Wien. Hohe Ehre wurde kürzlich heimischen Mitgliedern des Clubs Rotary zuteil: Die Veranstaltung "Women In Rotary For International Peace" war die erste, in der die Organisation auf den Beitrag ihrer Frauen zum Weltfrieden zu sprechen kam. Zum dafür angesetzten, von der Leiterin des Jüdischen Museums Wien Danielle Spera moderierten Vortrags-Reigen im Haus der Industrie reiste Rotary-Weltpräsident Sakuji Tanaka persönlich an: In seiner kurzen Ansprache konstatierte er, dass in der Sache der Frauen schon viel erreicht worden sei und noch viel mehr erreicht werden müsse.

Rotary ist der älteste und nach dem Lions-Club der zweitgrößte der sogenannten Service-Clubs. Darunter versteht man eine organisierte Vereinigung von Menschen, die auf dem Grundsatz gemeinsamer Werte - die humanitären und philosophischen, nicht aber religiösen und politischen Inhalts sind - den Austausch untereinander pflegt und sich für das Wohl anderer einsetzt.

Netzwerken und helfen

Pragmatischer ausgedrückt: Es geht um Netzwerken und Hilfe für Bedürftige. "Man will natürlich Geschäftskontakte generieren", sagt ein Lions-Mitglied. "Es ist aber immer schön, das Blinzeln in den Augen von Menschen zu sehen, denen geholfen wurde."

Neben den Lions mit weltweit 1,3 Millionen Mitgliedern und Rotary (1,2 Millionen) ist noch Kiwanis mit etwas mehr als einer halben Million Mitgliedern ein Service-Club von nennenswerter Größe. Wie der Lions-Club und Rotary ist er in den USA beheimatet. Im Unterschied jedoch zu den diesen, die frühzeitig ihre globale Verbreitung forcierten, beschränkte Kiwanis seine Reichweite bis in die 60er Jahre auf den nordamerikanischen Kontinent. Solchermaßen hat es in den anderen Teilen der Welt deutlich weniger Mitglieder. Es gibt auch reine Frauen-Service-Clubs wie Soroptimist oder Zonta. Solche waren wegen der männerbündlerischen Strukturen der großen Clubs bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts die einzige Chance für Frauen, sich diese Organisationsform nutzbar zu machen.

Empfehlung unabdingbar

Sowohl die Lions wie auch Rotary öffneten sich erst 1989 den Frauen. Die Lions halten in Österreich bei etwa 11 Prozent Frauenanteil, Rotary gar nur bei 8,1 Prozent. 1997 wurde der erste Club mit weiblicher Beteiligung ins Leben gerufen. Unternehmensberater Burkhard Neumayer hatte als erfahrener Rotarier die Gründung begleitet: "Das war insofern spannend, als es damals eben nur reine Herren-Clubs gegeben hat. Schon nach kurzer Zeit konnte ich feststellen, wie gut diese für Österreich noch neue Form von Rotary Clubs funktionierte. Heute ist das alles Geschichte, es gibt seither nur noch gemischte neue Clubs und eigentlich spricht oder denkt man darüber gar nicht mehr nach."

Immerhin leitete mit der Wiener Kunstsachverständigen Barbara Kamler-Wild eine Frau von 2010 bis 2011 (länger als ein Jahr dauert eine Amtsperiode nicht) den weltweit clubstärksten rotarischen Distrikt 1910. Distrikts sind jene Einheiten, in denen die Clubs einer Region verwaltet werden. Der Distrikt 1910 umfasste bis zum Juli 2011 nicht nur den Osten Österreichs, sondern auch Slowenien, Kroatien und Bosnien und beherbergte solchermaßen 180 Clubs. Mittlerweile bilden Kroatien und Slowenien eigene Distrikte, während Bosnien noch bei 1910 dabei ist.

Bei praktisch allen bedeutenden Service-Clubs kommt man nur auf Empfehlung eines Mitglieds und darauf folgender Abstimmung hinein. Die Clubs achten auf eine breite berufliche Streuung ihrer Mitglieder; üblicherweise ist die Anzahl der Mitglieder pro Profession kontingentiert. Bei Rotary wünscht man dezidiert Führungskräfte und pro Beruf nicht mehr als fünf Vertreter in einem Club.

"Netzwerken überbewertet"

Rotary hat von allen Service Clubs den elitärsten Appeal. Was außer dem Bewusstsein, einem besonders distinguierten Zirkel anzugehören, kann einen erfolgreichen Berufstätigen reizen, dabei zu sein? Burkhard Neumayer nennt benefitäres Handeln als wichtige Triebfeder. "Die Kinderlähmung ist zu 99 Prozent deshalb fast ausgerottet, weil Rotary geholfen hat."

Der Netzwerkgedanke werde indes überbewertet, sagen gleich mehrere hochrangige Rotarier. "In den 19 Jahren, die ich dabei bin, habe ich noch kein einziges Geschäft mit einem anderen Rotarier abgeschlossen, obwohl sich mein Job geradezu dafür anbieten würde", erklärt Neumayer.

"Die Netzwerkmöglichkeiten sind für mich nachrangig", sagt auch Ex-Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat. "Ich bin ohnedies bestens vernetzt." Rauch-Kallat ist seit dem Ende ihrer Ministerkarriere Mitglied des Rotary-Clubs Wien-Stephansplatz, was nota bene den Vorteil hat, dass man sich im gediegenen Ambiente des Demel trifft. "Vorher wäre es wegen zeitlicher Unvereinbarkeit sinnlos gewesen." Denn von Rotary-Mitgliedern wird - wie von Mitgliedern anderer Service-Clubs auch - verbindlich erwartet, wenigstens zwei Mal im Monat bei den wöchentlichen Treffen dabei zu sein.

"Gute Freundschaften"

Just der persönliche Kontakt ist es, den Maria Rauch-Kallat an Rotary schätzt. Das gilt auch für die frühere Governorin Barbara Kamler-Wild. "Es sind erstens gute Freundschaften entstanden. Zweites ist es ein abwechslungsreiches Clubleben mit hochinteressanten Vorträgen und thematischer Vielfalt. Dazu kommt noch die Bandbreite an Berufen. Als Kunstsachverständige komme ich normalerweise nicht oft mit Bankern zusammen."