Wien. 15 Jahre lang war Georg Springer Chef der Bundestheater-Holding. Neuerdings scheint der wichtigste Kulturmanagementposten ein Schleudersitz zu sein: Nachdem Springer wegen der Burg-Finanzkrise zunehmend unter Beschuss geriet, gab er per Ende Juni seinen vorzeitigen Rücktritt bekannt. Der langjährige Prokurist Othmar Stoss wurde sein interimistischer Nachfolger. Kaum acht Tage im Amt, gibt es schon einen Neuen: Kulturminister Josef Ostermayer hat völlig überraschend Günter Rhomberg mit der interimistischen Leitung betraut.

Von 1. September 2014 bis längstens 31. Dezember 2015 wird der versierte Kulturmanager die Geschäfte führen. Stoss bleibt Stellvertreter. Die neue Geschäftsführung soll spätestens mit 1. Jänner 2016 ausgeschrieben werden.

Unvoreingenommener Blick

"Die kommenden eineinhalb Jahre werden als Übergangszeitraum wichtige Entscheidungen über die neue Struktur der Bundestheater bringen", kündigt Ostermayer an. Von Rhomberg erwartet sich der Kulturminister eine Reorganisation und Stabilisierung der Holding. "Dies wird gelingen, wenn wir vertrauensvoll und loyal zusammenarbeiten", zeigt sich Rhomberg in einer ersten Reaktion optimistisch.

Ostermayers Entscheidung wurde seitens der Opposition begrüßt. Sogar der grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl äußerte sich wohlwollend: "Günter Rhomberg verfügt über die Gabe der leisen, aber effektiven Diplomatie und bringt vor allem den unvoreingenommenen Blick von außen mit, der für den strukturellen Neuanfang in den Bundestheatern unabdingbar ist." Auch ÖVP-Kultursprecherin Maria Fekter gratuliert Rhomberg und erhofft sich von ihm "vor allem die Wahrnehmung der Controllingfunktion". In der Kulturszene ist Günter Rhomberg kein unbeschriebenes Blatt. Der 76-jährige Bregenzer war 31 Jahre (von 1981 bis 2012) Präsident der Bregenzer Festspiele. Unter seinem Vorsitz begann eine neue Ära: Er prägte die sogenannte "Bregenzer Dramaturgie", die bekannte Mischung aus publikumswirksamer Oper auf der Seebühne und Raritäten im Haus.

2005 wurde er zum Stiftungsvorstand der damals neu gegründeten Privatstiftung des Theaters in der Josefstadt berufen. Rhomberg dürfte damals maßgeblich an der Kür des Schauspielers und Regisseurs Herbert Föttinger zum Direktor der Josefstadt beteiligt gewesen sein. Seitdem haben das Team Rhomberg, Föttinger und der kaufmännische Direktor Alexander Götz nicht nur den Schuldenabbau, sondern auch umfangreiche bauliche Sanierungen bewältigt. Auch der künstlerische Erfolg der Traditionsbühne ist achtbar.

In der Wirtschaftswelt hat sich der gelernte Bauingenieur einen Namen als Geschäftsführer im Unternehmen seiner Gattin - der Textilfirma Huber Holding AG - gemacht. Er war Vorsitzender der Sektion Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg sowie langjähriger Präsident der Österreichischen Textilindustrie.

Auch im Kultursektor kann sich Rhombergs bisherige Leistungsbilanz sehen lassen: Der Manager steht für Wirtschaftlichkeit, gepaart mit geschickten Personalentscheidungen.

Sanierungsfall Holding

Dieses Know-how wird er im Sanierungsfall der Holding dringend brauchen. Seit zu Beginn des Jahres am Burgtheater ein Finanzdebakel von ungeahntem Ausmaß aufgedeckt wurde, ist auch die Holding zunehmend unter Druck geraten. Mitte Juni zerpflückte zudem ein Rohbericht des Rechnungshofes die Unternehmensführung. Der Holding wird vorgeworfen, dass sie die "strategische Führungsrolle und Kontrollfunktion nur unzureichend" erfüllt und keine längerfristigen Finanzierungskonzepte erarbeitet habe. Demnächst wird der Endbericht des Rechnungshofes erwartet.

Das offenbar über die Jahre gewachsene strukturelle Chaos der Holding gab in jüngster Zeit Anlass zu Spekulationen: Die Bandbreite reichte von Komplettabschaffung bis hin zur Stärkung der Holding. Das Büro von Kulturminister Ostermayer holt derzeit mehrere Angebote von Unternehmensberatern mit Erfahrung im Kulturbereich ein. Die externen Berater sollen die Holding durchleuchten und Verbesserungsvorschläge erarbeiten. Die Entscheidung für eine Beraterfirma soll in Bälde fallen.

Vor zehn Jahren haben zuletzt die Unternehmensberater Deloitte & Touche die Bundestheater durchforstet und festgestellt, dass "eine Anhebung der Basisabgeltung angebracht" sei. Die Subventionen blieben gedeckelt. Bleibt abzuwarten, ob Rhomberg eine Kurskorrektur gelingt.