Stellenwert der Marke sinkt

50 bis 60 Sondermarken gibt die Österreichische Post jährlich heraus, jede mit einer Auflage von etwa einer halben Million Stück. Noch vor zehn bis 15 Jahren waren es zwei bis drei Millionen pro Auflage, davor wurden sogar noch zig Millionen aufgelegt.

Mit dem Siegeszug der Kommunikation über E-Mail hat auch der Stellenwert der Briefmarken rapide abgenommen. Es werden weniger Briefe geschrieben, die meisten Sammler wollen ihre Marken aber auch "gelaufen", das heißt gestempelt und verwendet, in ihre Alben stecken.

Wenn heute Briefe versandt werden, sind diese häufig nicht mit Marke sondern mit selbstklebenden Barcode-Streifen versehen. "Es gibt aber Leute, die sogar die Barcode-Pickerl sammeln", erzählt Tettinek. "Hier gibt es immer Änderungen, in der Schrift oder in der Größe der Zahlen. Die Schönheit der Marke haben sie natürlich nicht." Unter den Philatelisten ist es Ehrensache, jeden Brief mit Marke zu verschicken.

Zu Weihnachten halten sich dann die meisten Österreicher daran: Die Weihnachtsmarken der Post haben eine Auflage von elf Millionen, "die gehen weg wie nichts", erzählt Tettinek. "Der Österreicher verschickt seine Weihnachtsbriefe nach wie vor per Post und mit Marke."

Aber auch in Unternehmen entdeckt man vermehrt den Wert der Briefmarke: "Man erkennt wieder den Sinn, Briefmarken zu verwenden, gerade bei Direct Mails. Die Botschaft bekommt dadurch mehr Wertigkeit", sagt der Leiter des Bereichs Philatelie bei der Post AG, Jörg Pribil. "Aber natürlich gibt es einen Rückgang bei den Briefmarken, es werden weniger Briefe verschickt."

Bei der Post AG sieht man das Thema Briefmarken als "riesengroßen Kulturauftrag", aber auch als Geschäft. 50.000 Sammler beziehen Markenabonnements von der Post, insgesamt setzt die Post mit Marken 100 Millionen Euro um, dazu gehören aber auch Dauermarken. Nur mit Sondermarken, Zubehör und Spezialprodukten für Sammler wird mit 20 Millionen Euro etwa ein Prozent des Jahresumsatzes verdient.

Da die Briefmarke zunehmend an Relevanz verliert, spricht die Post bewusst neue Kundengruppen an. Über Aktionen mit Volksschulen versucht man, Kinder für das Thema Briefmarke mit einem spielerischen Umgang zu begeistern, "und auch die Golden Ager erkennen, dass die Philatelie ein schönes Thema ist." Die sich verändernde Alterspyramide spielt der Philatelie dabei möglicherweise in die Hände: "Wir haben ein Wachstumsproblem, der durchschnittliche Sammler ist über 60, und die Nachwuchsentwicklung ist nicht so, wie man es sich wünschen würde", sagt Pribil. "Wir verlieren zwar viele Sammler, weil sie sterben. Aber ältere Leute bleiben länger gesund und fit. Wer also mit 60 beginnt, sammelt noch 20 bis 30 Jahre."