Bregenz. Festspiele wollen feierlich eröffnet sein mit Reden hochgestellter oder zumindest honoriger Personen und Persönlichkeiten, damit der Glanz wechselseitig wirke - also jener der Festspiele auf die Personen und Persönlichkeiten falle und umgekehrt. Die Bregenzer Festspiele waren in ihrer langen Tradition keine Ausnahme und sind es auch in ihrer 68. Ausgabe nicht, die unter dem pathetischen Motto "Dem Licht entgegen" steht. Und so wurde, was künstlerisch am gestrigen Abend mit Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte" auf dem See begann und heute mit der Uraufführung von André Tchaikowskys "Kaufmann von Venedig" im Festspielhaus fortgesetzt wird, erst einmal am Mittwoch Vormittag von Bundespräsident Heinz Fischer eröffnet.

Der Bundespräsident erinnerte an die Schwierigkeiten, die selbst Demokratien mit der Wahrung der Menschenrechte haben: Immer häufiger würden sich Staaten, getrieben durch den Terrorismus, auf den Standpunkt stellen, dass der Zweck die Mittel heilige: "Das Problem ist uralt, aber immer noch ungelöst", gestand der Bundespräsident, der gleichwohl einen demokratischen Grundsatz einforderte: "Der Rechtsstaat darf nicht zur Disposition gestellt werden - weder diesseits noch jenseits des Atlantiks." Vor uns stehe die Aufgabe, das moderne Faustrecht, den Terrorismus, im nationalen und internationalen Bereich zu überwinden. Aufklärung, Demokratie und Menschenrechte seien dabei unverzichtbar.

Kulturministerin Claudia Schmied beschwor in ihrer Rede die staaten- und völkerverbindenden Elemente, die oft bei Festspieleröffnungen herbeizitiert werden, und stellte fest, dass die vom Christentum gepredigte Liebe die Kunst und Kultur des Abendlandes geprägt habe. Die christliche Liebe in Form der nicht-sexuell konnotierten Agape deutete Schmied dabei in die erotische um, indem sie in Bezug auf Mozart meinte, es sei kein Wunder, "dass der wohl genialste und verspielteste Komponist auch der liebestollste in seinen Werken ist" und kam zum Schluss: "Am Ende ist man Mensch durch die Liebe."

Ästhetik und Ökonomie

Festspielpräsident Hans-Peter Metzler erklärte die Festspiele als durchdrungen von einem "Geist der Ästhetik und von einem nicht minder starken ökonomischen Geist". Man wolle nach wie vor eine "Welle der Begeisterung" für das Festival und die Region auslösen. "Diese Begeisterung gilt auch für die immens wichtige Interaktion auf einer Plattform vor der Bühne, die durchaus berechtigt im Rampenlicht stehen darf: Begegnung und Repräsentation, Gastfreundschaft und Kommunikation müssen gemeinsam wirken dürfen", sagte Metzler.

Die von Intendant David Pountney gestaltete Eröffnungsfeier im Bregenzer Festspielhaus gab einen Vorgeschmack auf die diesjährigen Produktionen. Nach der Pflicht mit Bundes- und Landeshymne begann die Kür der Eröffnungsfeier mit der Ouvertüre aus der "Zauberflöte", ebenfalls zu hören waren Auszüge aus Tchaikowskys "Der Kaufmann von Venedig" und ein Videobeitrag mit Musik aus den diesjährigen "Kunst aus der Zeit"-Stücken, Ben Frosts "The Wasp Factory" und Olga Neuwirths "American Lulu". Variationen zu Mozart-Themen steuerten die Komponisten Isidora Zebeljan, Michail Glinka/Detlev Glanert sowie Judith Weir bei, die alle während der Intendanz von David Pountney mit Auftragswerken bei den Festspielen aufgeführt worden waren.