Wien. "Es gibt tatsächlich auch Wohlfühltermine im Kunst- und Kulturbereich", freute sich Josef Ostermayer am Montag, und man verstand seine Erleichterung nur allzu gut. Nachdem der Neo-Minister zuletzt vor allem als Krisenfeuerwehr tätig war, konnte er sich nun einem angenehmeren Thema als Burgtheater oder bauMax zuwenden - nämlich einem Neubau im Museumsquartier (MQ). Die frohe Botschaft: Das nicht nur bei Kulturfreunden beliebte Areal wird um eine Attraktion reicher, und zwar auf dem Dach des Leopold Museums.

Auch dort sollen die typischen MQ-Sitzmöbel künftig zum Verweilen einladen, mit einer Aussicht bis zu den Wiener Weinbergen, heißt es; auch ein Café wird dort errichtet. Die Hauptattraktion in luftigen Höhen wird allerdings ein gläserner Bau namens "MQ Libelle" sein. Der 600 Quadratmeter große Raum soll Kulturveranstaltungen wie etwa Lesungen oder Diskussionen Platz bieten, aber auch für andere Events angemietet werden können. Entworfen wurde das Objekt von Laurids Ortner, der gemeinsam mit seinem Bruder Manfred Ortner bereits MQ-Gebäude wie das Leopold Museum und das mumok gestaltet hatte.

Kreativ veredelt

Zudem soll Eva Schlegel diese "Libelle" kreativ veredeln: Die renommierte österreichische Künstlerin wird die Glasfassade mit zahlreichen Spiegelpunkten spicken. Die profilierte Kollegin Brigitte Kowanz wiederum trägt dafür Sorge, dass der Dachausbau auch vom Haupthof aus sichtbar sein wird: Eine weitläufige Lichtinstallation soll die Konturen des Zubaus imitieren (der eigentlich weniger an ein Insekt erinnert denn an ein, so man von anderen biologischen Vergleichen absieht, "T" mit gerundeten Kanten); Kowanz’ Installation wird dabei über die Gebäuderänder hinausragen.

Die Pläne für das Projekt reichen bereits acht Jahren zurück, erklärt Peter Weinhäupl, kaufmännischer Leiter des Leopold Museums: "Es ist uns nicht aufs Dach gesetzt worden", versichert er und hofft auf eine Attraktivitätssteigerung für das eigene Haus. Um das Dach betreten zu können, muss man allerdings gar nicht direkt durch das Museum: Auch zwei Außenlifte werden zur "Libelle" und dem öffentlichen Terrassenbereich führen.

Die Kosten - eine Rarität dieser Tage - soll übrigens nicht der Steuerzahler tragen. MQ-Chef Christian Strasser versichert, dass sich das Projekt selbst trägt. Es werde zu gleichen Teilen aus Rücklagen des MQ sowie über Kredite finanziert; diese sollen dann durch die Einkünfte aus der Vermietung des neuen Raums bedient werden. Ein Finanzierungsplan, der auch Ostermayer freut: "Das Schöne ist: Trotz der prekären Budgets, mit denen wir alle zu kämpfen haben, ist es möglich, ein derartiges Offensivprojekt zu machen." Insgesamt sollen sich die Baukosten (bei einer Schwankungsbreite von 20 Prozent) auf sechs Millionen Euro belaufen. Die Bauarbeiten sollen im Spätherbst 2015 beginnen und ein Jahr später abgeschlossen sein. Voraussichtlich werden sie kaum Auswirkungen auf den Betrieb des Leopold Museums haben: Nur das oberste Stockwerk muss eine Zeit lang schließen.

"Niederschwellige" Attraktion

Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny lobt den Dachausbau als Zuwachs für das "niederschwellige" Kulturangebot im MQ. Wobei "niederschwellig" in dem Fall natürlich symbolisch gemeint ist: Dank der Außenlifte werde die Terrasse jedermann leicht zugänglich sein; Mailath-Pokorny kündigte zudem "leistbare Tarife für Kulturnutzer" an, die die "Libelle" mieten wollen. Zwar hat die Stadt im MQ nicht das Sagen: Ihr gehören nur 25 Prozent, die übrigen drei Viertel besitzt der Bund. Die Stadt unterstützt hier aber diverse Kulturveranstalter. Mehr als 60 arbeiten heute auf dem Terrain, das im Jahr 2001 eröffnet worden war.

Bekanntlich hätte das MQ damals auch einen Leseturm erhalten sollen - das ehrgeizige Projekt war aber nach heftigen Debatten gestrichen worden. Architekt Laurids Ortner, der sich lange für ein solches bauliches Signal aussprach, hält die "Libelle" für einen tauglichen Leseturm-Ersatz: Sie "kann eine ganze Reihe seiner Aufgaben übernehmen und setzt ein sichtbares Zeichen."