Frauen in Führungspositionen? Das ist nun wirklich nicht so ein Problem. Es gibt nur ein paar Dinge zu beachten: "Keine Pferdeschwänze oder Tubetops tragen, sparsam weinen und in Sitzungen keine Diätkost verzehren." Das lehrt Tina Fey im Buch "Bossypants". Sie weiß das, denn sie ist Chefin, und zwar in einer Branche mit verhältnismäßig vielen verhaltensauffälligen Mitarbeitern: der amerikanischen Humorindustrie.

Fey war lange Chefautorin der US-Sketchshow "Saturday Night Live" und hat dann die Comedy-Serie "30 Rock" erfunden. Da spielt sie die Chefautorin einer US-Sketchshow. Es ist die wahrscheinlich lustigste und anarchischste Serienkomödie, die seit langem fürs TV produziert wurde - oder wie Tina Fey es erklärt: "Wir machen Scherze über Rasse, Macht und Geschlechter. Und Furzwitze natürlich." Hierzulande scheiterte die Ausstrahlung an einer spektakulär schlechten Synchronisation. Die Sendung sammelte Golden Globes sonder Zahl, nach sieben Staffeln wird aber 2013 Schluss sein mit den halsbrecherisch schnellen Gags und den intelligenten Rundumschlägen durch die US-Kultur.

In "30 Rock" spielt Tina Fey Liz Lemon, Single in New York mit einer biologischen Uhr "in der Größe von Big Ben". Lemon wurde von Fey als "Sex and the City"-Gegenentwurf gestaltet. Das zeigt nicht zuletzt eine Szene, in der sie sich zwischen einem Mann und einem Sandwich entscheiden soll - der Mann ist chancenlos.

"30 Rock" ist ein Kritikerliebling, kann aber keine hervorragenden Einschaltquoten vorweisen. Trotzdem hat es Fey geschafft, neben Oprah Winfrey die bekannteste Fernsehfrau Amerikas zu werden. Dementsprechend irrlichternd klangen die Gerüchte über den Millionenvorschuss für ihr Buch, das jetzt auf Deutsch (bei Rowohlt) erschienen ist. Sollten die Gerüchte gestimmt haben, waren die Millionen gut angelegt: Das Buch wurde ein Bestseller.

Von Nippelnazis und Rentier-Barbies

"Bossypants" ist eine Art Autobiografie. Fey erzählt von ihrer Jugend, als sie mit ihren griechischen Genen aussah wie "eine Frida Kahlo in Leggings". Von der Zeit, als sie ihren ersten BH brauchte: "Zu dem Zeitpunkt ging es beim Tragen eines BHs weniger darum, die Brüste oben zu halten, als klarzustellen, dass sie kein Kropf waren." Es mangelt nicht an Familienanekdoten mit Identifikationspotenzial vom Defekten-Teppichreiniger-Desaster bis zum wiederkehrenden Weihnachtswahnsinn.

Das Identifikationspotenzial ist es wohl auch, das manche Rezensentin von einem feministischen Buch frohlocken lässt. Das ist "Bossypants" aber eigentlich nicht. Wenn Fey von den optischen Anforderungen an Frauen ("jamaikanischer Tanzlokal-Hintern, Bauchmuskulatur einer lesbischen Fitnessstudiobesitzerin, Hüften eines neunjährigen Jungen, Schaufensterpuppentitten") schreibt, hat das zwar etwas erfreulich Aggressives, aber kein penetrantes Sendungsbewusstsein. Wenn sie eine Polemik gegen "Nippelnazis" schreibt, die Müttern vorschreiben, dass man sein Baby stillen muss, damit es in eine anerkannte Universität kommt, dann ist das neben unaufgeregt vor allem authentisch.

Aber Tina Fey verrät auch, was für sie das Befriedigendste an den Sketches war, in denen sie 2008 die Ex-Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin (im Gespräch mit Hillary-Clinton-Doppelgängerin) gespielt hat und die via YouTube auch in Europa zum Hit wurden: "Diese Frauen haben ganz unterschiedliche Seiten der Sexismus-Münze kennengelernt. Leute, die Hillary nicht mochten, bezeichneten sie als Domina. Leute, die Sarah nicht mochten, bezeichneten sie als Rentier-Barbie. Alle haben sich einen Sketch über Sexismus angesehen und es wegen der vielen Witze nicht einmal bemerkt. Reingelegt!"

Wirklich wundern würde man sich aber auch nicht, hätte Tina Fey ihr Buch nur geschrieben, um eine Ausrede zu haben, das Kapitel zu schreiben, in dem sie an sie gerichtete Hassmails beantwortet. Ein Muster an sarkastischer Konfliktbewältigung mit Bonusbeleidigung, etwa wenn sie jenem Anonymus, der ihr Schönheitsoperationen vorwirft, die Replik gönnt: "Sie und ich kennen die Wahrheit: Ich bezahle eine Frau dafür, sich zweimal die Woche auf meine Wangen zu setzen. Madonna und Gwyneth gehen auch zu ihr und die Ergebnisse sind unglaublich." Da kann, da muss man sich doch ein Beispiel nehmen - ganz unabhängig vom Geschlecht.