Wien. (irr) Das Umfeld ist schuld - er bloß das Bauernopfer. Die Interviews, die Matthias Hartmann dieser Tage reichlich gibt, malen stets dasselbe düstere Drama. So auch das Gespräch, das der Theatermann aus Osnabrück mit der "Süddeutschen Zeitung" geführt hat. Zur Erinnerung: Hartmann, ab 2009 Direktor des Burgtheaters, ist dieses Amtes im März enthoben worden. Als Geschäftsführer sei er mitverantwortlich für den Finanzskandal, der zu Jahresbeginn ruchbar geworden ist, befand Kulturminister Josef Ostermayer.

Hartmann sieht dies anders und stellt sich auch in der "Süddeutschen" als Lichtgestalt dar: Hätte er nicht versucht, die Dinge aufzuklären, wäre er "wahrscheinlich" noch heute Direktor, sagt der Deutsche und verweist auf das Jahr 2011: Damals bat er bekanntlich den Kulturfinanzexperten Peter F. Raddatz, die Bücher zu durchleuchten. Raddatz gibt Hartmann nun auch im Interview mit der "Süddeutschen" Schützenhilfe: Das Theater sei schon zu Hartmanns Dienstantritt komplett überschuldet gewesen, das Minus kaschiert worden. Ex-Geschäftsführerin Silvia Stantejsky habe "irrsinnige Dinge" gemacht, sagt Hartmann. Sein Zeigefinger richtet sich auch gegen Karin Bergmann: Diese habe "öffentlich gesagt, dass sie von den finanziellen Problemen im Vorfeld nichts gewusst habe". Als Vertreterin seines Vorgängers Klaus Bachler sei sie aber auch in Aufsichtsratssitzungen gesessen, "in denen es um die Schulden vor meinem Dienstantritt ging. Jetzt ist Bergmann wiederum meine Nachfolgerin." Bergmann weist die Vorwürfe zurück: Zwar sei sie mit der operativen Abwicklung der Spielzeit 2008/09 betraut gewesen, hätte Bachler "ausnahmsweise" in einer Aufsichtsratssitzung im Juni 2008 vertreten. Doch sie hätte zu keinem Zeitpunkt Prokura gehabt. Diese sei in der besagten Sitzung vielmehr Hartmann übertragen worden, der dann die Saison-Bilanz 2008/09 unterzeichnete.