Wien. Bei seinem ersten Auftritt in der prestigeträchtigen neuen Rolle hat es ihn fasziniert: Jedes Mal, wenn Matthias Hartmann, der designierte Direktor des Burgtheaters, im Juni 2006 mit seinen Händen vor den Wiener Journalisten wackelte, klackerten die Kameras.

Heute stieren erneut Argusaugen auf ihn. Doch sie tun es mit einer anderen, denkbar unfreundlichen Miene. Seit Beginn der Schuldenaffäre an Österreichs wichtigstem Theater im Jänner war Hartmann mehr und mehr unter Druck geraten, er war Rücktrittsforderungen der Opposition ausgesetzt, sogar einem Misstrauensvotum seiner Schauspieler. Nachdem am Wochenende neue Vorwürfe gegen ihn aufgetaucht sind, zog der 50-Jährige die Konsequenzen: Er schlug am Montag vor, "meine Funktion als Geschäftsführer des Burgtheaters bis zur Klärung aller Sachverhalte ruhen zu lassen".

"Kinder angepöbelt"

Freilich: Dieses Ansinnen ist kein Schuldeingeständnis. Hartmanns Vorschlag, über den vorab weder Kulturminister Josef Ostermayer noch Bundestheaterholdingchef Georg Springer informiert gewesen sein dürften, soll "den Weg für die Versachlichung der Diskussion ermöglichen". Dabei verhehlt Hartmann nicht, wie weh ihm die jüngsten Anwürfe taten: Er sei "tief betroffen" von den "öffentlichen Anfeindungen und Kampagnen"; seine Kinder würden bereits "angepöbelt". Die aktuelle Diskussion über das Burgtheater, meint Hartmann, finde "in einem aufgeheizten Klima, belastet von Halbwahrheiten, sogar Lügen und Intrigen sowie gefälschten Belegen" statt. Bitteres Fazit für den Mann aus Osnabrück: "Obwohl es mir gelungen ist, die besten Besucherzahlen und die höchsten Einnahmen in der Geschichte des Hauses zu erreichen, werde ich für Buchhaltungsvorgänge aus der Ära meiner ehemaligen Co-Geschäftsführerin verantwortlich gemacht."

Keine Regie-Schnäppchen

Tatsache ist jedenfalls, dass die Burg-Debatte seit dem Wochenende eine neue Stoßrichtung hat. Hatte sich die Kritik bisher vor allem auf die entlassene Silvia Stantejski konzentriert, deren "kreative" Buchführung im Alleingang für einen Bilanzverlust von 8,3 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2012/13 verantwortlich gewesen sein soll, geriet der Direktor nun mehr und mehr selbst ins Visier.

Wobei es nicht nur um die Frage der Mitverantwortung geht. Hartmann selbst soll das Haus einiges gekostet haben. Dass er Regieleistungen extra honoriert bekam, war zwar schon länger bekannt; das Magazin "profil" behauptet nun aber, dass vor allem Hartmanns Inszenierungen hohe Personalkosten bargen. So hätte etwa das Leading Team von "Faust 1" 400.000 Euro kassiert - und damit deutlich mehr als die Kreativ-Teams anderer Regisseure.