmfestspielen in Cannes, wo er sich selbst als Nazi bezeichnete. Die Disziplinierung folgte: Er wurde zur Persona non grata. Seither gibt Lars von Trier beleidigte Interviews, in denen er sagt, er werde in Zukunft keine Interviews mehr geben. Und Charlie Sheen? Der ist, nachdem er seinen Chef eine "verseuchte kleine Made" genannt hat, nach wie vor am AMS für Serienschauspieler. Aber noch nie hat jemand irrwitziger einen Rausschmiss gefeiert als er: machetenschwingend.

Verblüffendste Verschwörungstheorien des Jahres:Im Sommer wurde den Schlümpfen von einem französischen Soziologen vorgeworfen, dass sie ein faschistisches Pack seien. Ende des Jahres wiederum gerieten die Muppets unter Verdacht, Kinder mit kommunistischen Ideen zu infiltrieren. Gerüchteweise soll nach dem Tod Kim Jong-ils sogar eine Abordnung Puppenkraniche in Trauerhaltung nach Nordkorea verschifft worden sein.

Ignorierteste Austro-Filme des Jahres: Das Spielfilmdebüt "Michael" von Markus Schleinzer feierte zwar in Cannes im Wettbewerb Premiere - daheim in Österreich wollten aber gerade einmal 5800 Zuschauer den Film im Kino sehen. Verständlicher die Ablehnung der wenig qualitativen Gabriel-Barylli-Komödie "Barylli’s Baked Beans" (1793 Zuschauer); in Peter Kerns "Mörderschwestern" verirrten sich gar nur 174 Schaulustige.

Französischer Filmstar mit Manierenproblemen des Jahres: Gérard Depardieu verschaffte sich und seiner Blase in einem Flugzeug öffentlich Erleichterung. Bornierte Verhaltensregeln in Verkehrsmitteln sind eben nichts für französische Freigeister.

Unverständlichste Begeisterung des Jahres:Zugegeben, die Zeit mit Harry Potter war schön. Aber irgendwann muss Schluss sein mit lustig, und so kam das endgültige Ende der Saga (endlich!) ins Kino. Die Fans kannten das Finale der Story bereits, der Film bot nichts Neues - und trotzdem wurde er zu einem der erfolgreichsten des Jahres. Wobei "Erfolg" auch einfach nur ein gedrucktes Wort sein kann. "Superstar George Michael begeisterte Montagabend beim Krone-Konzert in Wien mit ganz besonderen Liedern": So spürbar begeistert die "Krone" auch war, so "exklusiv" war sie am Konzert des britischen Popstars. Der krankheitsbedingt abgesagte Termin konnte an der bereits gedruckten Konzertkritik auch nichts mehr ändern. Journalismus bedeutet, sich von Fakten nicht weiter beirren zu lassen.

Größenwahn des Jahres: Nicht genug damit, dass Björk ihr neues, die Entstehung der Welt umkreisendes Werk "Biophilia" als "erstes App-Album der Geschichte" veröffentlichte. Neben eigens für die Verwendung bei ein bis zwei Songs erfundenen Instrumenten beglückte die Isländerin auch mit mindestens maximal gehaltenen Live-Events inklusive zum Albumkonzept passenden Workshops. Für 2012 steht die Eroberung der Weltherrschaft ganz oben auf der Agenda. Zumindest einen Weltrekord in der Disziplin Selbstvertrauen darf man Roland Geyer bescheinigen - nicht ganz ohne Grund, denn der Chef des Theaters an der Wien bürgt ja meist für grandiose Opernabende. Auf Guinness-Niveau katapultierte ihn dann aber die Kür zum Bregenzer Festivalchef. "Unglaublich, der macht aus allen Eiern goldene Eier", wollte er schon heuer Jubel vom Bodensee hören - obwohl seine dortige Ära erst 2015 beginnt.

Sätze, die wir 2012 nicht mehr hören wollen: "Das Ziel ist, einen geilen Platz zu machen und ganz vorne mitzumischen." - Nadine Beiler wird dann beim Song Contest 18. Und inspiriert vorher wenigstens Stermann und Grissemann zum vielzitierten Satz "I gwinn eich jetzt den Schaß."

"Die Wurst ist in aller Munde." - Eine "Kunstfigur" namens Conchita Wurst nützt eine ORF-"Talentshow" für ihre ganz persönliche "große Chance".