Pilgerstab nur 16 Euro

Merchandising wird auch in der Basilika selbst großgeschrieben: Hier gibt es Orgelpfeifen (120 ), Dreibeinhocker (zwei Stück für
7 ), Pilgerstäbe (16 ), Schutzengerl (5 ) oder Pfefferminzbonbons ("mit praktischem Druckverschluss"). Und wo ist die Magna Mater Austriae, die den bedeutendsten Marienwallfahrtsort Österreichs auszeichnet? Am Spazierweg vom Bahnhof hat sie uns von einem Foto herab willkommen geheißen. In der Kirche müssen wir die vielleicht 40 Zentimeter hohe Gnadenstatue erst suchen. Der Blick weiß nicht recht, wo er hin soll bei all den glitzernden Figuren, dem prunkenden Schmuck, den Deckenmalereien. Erst als wir uns, ermattet vom vielen Schauen, auf eine Kirchenbank setzen, bemerken wir: Die sogenannte Glockenmadonna ist direkt vor uns. Im glitzernden Drumherum an Gold und Silber und Glorie geht die kleine Statue beinahe unter. Auf der Rückseite der Gnadenkapelle sehen wir, dass es auch anders geht. Der vorösterliche Brauch der Kreuzverhüllung macht das Verhüllte auf viel eindringlichere Art präsent, als es die Überfülle an Schmuck rundherum vermag.

Beim Verlassen der Kirche werfen wir noch einen Blick in das Fürbittenbuch. Die letzte Eintragung lautet: "Bitte Mutter Gottes, schütze unser Graz vor die Moslembrüder!" Ob der Verfasser sich darüber freut, dass der Papst bei der Fußwaschung am Gründonnerstag einem libyschen Muslim die Füße geküsst hat?

Auch Schmalspurpilgern macht hungrig. Wir haben es nicht nur hierher geschafft, sondern am Weg auch unerwartete poetische Momente erlebt. Und so zelebrieren wir einen abschließenden Dienst in einem der zahlreichen lokalen Gasthöfe: Schnitzeldienst statt Gottesdienst.