Wien. "Wir werden uns noch sehr oft hier sehen", meinte Richterin Kristina Heissenberger am Ende der ersten Tagsatzung. Nachsatz: "Noch häufiger, als ich dachte." Eine rasche Einigung ist in der Causa Hartmann versus Burgtheater nicht in Sicht. Allein der Auftakt zum Prozess dauerte dreieinhalb Stunden, beinahe doppelt so lang wie ursprünglich anberaumt.

Das Wiener Arbeits- und Sozialgericht wird vor allem zu klären haben, ob die Entlassung des ehemaligen Burg-Direktors Matthias Hartmann wirksam und berechtigt gewesen sei oder nicht. Der Knackpunkt, um herauszufinden, ob Hartmann seinen Pflichten als Geschäftsführer nachgekommen sei, liegt wohl in der Schattenbuchhaltung der ehemaligen kaufmännischen Direktorin Silvia Stantejsky.

Die Anwälte des Burgtheaters vertreten die Ansicht, dass Hartmann nicht nur von den dubiosen Machenschaften wusste, sondern unmittelbar davon profitierte. Burg-Anwalt Bernhard Hainz: "Hartmann hat das System aufrechterhalten." Schließlich habe es für seine Regiearbeiten immer nur Akontozahlungen, nie aber eine Endabrechnung gegeben.

Veränderte Dokumente

Hingegen sind Hartmanns Rechtsvertreter der Auffassung, dass vielmehr Georg Springer Stantejskys Praktiken seit langem duldete und Hartmann gegen das "System Springer-Stantejsky" nichts auszurichten vermochte. Stantejsky sei Hartmann als "nicht so organisiert und kompetent" wie seine bisherigen kaufmännischen Geschäftsführer vorgekommen. Er wollte sie daher nicht unbedingt in dem Amt halten. Aber Springer hätte auf einer Weiterbeschäftigung bestanden. Hartmann habe nachgegeben, auch weil er Turbulenzen innerhalb der Belegschaft befürchtete, da Stantejsky allseits geschätzt wurde. Nun klagt Hartmann seinen ehemaligen Arbeitgeber auf zwei Millionen Euro Entgeltzahlung. "Es geht aber nicht nur ums Geld", so Hartmanns-Anwalt Georg Schima, "sondern auch um die Reputation meines Mandanten." Hartmann werde zu Unrecht vorgeworfen, so Schima, "das Burgtheater an die Wand gefahren zu haben".

Seit Anfang des Jahres das Bilanzchaos bekannt wurde, wird darüber spekuliert, wie es so weit kommen konnte und wer dafür verantwortlich ist. Während die ehemalige kaufmännische Direktorin Silvia Stantejsky bereits Ende 2013 und Burg-Direktor Matthias Hartmann schließlich im März 2014 entlassen wurde, zeitigte das Debakel für Holding-Chef Georg Springer zunächst kaum Folgen. Kurz vor Prozessbeginn schossen sich Hartmanns-Anwälte aber auf Springer ein. Als Beweis für dessen Mitwisserschaft wurden zwei Gutachten von Anwalt Thomas Angermair zitiert, aus denen hervorgeht, dass die Holding ihrer Kontrollfunktion nicht ordnungsgemäß nachgekommen sei. In einer Letztfassung wurden im Schriftstück offenbar einige Passagen zugunsten Springers gelöscht.