St. Pölten/Wien.Dunkle Wolken türmen sich auf dem Festivalhimmel zwar nicht. Ganz sorgenfrei sind die Sommertheatermacher von Niederösterreich aber auch nicht. "Es ist nicht mehr so easy wie vor zehn Jahren", schätzt Werner Auer die Lage ein, und die kennt er nicht nur als Intendant der Felsenbühne Staatz: Seit 2009 ist er auch Vereinsobmann des Theaterfests Niederösterreich. Was über die Jahre anders geworden sei? Einerseits der Konkurrenzkampf. Auer: "Früher ging man einfach zu einem Stück, weil es vor der Haustür gespielt wurde." Wobei die Menschen freilich schon damals ihr Auto hatten. "Aber der Kulturtourismus war noch nicht so ausgeprägt." Ein Tourismus, der - Stichwort Umwegrentabilität - für die Festspielszene insgesamt natürlich ein monetärer Segen sei.

Positiv sieht Auer auch die Zusammenarbeit mit dem Bundesland. Zwar müssen die Subventionen neu ausverhandelt werden, weil heuer die Förderverträge vieler Festivals auslaufen. Die Landesregierung, sagt Auer, habe aber schon signalisiert, dass sich an den Beträgen nicht viel ändern würde. Rund 2,3 Millionen Euro erhalten die Festivals des Theaterfests derzeit vom Land, wobei die Förderquote bei keinem die 50-Prozent-Marke übersteigt.

"Die meisten Verträge laufen heuer aus", sagt auch Hermann Dikowitsch. Dass für die Zukunft bereits alles in trockenen Tüchern sei, kann der Leiter der Landes-Kulturabteilung freilich nicht bestätigen. Man werde Einzelgespräche mit den Veranstaltern führen - und bei der Entscheidung Qualität und Auslastungszahlen berücksichtigen. Aber könnte es insgesamt nicht doch zu einer Reduktion kommen? Immerhin ist im niederösterreichischen Budgetvoranschlag für 2014 ein Schuldenabbau von 150 Millionen Euro geplant; jedes Ressort, so heißt es, müsse Abstriche machen. Dikowitsch: "Man kann vom einen nicht aufs andere schließen." Und außerdem: Angesichts eines Kulturbudgets von 116 Millionen Euro ließen sich, im Falle des Falles, wohl auch andere Sparmöglichkeiten erwägen. Wobei Dikowitsch nichts präjudizieren will.

Wackelkandidat Gemeinde

Mehr Kopfzerbrechen bereitet den Festspielmachern aber ohnedies ein anderer Typ Geldgeber - nämlich die Gemeinde. Zwar sei kein Trend zur kommunalen Zahlungsmüdigkeit zu konstatieren. Manch eine Gemeinde hätte in der Vergangenheit aber schon einen bedrohlichen Sparwillen gezeigt. Werner Auer nennt als Beispiel Amstetten: Die dortige Musicalbühne blieb im Sommer 2011 verwaist. Tatsächlich dürfte die Schuld in diesem Fall jedoch verteilt gewesen sein: Das Festival hatte in den zwei Jahren davor nämlich Flops produziert.

Doch könnten die Bürgermeister nicht auch aus anderen Gründen den Rotstift zücken? In Stockerau ist es passiert: Wegen ihrer Schulden (derzeit rund 35 Millionen Euro) entschied die Stadt, vom Musical auf das kostengünstigere Sprechtheater umzusatteln. Michael Garschall wiederum, als Leiter der "Operklosterneuburg" ebenfalls im aufwendigen Musiktheater tätig, betont, von seiner Gemeinde nach Kräften unterstützt zu werden. Doch auch er stachelt die Phobie vor der leeren Dorfkasse an: "Wer weiß, welche Kosten die Gemeinden noch übernehmen müssen." Ist die böse Phrase von der Finanzmisere der Gemeinden am Ende weiterhin angebracht?

Der Österreichische Gemeindebund sagt jedenfalls nein. Gewiss, die Lage sei auch heute "nicht rasend rosig", es gebe Härtefälle - in Niederösterreich zum Beispiel Wiener Neustadt. Tatsächlich aber hätten die Kommunen lediglich in den Jahren 2009 und 2010 nicht die Maastrichtkriterien erfüllt.

"Erst die Kultur kürzen"

Was Pressesprecher Daniel Kosak aber bestätigt: Die Transferleistungen der Gemeinden an die Länder steigen - bedeutet also, dass die Kommunen für Leistungen vor Ort stärker selbst zur Kasse gebeten werden. Ob dies letztlich zu einer - wie es euphemistisch gern heißt - "Redimensionierung des Kulturangebots" führen könnte? "Auf die Frage, wo am ehesten gespart werden soll, antwortet die Bevölkerung in Umfragen: bei der Kultur." Aber: Dass dies tatsächlich passieren wird, bezweifelt Kosak erheblich. "Kultur ist ja auch ein guter Gästebringer."