Wien. (irr) Im Konzerthaus ist ein Konflikt über die nächste Präsidentschaft entbrannt. Claus Raidl sei für den Posten vorgesehen gewesen, schreibt das Magazin "News": Der Notenbank-Präsident, so heißt es, sollte die verstorbene Anwältin Theresa Jordis beerben. Im Direktorium habe er aber nur eine hauchdünne Mehrheit gefunden: 13 der 25 Mitglieder hätten seine Kandidatur befürwortet.

Dezidiert gegen ihn soll sich Georg Kapsch ausgesprochen haben. Ebenso wie Raidl gehört er zum Direktorium des Konzerthauses und bekleidet als Präsident der Industriellenvereinigung ein Spitzenamt im österreichischen Funktionärswesen; sein Unternehmen, die Kapsch Group, firmiert zudem seit 21 Jahren als Hauptsponsor. Georg Kapsch also, so heißt es in "News", hielt Raidl für unqualifiziert. Letzterer habe daraufhin seine Kandidatur zurückgezogen - und ein Teil des Direktoriums seinen Abschied angekündigt. Damit nicht genug, soll Kapsch verlautet haben, seinen Sponsorvertrag nicht mehr zu verlängern. Es ist kein Geheimnis, dass das Konzerthaus solche Geldspritzen bitter nötig hat. Intendant Matthias Naske wird seit Dienstantritt im Juli nicht müde, den Ernst der Lage zu betonen: Das Haus, das unter Schulden ächzt, sei eigentlich "bankrott".

"Völlig intransparent"

Georg Kapsch meldete sich am Montag korrigierend zu Wort: Er bestritt, den Geldhahn definitiv zuzudrehen. Sein Sponsoring sei "unabhängig von der Wahl des Präsidenten"; er habe Raidl nie als unqualifiziert bezeichnet. Zugleich machte Kapsch aber einen Vorbehalt geltend: Sein Sponsoring stehe außer Frage, solange "Transparenz und Einigkeit herrschen". Genau dies sieht er aber offenbar bedroht: Er habe sich nun erstmals eingemischt, weil das Verfahren zur Findung eines neuen Präsidenten "völlig intransparent ist und ein Zwist im Direktorium herrscht". Kapsch wünscht sich einen Präsidenten, der die allgemeine Akzeptanz der Direktion genießt. Glaubt man Gerüchten, ist die Personalie Raidl dennoch keineswegs vom Tisch.