Wien. (irr) Wenn Georg Springer eine Jahresbilanz vorlegt, ist zweierlei zu erwarten. Erstens ein dichtes Zahlengestrüpp. Aber auch eine blumige Handreichung. Jährlich ersinnt der Chef der Bundestheater-Holding eine neue Metapher, um die Vorbildlichkeit, aber auch Subventionsbedürftigkeit des Bühnenverbandes herauszustellen. Diesmal begab er sich dafür in den Straßenverkehr: Seit 1999, als die Bundestheater ausgegliedert wurden, sei eine lange Strecke zurückgelegt worden. "Der Tank ist leer, wir fahren auf Reserve, und noch ist keine Tankstelle in Sicht."

Zwar sei der "Reservetank" aufgefüllt worden: Zweimal, 2008 und ’09, gab es Erhöhungen der Basisabgeltung, also der Subvention des Bundes. Und weil dieser zuletzt eine einmalige Zuwendung von 4,5 Millionen Euro zusagte, wird die schwarze Null, die nun unter der Jahresbilanz 2011/12 steht, wohl noch einmal wiederkehren. Springers Wunsch aber ist es, dass die Bühnen nicht "ex post und tröpferlweise" bedient werden, sondern "dass der Tank einmal aufgefüllt wird, damit wir unseren sparsamen Weg fortsetzen können". Konkret wünscht er Burgtheater, Staats- und Volksoper zehn Millionen Euro mehr als die aktuellen 144,436 Millionen. Außerdem will er ein "begleitendes Bezugserhöhungssystem", bei dem der Bund Gehaltsabschlüsse bis zur Höhe des jeweiligen Bezugsabschlusses für Bundesbedienstete übernimmt.

Hohe Auslastung und zugkräftige Optimierung

Die Emsigkeit der drei Bühnen ist unbestreitbar: In der Saison 2011/12 hat sich die Anzahl der Vorstellungen allerorts erhöht, ebenso jene des Publikums. Die Burg steigerte ihre Auslastung auf 88,46 Prozent, die Staatsoper rangierte bei 98,14 Prozent, die Volksoper sank dagegen auf 80,48. Das Haus am Währinger Gürtel kann in der aktuellen Saison (Stichtag 12. März) aber vorerst eine Steigerung auf 83,39 Prozent vorweisen, während die Staatsoper nun gar 99,19 Prozent erreicht.

Erfreuliche Ergebnisse bringt auch jener Maßnahmenkatalog, den die Bundestheater nach einer Evaluierung abzuarbeiten begannen: Das Konvolut führte bisher zu einem unerwartet hohen Optimierungseffekt von 9,3 Millionen Euro. Ob dieser nachhaltig sei, also sich jedes Jahr einstellen werde, bezweifelt Springer zwar leise. Er glaubt aber, dass sich à la longue das anvisierte Gesamtziel von 12,4 Millionen Euro erreichen lässt.

Mögen die Sponsor-Einnahmen zuletzt auch gesunken sein, ist Springer guten Mutes, Mäzene zu gewinnen. Derzeit laufen mit einer Stiftung Gespräche über eine Studiobühne für die Staatsoper. Außerdem informierte Springer, dass die viel geprüften Bühnen seit Herbst nun auch vom Rechnungshof unter die Lupe genommen wurden; der Rohbericht dürfte vor dem Sommer vorliegen. Eine weitere Durchleuchtung soll der Provenienz von Instrumenten im Bundestheater-Besitz gelten.