Wien. Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun", formulierte Molière. Der französische Klassiker wird aktuell auf der Bühne des Akademietheaters mit großem Erfolg gespielt – wie weit man hinter den Kulissen, in der Realität des Jahres 2014, von dessen hehren Ansprüchen jedoch entfernt ist, zeigt sich dieser Tage am unrühmlichen Umgang mit dem kürzlich bekannt gewordenen Finanzchaos am Burgtheater. Seit Anfang des Jahres bekannt wurde, dass Vize-Direktorin Silvia Stantejsky wegen buchhalterischer Ungereimtheiten entlassen wurde, kommt das Haus am Ring nicht mehr zur Ruhe. Publik wurde, dass Stantejsky, von vielen am Haus als so chaotische wie hilfsbereite "gute Seele" beschrieben, Schauspielerhonorare in bar und in Briefumschlägen übergeben habe – wozu sie angeblich auch von ihrem Privatkonto Geld abgehoben und wieder zurückgebucht habe. Man geht derzeit davon aus, dass Buchungen im Wert von 1,1 Millionen Euro nicht eindeutig zuordenbar sind.

Was ist geschehen?

Anfang dieser Woche wurde nun bekannt, dass dem Burgtheater für das Geschäftsjahr 2012/13 ein Bilanzverlust von "voraussichtlich" 8,3 Millionen Euro drohe; dazu könnten Steuernachzahlungen im Volumen von fünf Millionen Euro kommen; möglicherweise, so die Holding in einer Aussendung, sei dies eine Folge von "formalen Versäumnissen". Ein Endbericht der Wirtschaftsprüfer KPMG soll Ende Februar vorliegen, untersucht werden auch die vergangenen drei Geschäftsjahre – also die Saisonen 2010/11 bis 2012/13 –, die Stantejsky als kaufmännische Direktorin verantwortet hatte.

Den Verlust aus 2011/12 von 3,7 Millionen Euro konnte die Burg noch durch Auflösung der letzten Reserven auffangen. Wie der gegenwärtige Schuldenberg abgetragen werden kann, ist allerdings offen. Noch 2011 wurde dem Haus in einer von der damaligen Kulturministerin Claudia Schmied in Auftrag gegebenen Studie Optimierungspotenzial im Umfang von rund 12,4 Millionen Euro vorgerechnet. Die Empfehlungen sind im Detail nicht bekannt. Weiters verfügen die Bundestheater über stille Reserven in Form von Immobilien – etwa den Hanuschhof in der Wiener Innenstadt.

Die Frage lautet: Wie hat es überhaupt so weit kommen können? Warum hat kein Verantwortlicher Alarm geschlagen? Wie glaubhaft ist es, dass niemand von der drohenden Finanzmisere gewusst haben will?