Wien. Hans Hollein ist tot. Er war seit 1985 Österreichs einziger Träger des renommierten Pritzker-Preises und gilt als einer der Weltstars der Architektur. Doch er war mehr als ein Architekt, und Architekturur war für ihn mehr als Bauen, nämlich geistiges wie sinnliches Ereignis und Grundbedürfnis des Menschen, seit er die Höhlen verließ.

Er radikalisierte die Moderne
Der Begriff Multitasker passte auf seine Arbeit zwischen Architekt, Designer, bildender Künstler, Theoretiker, Kulturpolitiker, Ausstellungsgestalter und Lehrender. Er erklärte das Auto zur Architektur und finalisierte und radikalisierte damit die erste Moderne mit Blick in die Zukunft, wie der zweite Multitasker der Avantgarde nach 1945, Peter Weibel, in einer Monografie von 2012 vermerkt.

Hollein gehörte in einer Art Dialektik der ersten und der zweiten Phase der Moderne an. Er wurde 1934 in Wien in eine Familie von Bergbauingenieuren hineingeboren und absolvierte die legendäre Jungenklasse bei Franz Čižek, was seine Liebe zum Gesamtkunstwerk "Jugendstil" anfachte.

Nach der Matura 1953 studierte er bei Clemens Holzmeister an der Akademie, unternahm Reisen nach Nordeuropa mit der Künstlerin Kiki Kogelnik und wechselte nach dem Diplom 1956 in die USA, wo er, mit Hilfe eines Stipendiums, ein Masterstudium in Chicago und Berkeley 1960 abschloss.

Die Visionäre der vertriebenen Moderne wie Friedrich Kiesler, Victor Gruen oder der Otto-Wagner-Schüler Rudolph Schindler, beschäftigten ihn dort ebenso wie die Pueblo-Architektur in Neu-Mexiko, der Austausch mit Richard Buckminster Fuller oder die Rückblicke auf Frank Lloyd Wright.

Verbindung von Philosophie und Architektur

Der vielseitig gebildete Hollein verband puristische Wertetheorien der ersten Wiener Schule der Philosophie und Kunstgeschichte mit der Fülle postmoderner Medientheorie, was ihm stets einen Vorsprung oder globaleren Blick bescherte, in Österreich aber auch zu Anfeindungen führte. Am Anfang standen die Visionäre der Avantgarden des 20. Jahrhunderts: Adolf Loos und Josef Hoffmann, die utopischen Modelle der Futuristen und Expressionisten; El Lissitzky und Kasimir Malewitsch faszinierten ihn wie das Bauhaus mit Marcel Breuer, dazu Le Corbusier und der Brasilianer Oscar Niemeyer. Doch auch Marcel Duchamp, Werbung und Neue Medien, Arte povera und Fluxus.