Wien/Klosterneuburg. Sollte sich Karlheinz Essl eine "gmahte Wiesn" erwartet haben, was den Verkauf seiner Sammlung an die Republik angeht, dann dürfte er sich doch recht getäuscht haben. Die Meldungen jener, die sich gegen einen Ankauf durch den Bund aussprechen, rissen auch am Tag vier nach Essls Angebot nicht ab.

Aber wer könnte die Sammlung denn sonst erwerben, wenn nicht der Bund? Herbert Liaunig ist neben Essl einer der größten Privatsammler Österreichs und hat wie der bauMax-Gründer ein eigenes Museum gebaut (in Neuhaus, Kärnten). Er sagt: "Ich könnte mir das nicht leisten, ich kenne überhaupt niemanden, der sich das leisten kann außer dem Steuerzahler." Was aber keineswegs bedeutet, dass er für einen Ankauf der Sammlung Essl durch den Bund plädiert: "Ich sehe das als eine Art Parallelaktion zur Hypo Alpe Adria. Da haben Banken offenbar übermäßig Kredite gegeben und wenn es jetzt eng wird, zieht man den Steuerzahler als Entlastung heran. Ich habe auch Zweifel, dass das auch nur einen einzigen Arbeitsplatz rettet. Das ist vielleicht Linderung für ein Jahr. Ich halte das für ein Scheinargument."

Nur Mainstream

Das Problem sieht er, wie bereits auch Museumsdirektoren und Galeristen angemerkt haben, nicht nur darin, dass die Essls in Bausch und Bogen Kunstwerke erworben haben ("27 Lassnigs auf einmal"), sondern dass "Essl immer Mainstream gesammelt hat: die besten und bekanntesten Österreicher. Das haben die Museen aber auch gemacht." Unter anderem deshalb finde er es auch "erstaunlich", dass die Museumsdirektoren nicht auch nächste Woche am sogenannten runden Tisch sitzen. Liaunig ist der Meinung, die Sammlung sollte auf dem Weg, auf dem sie erworben wurde, auch verkauft werden, und das ist der Markt. "Es wäre natürlich schade, wenn die Sammlung zerschlagen würde. Aber mit den internationalen Werken kann man an den weltweiten Markt herantreten, da muss man nicht den Steuerzahler bemühen."

Woran aus der riesigen Sammlung er selbst interessiert sei? "Nur an der österreichischen Kunst. Aber mit zwei, drei Werken wäre mein Budget erschöpft."

Unterdessen hat nach den vagen Äußerungen der vergangenen Tage nun zumindest Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll am Donnerstag klare Worte gesprochen: "Kooperation selbstverständlich ja, Ankauf nein", sagte er am Rande eines Pressegesprächs zum Thema "Zukunftsperspektive für die NÖ Kulturlandschaft". Pröll verwies dabei auch auf "viele Fragezeichen", die es gebe. Das gelte vor allem für die Zukunft des Unternehmens bauMax. Pröll merkte außerdem an, dass die Neustrukturierung der Kulturlandschaft "nicht von einer Stunde auf die andere aus dem Ärmel geschüttelt" worden sei. Das Land beschäftige sich vielmehr "seit Jahren" damit. Damit sah er den "Verdacht ausgeräumt", dass die Situation um Essl Einfluss auf das Donnerstag-Pressegespräch genommen habe.

Grundsätzlich: mehr Geld!

Am Donnerstag trat auch die Secession gegen einen Ankauf der Essl-Sammlung durch den Bund auf. "Dass überhaupt in Erwägung gezogen wird, einen Betrag in der kolportierten Höhe von 86 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, sehen wir als Affront gegenüber den österreichischen Kunstinstitutionen", so der Vorstand der Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession in einer Aussendung: "Die Verlautbarung des Ehepaares Essl, die Sammlung würde die Vielfalt der österreichischen Kunstproduktion im internationalen Kontext der letzten Jahrzehnte repräsentieren, halten wir schlicht für anmaßend und unrichtig - großen Konvoluten einzelner KünstlerInnen stehen ebenso große Lücken gegenüber."

Es geht aber auch noch grundsätzlicher: Gerald Bast, Rektor der Wiener Universität für Angewandte Kunst, sah den Zeitpunkt anlässlich der Causa Essl wiederum gekommen für einen Rundumschlag per offenem Brief an die Bundesregierung, genauer gesagt den Finanzminister: Unter dem Titel "Ist Österreich wirklich noch ein Kulturstaat?" fordert er - Geld. Und zwar die volle Inflationsabdeckung für das Budget der Kunstuniversitäten und für das Budget des Wissenschaftsfonds FWF sowie die Verdopplung des Budgets für die Förderung von künstlerischer Forschung auf vier Millionen Euro und die Freigabe der Finanzierung des Ausbaus der Universität für angewandte Kunst.