Salzburg/Wien. (pat) Ex-Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann wird "Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus bei den Salzburger Festspielen nicht wie geplant inszenieren. Wie Wilfried Haslauer (ÖVP), Salzburger Landeshauptmann und Vorsitzender des Kuratoriums, am Montagabend bei einem Pressegespräch sagte, habe das Burgtheater Hartmann von dieser Verpflichtung entbunden. "An dieser Entscheidung des Burgtheaters wird sich nichts mehr ändern", sagte Haslauer. Das Burgtheater und Sven-Eric Bechtolf, Schauspielchef der Salzburger Festspiele, suchen jetzt für das Theaterstück einen neuen Regisseur. Die Koproduktion von Burg und Festspielen wird also bestehen bleiben. "Die letzten Tage der Menschheit" sollen geplant am 29. Juli im Landestheater zur Premiere gebracht werden.

Unterdessen tut sich in den Machenschaften rund um die Burgtheater-Finanzen ein neues schwarzes Loch auf: Was verdiente Matthias Hartmann als Burg-Direktor? Was klagt er jetzt ein? Angeblich hat der ehemalige Burg-Direktor höhere Gagen bezogen, als ihm vertraglich zugestanden wären, das ergaben Recherchen der "Salzburger Nachrichten". Angeblich habe es in der Vereinbarung mit dem damaligen Kultur-Staatssekretär Franz Morak (ÖVP) zudem eine Vertragsklausel gegeben, die Hartmann in den ersten beiden Jahren Inszenierungen an anderen Häusern untersagen würde.

Extra honoriert
Hartmann hat aber sowohl in der Wiener Staatsoper ("Lady Macbeth von Mzensk", 2009) als auch an der Zürcher Oper ("Rusalka", 2010) inszeniert – beides extra honoriert und mit langen Abwesenheiten vom Burgtheater. Insgesamt habe sich Hartmann allein in seiner ersten Direktionszeit durch die vielen Nebenbeschäftigungen als Regisseur mehr als ein Jahresgehalt dazuverdient.

Die Bundestheater-Holding wehrt sich nun in einer Aussendung gegen die in den "Salzburger Nachrichten" erhobenen Vorwürfe. Die Erhöhung des ursprünglich vereinbarten Jahresbezugs erklärt die Holding mit einer 2007 von der damaligen Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) gewährten Valorisierung der Bezüge, die nicht nur für Hartmann, sondern für sämtliche Direktoren der Bundestheater vorgenommen wurden. Auch die höhere Vergütung einzelner Inszenierungen mit 52.500 statt 40.000 Euro ergebe sich, so die Holding, durch die jährliche Anpassung.

Matthias Hartmann äußerte sich nicht zur laufenden Gagen-Debatte. In der Vorwoche ließen seine Anwälte Georg Schima und Katharina Körber-Risak jedoch aufhorchen: Sie erklärten Hartmanns Kündigung für "unberechtigt und unwirksam" und verlangten zwei Millionen Euro.