Wien. Am Tag nach der fristlosen Entlassung des Burgtheaterdirektors Matthias Hartmann wird die Entscheidung von Kulturminister Josef Ostermayer (SP) von den Kommentatoren der heimischen Medien weitgehend gelobt sowie ein kritischer Blick auf die Ära Hartmann geworfen und die Rolle von Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer hinterfragt. Im Folgenden ein Überblick:

"profil"-online (Stefan Grissemann): "Dieses erstaunlich harte Durchgreifen eines für Kulturangelegenheiten zuständigen Politikers mag auch ein erstes Indiz dafür sein, dass der neue Mann im Amt dieses deutlich ernster nimmt und verantwortungsbewusster führen will, als es ihm viele zugetraut hatten. Klare, vernunftbasierte kulturpolitische Entscheidungen ist man in Österreich längst nicht mehr gewohnt. Die zögerlich-zaudernde Personalpolitik von Ostermayers Vorgängerin Claudia Schmied hat man noch besser in Erinnerung, als es einem lieb wäre - von dem egozentrisch-schlichten Revanchismus eines Franz Morak ganz zu schweigen, der Matthias Hartmann übrigens einst bestellt hatte."

"Wiener Zeitung" (Christina Böck): "Es klingt zunächst nach einem lang erhofften klaren Schnitt in diesem Burgtheaterskandal. Doch von Klarheiten ist weiter keine Spur. Was Hartmann nun im Detail angelastet wird, darüber informierte der Minister - wohl aus arbeitsprozesstaktischen Gründen - nicht. Dabei ist es gerade dieses häppchenhafte Öffentlichwerden von Unglaublichkeiten, das in dieser Causa empört. Und so klar ist der Schnitt näher betrachtet auch nicht, wenn Bundestheater-Chef Georg Springer mit einem blauen Auge davonkommt. (...) Das Haus ist beschädigt, auch wenn das unwürdige Spektakel fürs Erste beendet ist. Als neuer Direktor oder besser noch neue Direktorin sei der Burg jedenfalls jemand empfohlen, der etwas weniger Ego und etwas mehr Führungsqualitäten hat."

"Die Presse" (Norbert Mayer): "Das Schlimmste aber war am Ende die Larmoyanz des Chefs. Für solche Herrscher, die dann auch nicht konsequent sind, hat Machiavelli gar nichts übrig. Hartmann ist an der Hybris gescheitert. In der Politik wird sie mindestens so gnadenlos geahndet wie in der Tragödie. Sie hat auch traurige Züge, denn seinem Intermezzo seit 2009 kann man durchaus auch Positives abgewinnen. Wer es in Bausch und Bogen verwerfen würde, wäre ungerecht. Die Auslastung spricht konkret gegen solch ein Fehlurteil, und wohl auch die Qualität. (...) Dieser Direktor wollte bestes Schauspiel geben, zuweilen ist ihm das sogar gelungen, aber er hat dabei sich und die Mittel, die ihm zur Verfügung standen, grob überschätzt. Ein Vergleich mit München, Zürich oder Berlin macht sicher."