Wien. Das Säbelrasseln der Advokaten bleibt weiterhin das Begleitgeräusch zur Causa Burgtheater: Hartmanns Anwalt Georg Schima ließ Montag Nachmittag mit der Meldung aufhorchen, dass das Burgtheater dem Ex-Direktor Geld schulde - "zumindest 90.000 Euro". Matthias Hartmann, der als "Vertreter der Generation Gier" (© Wolfgang Kralicek) bezeichnet wurde, hat demnach seine überhöhte Gage gar nicht kassiert?

Was ist da los? Am Wochenende erhob Bernhard Hainz, Anwalt der Bundestheater-Holding, gegen Hartmann den schwerwiegenden Verdacht, dass er womöglich Steuern hinterzogen habe. Hartmann hat laut "profil" vor Amtsantritt Anspruch auf 363.000 Euro (statt der bisher bekannten 233.000 Euro). Damals war er nicht mehr in Zürich gemeldet, aber hatte auch in Österreich noch kein Konto. Das Geld hat daraufhin Stantejsky für ihn verwahrt. Hainz: "Wenn dem so ist, erfüllt sich bei diesen Dimensionen der Tatbestand der Geldwäscherei."

Diesen Vorwurf wiesen Hartmanns Anwälte entschieden zurück und legen eine ganz andere Rechnung vor. Die Gage von 273.000 Euro (oder möglicherweise sogar 350.000 Euro) für die Vorbereitungszeit von 2006 bis 2009 wurde nur häppchenweise ausgezahlt. Bei seiner Übersiedlung nach Wien hat er lediglich 110.000 Euro bekommen. Im Jänner 2014 erhielt er auf sein Drängen hin von Stantejsky weitere 70.000 Euro. Diese Auszahlung erscheint fragwürdig, da Stantejsky im November 2013 entlassen wurde und eigentlich nicht mehr über das Geld verfügen konnte.

Es scheint nunmehr gewiss, dass Hartmann die 110.000 nicht versteuert hat. Er sei davon ausgegangen, dass die Steuerschuld erst mit der vollständigen Auszahlung des Honorars - was bis dato nicht geschehen ist - anfalle. Hartmann bedauert seine "Fehleinschätzung" und hat mittlerweile Selbstanzeige bei den Schweizer und österreichischen Steuerbehörden erstattet.

Wer übernimmt die Burg?

Unterdessen lässt sich die Stimmung am Burgtheater am besten mit rasendem Stillstand umschreiben. Alles wartet auf Mittwoch. Am Vormittag des 19. März wird Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) die interimistische Leitung für das Haus am Ring bekanntgeben.

In den Medien wurde zuletzt vor allem Hermann Beil als aussichtsreicher Troubleshooter kolportiert. Der Wiener war in der Ära Peymann als Chefdramaturg am Haus tätig. Zudem ist der erfahrene Theatermacher für seine konziliante Art bekannt. Gerüchteweise habe der 72-Jährige bei heftigen Auseinandersetzungen die Kontrahenten mit selbst gebackenen Torten wieder versöhnt. Beil war zu keiner Stellungnahme bereit. Auch die Frage, ob Beils Vertrag mit dem Berliner Ensemble gelöst werden könnte - Beil ist Mitglied des Direktoriums und als Dramaturg tätig -, blieb seitens des BE unbeantwortet. Sicher ist derzeit nur, dass Ostermayer mit mehreren potenziellen Kandidaten gesprochen hat. Gute Aussichten hat nach wie vor die ehemalige Vize-Direktorin Karin Bergmann, die sich auf Anfrage am Montag dazu nicht äußern wollte.

Wer auch immer den Posten annimmt, er oder sie wird’s nicht leicht haben. Ein Schuldenberg von über acht Millionen Euro wartet darauf, abgebaut zu werden. Weiters ist rasch zu entscheiden, ob Matthias Hartmann die Uraufführung seines Stückes "Der falsche Film" am 6. April wie geplant inszenieren kann. Bis Ende der Woche soll dies geklärt sein, heißt es aus dem Burgtheater. Laut Hartmanns Anwalt Georg Schima sei die künstlerische Zusammenarbeit mit der Entlassung aufgelöst. Daher wird auch ein Gespräch mit Sven-Eric Bechtolf, Schauspiel-Intendant der Salzburger Festspiele, bald auf dem Terminkalender der neuen Burg-Leitung stehen. Derzeit geht Bechtolf davon aus, "dass die Koproduktion ,Die letzten Tage der Menschheit‘ mit dem Burgtheater unbeschadet der personellen Vorgänge stattfinden wird." Ob der Regisseur wie ursprünglich vorgesehen Matthias Hartmann sein wird oder nicht, darüber werde sich Bechtolf "mit der interimistischen Leitung verständigen". Die Vorarbeiten sind, laut "Presse", erst im Anfangsstadium.

Parallel zu den Turbulenzen rund um das Finanzchaos an der Burg wurde das Programm für die kommende Saison erarbeitet. Der Spielplan steht im Großen und Ganzen fest, die neue Führung kann sich vermutlich nur geringfügig einbringen. Präsentiert wird der Spielplan Ende Mai.