Wien. Der umstrittenen Ball des Wiener Korporationsringes (WKR) hat - indirekt - für eine Streichung der Wiener Bälle aus der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes gesorgt. Anfang der Woche war bekannt geworden, dass der "Wiener Ball" seit 2010 als "Weltkulturerbe" geführt wurde - auf dieser Liste befand sich auch der WKR-Ball. Die daraus resultierende Aufregung führte dazu, dass die österreichische UNESCO-Komission am Donnerstag die Streichung der gesamten Liste bekanntgab - damit verlieren etwa auch Opernball oder Philharmonikerball ihren Status als "Weltkulturerbe".

Gegendemos
Der Ball der Burschenschafter sorgt Jahr für Jahr für Kritik und Gegendemos. Kritiker wie etwa SOS Mitmensch sehen im Korporationsring eine "rechtsextrem durchsetzte Vereinigung". Besondere tagesaktuelle Brisanz hatte das Thema dadurch erhalten, dass der diesjährige WKR-Ball just am 27. Jänner - dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz - stattfindet. Zahlreiche Organisationen und politische Parteien übten heftige Kritik an diesem Umstand. Eine Initiative von mehreren NGOs, Kirchenvertretern und Parteien planen für den 27. Jänner vor der Hofburg am Heldenplatz eine Kundgebung gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus.

In der Burg findet der Ball aber ohnehin zum letzten Mal statt. Die Betreiber-Gesellschaft der Hofburg hatte bereits Anfang Dezember erklärt, dass der Ball nach dem heurigen Jahr für den Korporationsring nicht mehr als Veranstaltungsort zur Verfügung steht.

Abgeklärte Liste
Nun darf sich der Ball aber auch bei seinem letzten Auftreten in der Burg nicht mehr mit dem Titel "Weltkulturerbe" schmücken: Am Donnerstag gab die Präsidentin des österreichischen Kommission, Eva Nowotny, die Entscheidung bekannt: "Wir bedauern, dass wir im Rahmen der Einreichung die Listung des WKR-Balls übersehen haben und haben uns nun entschieden, die gesamte Liste der Wiener Traditionsbälle per sofort aus dem Verzeichnis zu entfernen", erklärte sie via Aussendung.

Neuantrag dauert
Es liege nun beim Antragsteller - dem Kontaktkomitee der Wiener Nobel- und Traditionsbälle -, die Liste der Bälle abzuklären, so Nowotny. "Eine abgeklärte Liste kann selbstverständlich wieder aufgenommen werden." In der Liste waren insgesamt 21 Bälle enthalten, neben Opern- und Philharmonikerball unter anderem auch der Concordiaball, das Elmayer-Kränzchen oder der Kaffeesiederball. Im Moment gebe es noch viele Gespräche, sagte Susanne Schöner, Vorsitzende des Kontakt-Komittee der Wiener Nobel-und Traditionsbälle, die das Element "Wiener Ball" als immaterielles Kulturerbe bei der UNESCO eingereicht hatte.

  Bis zur Entscheidung werde es jedenfalls noch dauern. Das sei ein "langfristiger Prozess", sagte Schöner der APA. Für die heurige Ballsaison sei die Sache jedenfalls schon gelaufen. Die Diskussion um den Ball der Burschenschafter hatte dazu geführt, dass die österreichische UNESCO-Komission den "Wiener Ball" aus dem Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes gestrichen hat. Damit verloren auch der Opernball, der Philharmonikerball und andere bekannte Bälle ihren Status als "Weltkulturerbe".

  Die SPÖ begrüßte diesen Schritt. "Die Entscheidung der UNESCO-Kommission ist ein klares und unmissverständlichen Zeichen gegen Rechtsextremismus und zu hundert Prozent unterstützenswert", sagte Nationalratsabgeordnete Petra Bayr. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sprach dagegen von einer "Anlassentscheidung aufgrund von gezieltem linksextremem Mobbing".