Wien. Nach der spektakulären Entlassung von Direktor Matthias Hartmann ist das Burgtheater bemüht, zum Normalzustand zurückzukehren. Thomas Königstorfer, kaufmännischer und derzeit einziger Geschäftsführer des Hauses, versichert, dass die dramatischen Ereignisse keinen Einfluss auf den Spielplan hätten, auch die nächste Saison sei weitgehend geplant. Laut Christian Strasser, dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der Burg, soll der nächste Intendant in der Saison 2015/16 beginnen; man suche eine "Spitzenkraft". Bereits bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 19. März, so das ambitionierte Ziel, will man einen interimistischen Chef vorstellen.

Eine andere Aufgabe dürfte sich auch nicht ganz einfach gestalten - nämlich jenen Schuldenberg abzubauen, der sich unter der entlassenen kaufmännischen Geschäftsführerin Silvia Stantejsky aufgetürmt hat. Wie berichtet, erlitt die Burg im Geschäftsjahr 2012/13 einen voraussichtlichen Bilanzverlust von 8,3 Millionen Euro, zudem droht eine Steuernachzahlung von 5 Millionen. Georg Springer, Chef der Bundestheater-Holding, erklärte zuletzt, das Haus müsse diesen Brocken aus "eigener Kraft" stemmen.

Aus für das Kasino?

Während Kulturminister Josef Ostermayer die Frage nach dem Wie bisher vage beantwortete, skizzierte Springer - der sich derzeit nicht zu Wort melden will - einige Maßnahmen: Das Theater, das bereits im Vormonat eine Kartenpreiserhöhung avisiert hat, sei "auf dem Weg, seinen Produktionsaufwand einzuschränken", sagte Springer im "profil". Und: Die Zahl der Neuproduktionen werde vielleicht reduziert. Kernpunkt von Springers Überlegungen ist aber eine pfiffige Transaktion: Das Burgtheater könnte seine Probebühne an die konzerneigene "Art for Art" verkaufen. Ergebnis: Das Objekt bliebe im Besitz der Holding, das Theater besäße - zumindest auf dem Papier - mehr Geld. Gespräche über diese Maßnahme laufen, bestätigte Springers Büro am Mittwoch. Wie viel Euro die Aktion bringt, könne man noch nicht sagen.

Ein Kenner der Materie ist jedenfalls zuversichtlich, dass es zum Verkauf kommt. Zudem nimmt er an, dass die Tage des Kasinos als Spielort gezählt sind: Das Burgtheater könnte seine Mietrechte veräußern. Wie dramatisch die Situation wirklich ist? Für ein normales Unternehmen wäre sie fatal, so der Experte. Die Burg aber erhalte weiterhin ihre Subventionen von 46,4 Millionen Euro pro Jahr. Und mit dieser Summe könne es auskommen - "also wenn man mit den Premieren runterfährt und das Personal kürzt. Der laufende Betrieb ist nicht das Problem, sondern die Aufarbeitung der Altlasten."

Wie bedrohlich diese sind, unterstrich auch Martin Wagner, Senior Partner der Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG, die die fatale Prognose für die Bilanz 2012/13 zutage gefördert hat. Wie Wagner der "Presse" sagte, hänge nicht weniger als das Leben des Theaters davon ab, ob die Eigentümer neues Geld aufstellen können. Die Geschäftsführung müsse eine Fortbestandsprognose liefern, andernfalls könne die KPMG keinen Bestätigungsvermerk erteilen. Die abgeschlossene Burg-Bilanz dürfte Ende April vorliegen.

Dass Springer bis dahin noch nett mit Wagner plauscht, ist eher auszuschließen. Im erwähnten Interview hatte Wagner nämlich auch erklärt, dass die KPMG den Burg-Aufsichtsrat bereits Anfang 2013, bei der Arbeit an der Bilanz für 2011/12, auf Verfehlungen aufmerksam gemacht hätte. Nicht nur Springer bestreitet dies: Eine solche Behauptung, sagt Strasser, sei weder in schriftlichen Stellungnahmen noch in Aufsichtsratsprotokollen dokumentiert.

Dieser Sicht schenkte letztlich auch Kulturminister Ostermayer Glauben: Während er Hartmann für mitverantwortlich hielt und am Dienstag des Amtes enthob, legte Springer nur seine Funktion in den Aufsichtsräten der Holding-Töchter nieder - Konzernchef bleibt er, jedenfalls bis zum Auslaufen seines Vertrages am Jahresende. Unwidersprochen blieb dies nicht: Beate Meinl-Reisinger von den Neos forderte am Mittwoch erneut Konsequenzen für Springer. Heute, Donnerstag, leitet sie erstmals den Kulturausschuss im Parlament und hat dazu auch Springer und Wagner geladen. Wie sie feststellen musste, kann der unbequeme KPMG-Mann aber nicht kommen: Er ist nicht von seiner Verschwiegenheitspflicht entbunden worden.