Salzburg. Die Beziehung von Franz Welser-Möst, mittlerweile Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper, und Alexander Pereira, mittlerweile Intendant der Salzburger Festspiele, ist ebenso lang wie reich an Konflikten. "Mein Verhältnis zu Alexander Pereira ist ein Wechselbad der Gefühle", hatte Welser-Möst 2008 im Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" die Situation treffend selbst beschrieben. Aktueller Höhepunkt der musikalischen Dissenzen: Der Dirigent kündigte am Samstag gegenüber dem ORF an, den ab 2013 geplanten Zyklus mit Mozarts Da-Ponte-Opern niederzulegen - "und zwar weil ich aus dem gedruckten Programm erfahren habe, dass es Aufführungskonditionen gibt, die meiner Meinung nach so nicht machbar sind." Für eine weiterführende Stellungnahme waren am Sonntag weder Welser-Möst noch die Salzburger Festspiele erreichbar.

Der Hauptkritikpunkt des Dirigenten sind demnach die zu kurzen Abstände zwischen den Aufführungen. "Wenn man drei Vorstellungen von Cosi (fan tutte, Anm.) innerhalb von weniger als fünf Tagen ansetzt, ist das einfach musikalisch für die Sänger nicht machbar." Die Premiere des Werks ist am 21. August im Haus für Mozart angesetzt, wobei bis zum 31. August fünf Aufführungen angesetzt sind. Dass zwei davon bereits um 13.00 respektive um 14.00 Uhr angesetzt sind, war ein weiterer Stein des Anstoßes für Welser-Möst, da derart frühe Termine wegen der kurzen Vorbereitungszeit für die Sänger extrem anstrengend seien.

Zentraler Ausfall

Damit gibt es einen zentralen Ausfall bei einem Herzstück der Salzburger Festspiele zu verzeichnen, hätte doch Welser-Möst als Dirigent der Wiener Philharmoniker gemeinsam mit Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf als Regisseur ein erfahrenes Duo gebildet. So hatten die beiden den aus "Cosi fan tutte", "Le nozze di Figaro" und "Don Giovanni" bestehenden Zyklus bereits bis 2009 am Zürcher Opernhaus inszeniert.

"Die beiden sind in der Auseinandersetzung mit diesen Werken in Zürich extrem weit gekommen. Wenn sie von diesem außerordentlichen Niveau neuerlich durchstarten, können sie einen ganz besonders hohen Mozart-Berg erreichen", hatte Intendant Pereira noch im November beschieden und Wiederaufnahmen in den Folgejahren in Aussicht gestellt. Daraus wird in der vorgesehenen personellen Konstellation nun aber wohl nichts.

Welser-Möst hatte sich für den Zyklus ein kleines Mozart-Ensemble nach seinen Vorgaben ausbedungen. "Sonst hat das keinen Sinn. Und kriege ich diese Sänger nicht, dann mache ich es einfach nicht", hatte er es gegenüber den "Salzburger Nachrichten" bereits im Juli nicht an Deutlichkeit missen lassen: "In Salzburg engagiert er (Pereira, Anm.) mich zu meinen Bedingungen. Werden die nicht erfüllt, dirigiere ich nicht."

Damit replizierte der Dirigent auf die gemeinsame Zeit an der Zürcher Oper, wo Welser-Möst zwischen 1995 und 2008 leitende Funktionen unter dem damaligen Intendanten Pereira innehatte. Dieser hatte Welser-Möst nach dessen unrühmlich zu Ende gegangenem Engagement beim London Philharmonic Orchestra ans Haus geholt, worauf der Oberösterreicher in Zürich das Opernorchester in Grundlagenarbeit zum Ensemble formte. Damit stieg auch das Selbstbewusstsein des Dirigenten, was zunehmend zu Konflikten mit dem ebenso ausgestatteten Pereira führte. Schließlich kulminierte der Streit in der Diskussion um eine Inszenierung der "Fledermaus" am Haus.

"Ich will mit Alexander Pereira kein Führungsduo mehr bilden", hatte der kurz zuvor zum Generalmusikdirektor in Wien designierte Welser-Möst daraufhin 2007 gegenüber der "Aargauer Zeitung" erklärt: "Wie in jedem Betrieb gibt es Meinungsverschiedenheiten, die auch heftig ausgetragen wurden." Diesem Prinzip scheinen die beiden Musikmacher nun auch am Schauplatz Salzburg treu zu bleiben.